Todkranker half bei Anschlag auf Kaserne in Nordirland 2009
Belfast - Wegen seiner Beteiligung am Mord an zwei
britischen Soldaten in Nordirland muss ein todkranker Mann für
mindestens 25 Jahre ins Gefängnis. Ein Richter in Belfast sagte dem
46-jährigen Brian Shivers am Freitag, eine Haftentlassung könne
frühestens nach Ablauf dieser Frist in Erwägung gezogen werden.
Shivers leidet an einer genetisch bedingten Stoffwechselerkrankung
und hat eine Lebenserwartung von schätzungsweise vier bis fünf
Jahren. Die an der Tat Beteiligten müssten eine angemessene
Bestrafung erhalten, sagte Richter Anthony Hart.
Der Verurteilte war Mitglied der Real IRA, einer Splittergruppe
der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee,
die im März 2009 an einer Kaserne nordwestlich von Belfast einen
Anschlag auf britische Soldaten verübte. Dabei wurden zwei Soldaten
Anfang 20 getötet und zwei weitere Militärangehörige verletzt. Nach
Angaben der Polizei nutzten die Angreifer eine Pizzalieferung, um das
Feuer auf den Stützpunkt in der Ortschaft Massereene zu eröffnen.
Eine Videoaufnahme zeigte vor Gericht, wie zwei Maskierte vor der
Kaserne erschienen und das Feuer eröffneten. Auch die
Pizzalieferanten wurden verletzt.
Nach Angaben des Richters hatte Shivers versucht, das
Fluchtfahrzeug zu verbrennen. Zwar habe er eine geringere Rolle als
die beiden Schützen gespielt, aber er habe bedeutenden Anteil an der
sorgfältig geplanten Tat gehabt, begründete Hart das Urteil. Im
vergangenen Monat war Shivers unter anderem der versuchten Tötung und
des Waffenbesitzes für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft
verurteilt worden.
Der Friedensvertrag von 1998 hatte die Gewalt in Nordirland
größtenteils beendet. Dennoch kam es seither sporadisch zu weiteren
Anschlägen. In den Jahrzehnten der Gewalt zwischen Protestanten, die
Teil des Vereinigten Königreichs bleiben wollen, und Katholiken, die
sich der Republik Irland anschließen wollen, kamen rund 3500 Menschen
ums Leben. (APA)