Sparpaket

Bausparprämie wird halbiert, BIG soll reformiert werden

10. Februar 2012, 19:02

Neben dem Wegfall der Spekulationsfrist hat das Sparpaket noch ein paar Überraschungen parat - Malloth: "Der Schwarzmarkt wird blühen" - ÖVI sieht künftig weniger Vorsorgewohnungen auf dem Markt

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Die Regierung beschloss am Freitag Abend im Rahmen eines Sonder-Ministerrats das Sparpaket. Einschneidende Veränderungen wird es dadurch auch in der Immobilienwirtschaft geben: Die zehnjährige Spekulationsfrist bei Immobilienverkäufen wird gestrichen, dafür wird künftig ein einheitlich niedrigerer Steuersatz von 25 Prozent auf alle Veräußerungsgewinne fällig. Damit werden sämtliche Gewinne aus Immobiliengeschäften besteuert, auch Gewinne, die durch die Umwidmung von Grundstücken entstehen ("Umwidmungsabgabe"). Für 2013 erwartet sich die Regierung aus diesem Titel 350 Millionen Euro, 2016 sollen die Einnahmen schon 750 Millionen Euro betragen.

15 Prozent auf den Verkaufspreis

Ausgenommen aus der Regelung bleiben Hauptwohnsitze und "selbst hergestellte Häuser". Die neue Regelung gilt mit den vollen 25 Prozent auf die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis für alle Immobilien, die nach dem 1.4.2002 gekauft wurden. Ein echter Knüller ist hier in Form der geplanten Umwidmungssteuer sozusagen in den Details versteckt: Der Verkaufspreis (!) von vor diesem Stichtag erworbenen Immobilien wird mit 15 Prozent besteuert, wenn davor eine Umwidmung von Grün- in Bauland stattgefunden hat. Bei Immobilien ohne Umwidmungen wird die Steuer auf die Verkaufssumme 3,5 Prozent betragen - was die bei diesen Transaktionen ebenfalls anfallende Grunderwerbssteuer (3,5 Prozent; diese bleibt, wie auch die Grundsteuer, unverändert) de facto verdoppelt. Insgesamt soll die neue Steuer von 2013 bis 2016 2,05 Mrd. Euro ins Budget spülen.

Experten sind allerdings mehr als skeptisch. Thomas Malloth, Bundesobmann des WKÖ-Fachverbands der Immobilientreuhänder, prognostiziert, dass "der Schwarzmarkt blühen" werde: "Es wird einen Preis fürs Grundbuch geben und einen, der am Gang vereinbart wird", sagte er zum STANDARD.

ÖVI: Weniger Vorsorgewohnungen

Der Österreichische Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI) erwartet nicht, dass die neuen Bestimmungen "Immobilienhändler im steuerrechtlichen Sinn" treffen werden, obwohl die 25-prozentige Steuer gleichermaßen für private und Betriebe gilt. Begründung: Die Immobilien-Profis hätten die erzielten Gewinne typischerweise bereits jetzt voll versteuert, sagte ÖVI-Geschäftsführer Anton Holzapfel zur APA. Treffen werde es eher
private Anleger, die ihre Besitztümer verkaufen wollten.

Als Beispiel nannte Holzapfel den Besitzer einer Vorsorgewohnung, der vielleicht nach Jahren der Vermietung verkaufen wolle. "Wer sagt, bevor ich mit 60 in Pension gehe, verkaufe ich noch schnell meine Vorsorgewohnung, dürfte die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben." Wahrscheinlich würden als Folge weniger Vorsorgewohnungen auf den Markt kommen.

Holzapfel ist derzeit unklar, wie der Fiskus den Wert von Wohnungen feststellen will, deren Anschaffungs-/Renovierungskosten bereits weit zurückliegen oder die bereits mehrfach den Besitzer gewechselt haben. "Für mich ist auch nicht erkennbar, ob die künftige Versteuerung von Umwidmungsgewinnen über den Bund oder die Länder erfolgt wird."

Vorsteuer-Abzug neu geregelt

Eine Einschränkung des Vorsteuerabzugs bei Bauvorhaben soll schon heuer weitere 100 Millionen Euro bringen, danach jährlich 250 Millionen Euro - was Experten für "absurd" halten. Damit seien nicht nur Vorsorgewohnungen, sondern auch Wohnungen mit Miet-Kaufoption steuerlich zum Tode verurteilt. Generell dürfte der Wohnungsneubau teurer werden - und der Trend, Wohnungen "schwarz" zu vermieten, deutlich zunehmen.

Derzeit kann durch den Vorsteuerberichtigungszeitraum von zehn Jahren für die Errichtung eines Gebäudes Vorsteuerabzug für sämtliche Errichtungskosten geltend gemacht werden, nach zehn Jahren günstiger Vermietung aber umsatzsteuerfrei verkauft werden. Von der Umsatzsteuer befreite Rechtsträger (Banken, Gemeinden) erhalten durch vorgeschaltete Rechtsträger (zB ausgegliederte GmbH) einen Vorteil durch die Vorsteuer. Diese unechte Befreiung bei Grundstücksumsätzen wird gestrichen. Miet-Kaufoptions-Konstruktionen werden dadurch weniger attraktiv, dadurch seien 50 Millionen Euro pro Jahr zu lukrieren, meint die Regierung.

Bausparprämie wird halbiert

Ein weiterer "Knüller": Die jährliche staatliche Prämie für die 5,5 Millionen heimischen Bausparverträge wird ab 2013 halbiert und beträgt künftig maximal zwischen 1,5 und vier Prozent. Aktuell liegt die mögliche Bandbreite bei 3 bis 8 Prozent. Schlagend werden soll dies ab kommendem Jahr, einbringen soll die Maßnahme bis 2016 rund 300 Millionen Euro.

Durch Maßnahmen in der Verwaltung sollen 770 Millionen Euro bis 2016 eingespart werden. Unter anderem soll die Bundesimmobiliengesellschaft reformiert werden, eine bessere Kooperation bzw. überhaupt eine Zusammenlegung mit den Burghauptmannschaften Österreich wird überlegt. Ein besseres "interministerielles Flächenmanagement" des Bundes soll ein Prozent der Büroflächen einsparen helfen. (red, derStandard.at, 10.2.2012)

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Details zum Sparpaket auf derStandard.at/Inland.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
immofuchs
00
13.2.2012, 14:50
die Wertzuwachssteuer ist meine absolute Lieblingssteuer

jetzt zahlen Immobilienhändler nur mehr die Hälfte! - Super.
An alle "für die Kinder Häuslebauer":
wieviel ist eine immobilie mit hypothekardarlehen wert? -
wenn der Groschen gefallen ist:
da läuft dann garnix schwarz und man bezahlt trotzdem keine Steuer!
Viel Glück bei den 2 Mrd. Zusatzgewinnen

Hyperanthropos
00
13.2.2012, 11:18
in Zukunft mehr schwarz?

Dieser Herr Maloth schließt scheinbar von sich auf andere, wenner meint, es werde in Zukunft mehr schwarz gemacht werden. In Frankreich z.B. gibt es seit langem eine Spekulationsfrist von 30 Jahren, und aus diesem Grund macht dort niemand etwas schwarz, denn die Wahrscheinlichkeit, dass er beim Wiederverkauf mehr Steuern zu zahlen hätte, bleibt auf 30 lange Jahre bestehen, und darauf läßt sich niemand ein. Bei überschaubaren 10 Jahren war das noch etwas anderes. Die neue Regelung wird daher logischer Weise im Gegenteil dazu führen, dass weniger schwarz gemacht wird. Zudem sind die Sätze ehrlich eher moderat, auch im internationalen Vergleich.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
10
13.2.2012, 07:49
"Dumme" Frage:

Kann man demzufolge den Verlust beim Verkauf einer Immobilie abschreiben?

Nee-Chee
00
13.2.2012, 10:10
Ja kannst du.

Aber nur gegen den Gewinn aus einer anderen Immobilie. Unterschiedliche Einkunftsarten sind nicht gegenrechenbar.

Gobi Todic
00
13.2.2012, 08:37

kann ein angestellter einen verlust in meiner lebensführung auch von der steuer absetzen?

z.b. 1.500 netto einkommen, 2.000 monatliche ausgaben = 500 Euro gutschrift?

also.

na so was!
20
12.2.2012, 09:09

wenn ich vor vielen jahren (sagen wir mal vor 25 jahren) eine wohnung gekauft habe, die damals (umgerechnet von schillingen) 80.000 € gekostet hat, und diese jetzt um 250.000 € verkaufe, dann soll ich 25 % steuern bezahlen? das wären 42.500 € !!!

habe ich das richtig verstanden?
wird da irgendwie die inflation berücksichtigt???

wenn meine rechnung richtig ist, dann werden die wohnungspreise explodieren und das schwarzgeld beim kauf einer wohnung wird fröhliche urständ feiern …

12345678901234567890
00
12.2.2012, 17:05

warum sollten Sie auch nicht bezahlen? für jeden anderen gewinn bezahlen Sie auch einkommenssteuer! 25% ist da eher wenig. rechnen Sie sich einmal aus, was die einkommenssteuer + sozialversicherung für einen gewinn von 170000.- euro wären.

max ritz
00
12.2.2012, 19:36
also wenn Sie 170.000 im Loto gewinnen

bezahlten Sie keinen cent SV

12345678901234567890
00
12.2.2012, 20:11

mag sein. wenn ich allerdings einen preis für eines meiner projekte gewinne, muss ich das sehr wohl versteuern.

know your enemy
02
12.2.2012, 16:32
wenn sie diese wohnung nur gekauft haben um gewinn damit zu erzielen und nicht um in ihr zu wohnen

ist das schon ok so.

wieso sollen menschen nur bei sparprodukten steuern zahlen, nicht aber bei immobilienspekulationen, die die preise in die höhe treiben?

Igor Ximan
10
12.2.2012, 19:31
Und wenn nicht?

Ich habe sie selber bewohnt, mittels Kredit und Erspartem (Eigenkapital) finanziert, aufwendig renoviert und viel investiert (daher der Wertzuwachs) ...

Nee-Chee
00
13.2.2012, 10:12
So viel geleistet

und das alles ohne lesen zu können. Respekt.

Gobi Todic
01
13.2.2012, 08:39

jaja, ein tüchtiger wohnungserbauer der nicht mal einen artikel mit ein paar zeilen lesen kann.

know your enemy
01
12.2.2012, 22:48
na dann gibts auch keine steuer ;-)

steht doch klar im artikel

12345678901234567890
02
12.2.2012, 20:13

wenn das so ist, dann muss der, der einen artikel sinnerfassend lesen kann, keine steuern zahlen. die anderen schon.

lichaot
01
12.2.2012, 14:35

Die Inflation haben Sie idealerweise 25 Jahre lang durch Mieteinnahmen ausgeglichen.

Schwarzgeld wird nur dann fließen, wenn man einen Depp*n findet, der nicht bis zum eigenen Weiterverkauf vorausdenkt. Und die Preisexplosion bei Immobilien hats bereits gegeben.

Krones
00
11.2.2012, 20:18
allein diese "Sparmassnahme" ...

sprich Budgeteinnahme wird wiederum teuer, denn es sind sämtliche Grundstücke irgendwann einmal umgewidmet worden - dieses Gesetz bringt den Budgettopf zum überlaufen!!! Was bedeutet "selbsthergestellt"?
Hab mich gestern schon gewundert, das die beiden- Spindellecker und Faigmann - anl. der Pressekonferenz einen Wortschatz verwendet haben, die jede Kompetenz und Kenntnis irgendeiner Materie vermisse ließen!
Bin schon neugierig, wie von Fachleuten dieses Sparpaket, welches in Gesetze münden wird, zerpflückt werden wird!!! Großer Reparaturbedarf kündigt sich an, wiederum teure Gesetzes wegen unfähiger Politiker!!!

know your enemy
11
11.2.2012, 17:35
ich seh bei all den maßnahmen kaum etwas, das sicher die geplanten einnahmen bringt

bestes beispiel die bausparer.
auf den betrag kommt man nur, wenn man tatsächlich der abstrusen meinung ist, dass die halbierung der bausparprämie zu keiner reduktion des vertragsbestandes kommt.

sehr wahrscheinlich...

berti russell
01
12.2.2012, 16:20

bei einer reduktion des vertragsbestandes wird ja die einsparung noch größer.

annea
17
11.2.2012, 15:41
Bausparer

Wer heute noch so einen Vertrag hat, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Es wird nicht mal die Inflation abgedeckt, dafür, dass man den Banken sein Geld 6 Jahre lang zur Verfügung stellt. Das selbe gilt übrrigens für die ach so tollen staatlich geförderten Pensionsversicherungen. Ich habs mal durchgerechnet: knappe 25% des eingezahlten Geldes geht direkt als "Spesen" an das Versicherungsunternehmen, das was man am Ende herausbekommt deckt auch nicht mal annähernd die Inflation ab. Das ist ganz einfach staatlich geförderter Betrug. Aber das hat ja auch schon der VKI festgestellt.

karakal
01
12.2.2012, 11:30
Mhm....

Das mag ja sein. Aber selbst wenn ich nach 6 Jahren nur das einbezahlte Kapital zurückkriege, ist es auch net so schlecht, weil sonst hätte ich mir das wahrscheinlich nicht zurückgelegt...
Und ein Sparbuch ist noch schlechter...

know your enemy
30
11.2.2012, 17:32
also was auch immer du da durchgerechnet hast ist kompletter topfen ;-)

man kann natürlich einem AWD mitarbeiter provision in den rachen schieben wenn man möchte, wenn man ein bisschen schlauer ist, schließt man die polizze allerdings provisionsfrei direkt bei der versicherung ab.

aber provision hin oder her, das allermindeste was am schluss rauskommen kann sind die einbezahlten prämien + staatliche förderung.

aber vielleicht könnens ihre rechnung ja mal vorlegen ;-)

und zum VKI äußer ich mich nicht näher, der ist ja bekannt dafür dass er solange unwahrheiten als tatsachen verkauft, bis der OGH ihm widerspricht.

versteh ich natürlich, sonst verliert er seine (mit steuergeldern finanzierte) daseinsberechtigung

Saurer Zivi
00
11.2.2012, 11:53
kommt man dann mit der halben Bausparprämie überhaupt noch auf über 3% effektivverzinsung??

oder überhaupt noch über die inflation??

Salzburger2
00
13.2.2012, 09:24
Auf 3% kam man auch bisher nicht!

Ich habe mir einmal am Ende eines Bausparvertrages die Mühe gemacht, den effektiven Zinssatz auszurechenen. Der lag auch vor Jahren schon sehr nahe am Sparbuch und bei Weitem nicht da, wo der "Bankberater" bei Vertragsabschluss "versprach".
Mit einem auf 6 Jahre gesperrten Sparbuch lag man schon immer über einem Bausparer!

know your enemy
01
11.2.2012, 17:33
noch immer eher als mit einem sparbuch o.ä.

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