Peter Schöttel

"Für mich war Rapid immer ein Arbeitsplatz"

Interview | Christian Hackl, 10. Februar 2012, 19:06
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    foto: apa/diener

    "Es wird gelacht. Aber es ist eine ganz enge Geschichte." Peter Schöttel, Rapid-Trainer.

Peter Schöttel startet als Spitzenreiter ins Frühjahr. Der Trainer weiß aber nicht, ob Rapid eine Hauptrolle übernehmen kann

Standard: Wie groß ist die Lust, am Sonntagnachmittag bei ungefähr minus zehn Grad in Wiener Neustadt Fußball zu spielen? Auf Quarzsand. Macht das Sinn?

Schöttel: Ich kenne Quarzsand nur vom Hörensagen. Am wichtigsten ist, dass der Boden nicht beinhart gefroren und spiegelglatt ist. Da geht es um die Gesundheit der Spieler. Dass wir im Februar nicht Sommer haben, ist schon klar. Der Terminkalender ist eng, lässt kaum Alternativen zu. Wir führen diese Diskussionen Jahr für Jahr. Manchmal gibt es milde Winter, da haben wir halt Glück. Es wird sicher nicht heimelig werden, vor allem für die Zuschauer. Ich werde selbstverständlich lange Unterhosen tragen. Gewinnen wir, ist in zwei Tagen alles vergessen, da stellt sich die Sinnfrage nicht. Dann kann man sich ausführlich mit dem 300. Derby befassen.

Standard: Ihr Trainerkollege aus Ried, Paul Gludovatz, fordert eine Reform, eine Reduktion. 32 Runden würden reichen, damit es endlich Regenerationsphasen gibt. Teilen Sie diese Ansicht?

Schöttel: Aus sportlicher Sicht wäre es eine gute Sache. Ich saß oft in diversen Arbeitsgruppen. Es gibt die unterschiedlichsten Argumente, es wird diskutiert und dann beschlossen, dass 36 Runden das Beste sind. Obwohl es natürlich zu viele sind.

Standard: Ist das typisch österreichisch? Man weiß zwar Bescheid über Probleme, redet darüber, ändert aber nichts. Siehe Bildungsreform.

Schöttel: Was soll ich darauf sagen? Ja.

Standard: Rapid ist Erster, könnte von der Tabellenspitze runterlachen. Aber der Verein wirkt nach außen hin angespannt. Wie stufen Sie die eigene Mannschaft ein?

Schöttel: Es wird gelacht, wir freuen uns sehr. Aber es ist eine ganz enge Geschichte. Die Vereine, die im Herbst Europacup gespielt haben, sind im Frühjahr sicher stärker. Der Makel, nicht für den Europacup qualifiziert zu sein, kam uns zugute. Nicht jede Partie war ein Schicksalsspiel oder eine riesige Enttäuschung. Wir hatten ja genug Probleme und Altlasten zu bewältigen. Wir sind jetzt weiter als vor einem halben Jahr, wissen aber, dass wir besser werden müssen, um eine Hauptrolle zu spielen. Ob es gelingt, weiß ich nicht.

Standard: Hat Rapid ein Qualitätsproblem, fehlen die Alphatiere?

Schöttel: Wo sind die Alphatiere bei der Konkurrenz? Wir können nur über die Mannschaft und über den Zusammenhalt Erfolg haben.

Standard: Es wird von der spannendsten Meisterschaft seit vielen Jahren gesprochen. Ist sie auch die beste? Anders gefragt: Kann eine Liga den permanenten Qualitätsverlust verkraften? Rapid blieb diesmal verschont, die Austria hat Barazite und Junuzovic verloren.

Schöttel: Die europäischen Ergebnisse sind herzeigbar. Es hat sich bei fast allen Vereinen die Einsicht durchgesetzt, dass man Spieler selbst entwickeln muss. Ich finde diesen Weg richtig und alternativlos. Ob die Liga heuer gut, ganz gut oder schlecht ist, ist reine Geschmackssache. Die Spannung ist nicht zu leugnen.

Standard: Kann man als RapidTrainer Visionen haben und leben?

Schöttel: Ja. Ich bin gekommen, um meinen Weg zu gehen, etwas aufzubauen und zu hinterlassen. Das klingt ein bisserl staatstragend. Es soll zum Automatismus werden, dass jeder Abgang ersetzt wird. Aus den eigenen Reihen.

Standard: Solche Leute wie Nikica Jelavic, der nun um zehn Millionen Pfund von den Glasgow Rangers zu Everton gewechselt ist, kann man sich künftig abschminken, oder?

Schöttel: Warum? Jelavic wurde anfangs belächelt. Sucht man, findet man solche Leute. Rapid kann ja auch Legionäre entwickeln.

Standard: Aber die Zeiten haben sich schon radikal geändert. Früher waren Rapid oder die Austria Topadressen, für jeden Buben ein Traum und das Ziel. Jetzt sind das maximal Zwischenstationen, die Hauptbahnhöfe stehen anderswo.

Schöttel: Na und? So ist es halt. Man will auch von Ried oder Wiener Neustadt aus ins Ausland wechseln. Direkt oder via Austria und Rapid. Aus wirtschaftlicher Sicht dürfen wir uns nicht einmal mit der zweiten deutschen Liga vergleichen. Auch als Fan darf man nicht in der Vergangenheit leben und sagen: Früher haben sie noch das Wappen geküsst. Was der Fan aber bekommen muss, sind Einsatz und ehrlicher Sport.

Standard: Andere Baustelle. In Europa mehren sich die negativen Vorfälle rund um den Fußball. In Deutschland gibt es Ausschreitungen, in der Schweiz werden Spiele abgebrochen, in England ist der Rassismus im Vormarsch. Auch Rapid hat Probleme: Einige Fans wurde wegen Landfriedensbruchs verurteilt, bekamen unbedingte Haftstrafen. Wie kann man diesen Strömungen entgegenwirken?

Schöttel: Man muss sie leider hinnehmen, darf sie aber nicht akzeptieren. Meine Aufgabe ist, diese Mannschaft anständig zu trainieren. Man muss den Fans gegenüber offen sein, mit ihnen sprechen, an ihre Vernunft appellieren. Aber ich kann sie nicht erziehen. Und ich kann auch nicht die wirtschaftlichen und sozialen Probleme Europas lösen. Tut leid.

Standard: Gibt es diesen sagenumwobenen Rapid-Mythos noch?

Schöttel: Für viele gibt es ihn. Der extreme Fanatismus ist überall gefährlich. Für mich war Rapid immer ein Arbeitsplatz, ich habe dort praktisch mein Leben verbracht. Ich will den Verein nach oben bringen. Ich habe nie behauptet, dass grün-weißes Blut in meinen Adern fließt. Es ist rot. (DER STANDARD, Printausgabe 11.2. 2012)

Zur Person:
Peter Schöttel (44) ist seit Sommer 2011 Cheftrainer von Rapid Wien. Er kickte ausschließlich für diesen Verein (und 63-mal für das ÖFB-Team), war jahrelang Sportdirektor.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 115
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GAWY
01
14.2.2012, 16:37
WIR SIND RAPID UND WER BIST DU?!

Ja ob dieser vernünftige Peter wirklich zu Rapid passt?

macapfel
01
14.2.2012, 01:03

jo eh, drum!...und ihr könnt alle wählen....wahnsinn!! tipp von mir, khao lak- da könnt ihr euch messen mit bumstis aus deutschland!! die hängen die hsv-fahne sogar im restaurant auf....in unterhose bekleidet!!!!

berti russell
00
12.2.2012, 17:41
tolles interview

fragen ok, antworten spitze.

florus flagrantius
235
11.2.2012, 15:05
rapid ist kein arbeitsplatz sondern eine plattform für rechte nationale gesinnung

fussball dient ihnen nur für die ausschreitungen der fans

Cynicism
13
12.2.2012, 15:42
Wie schön muss das Leben sein,

wenn man so dumm ist. :)

Sektionschef Lafite
10
13.2.2012, 11:10
das denk ich mir auch oft!

aber wer weiß, ob er sich über simplere sachen (wie: nimm i heit gurkerl auch für mei extrawurstsemmerl?) net genau so sein kopferl zerbricht und schlaflose nächte hat!?!?!

aber grundsätzlich hast recht: dumme menschen haben es einfacher im leben!

ich bin rapid-fan
10
12.2.2012, 12:17

Das is das DEPPERTSTE POSTING was ich je gelesen hab!!!!!!!

Mirstetta Toni
00
12.2.2012, 11:26

waren sie schon einmal in einem stadion?

Sektionschef Lafite
00
13.2.2012, 14:11
stadium!

Mirstetta Toni
00
14.2.2012, 10:13
delirium?

chillgreen
00
12.2.2012, 00:30
0/10

peter68
 
00
11.2.2012, 22:17
LoL!

Mit Verlaub:Grindiger Troll!

MrRowX
01
11.2.2012, 20:09
Sie sind ein richtiger Vollpfosten!

undisputed truth
00
11.2.2012, 15:36

so ein schmarrn

stopmakingsense
01
11.2.2012, 14:13

Muß man auch als Austrianer anerkennen, dass Schöttel ein angenehmer Zeitgenosse ist (obwohl er als Experte bei ORF Übertragungen teilweise eigenartige Ansichten vertrat. Ich erinnere mich an eine auffallende Schwalbe dieses unsäglich unsportlichen Akagünduz im Austria Strafraum. Schöttel war der einzige, der die Elferentscheidung des Schiris teilte) Er ist sicher auch ein guter Trainer. Sozusagen ähnlich wie Daxbacher, um den es mir immer noch leid tut.

das haustier
03
11.2.2012, 14:06

das passt schon so, gutes interview. als grüner ist es mir lieber der trainer redet von professionellem arbeiten als von irgendwelchen mythen oder rapidgeistern. gegen neustadt wirds schon allein wegen des schnees schwer zu spielen. ich seh die neustädter im vorteil, weil rapid hatte vorbereitung in portugal und stögers leute sind mit der schnee-sand-scheisse besser vertraut.
dann mal daumen halten!!!

bigpenn0r
21
11.2.2012, 11:59
soso...

der schöttel ist also durch und durch ein GAK anhänger ;) hoffentlich verschont er uns jedoch mit einem striptease, falls der GAK wieder mal auf rapid treffen sollte.

hildenberger
00
11.2.2012, 22:57

habe ich mir auch gedacht. wenn sich der schöttel und der adi auf ein packerl hauen, brauchen's nur noch den schwarzen gustl, dann ist die hetz perfekt.

Philipp B.
12
11.2.2012, 10:56
erfrischend

die ehrliche und gerade art des peter s. früher oder später wird er uns zur meisterschaft führen.

gwg

Der Unterhund
04
11.2.2012, 11:34
Dem ersten Teil stimm ich zu.

Dem zweiten leider auch.

lg aus Wien 1100 ;)

Grün1
30
11.2.2012, 10:24
"Es sollte auch für mich noch etwas anderes geben als Rapid",

sagte Schöttel 2006 bei seinem Abgang von Rapid. Offenbar bastelt er jetzt schon an seiner weiteren Karriere. Rapid ist nur ein Arbeitsplatz? So manch ein Firmenchef würde an so einer Antwort nicht gerade Gefallen finden.
Peter Schöttel ist immerhin:
- Rekordspieler des SCR
- Ehrenkapitän des SCR
- und 10 Jahre war seine Rückennummer 5 gesperrt (und wurde bis heute nicht vergeben).

Aber vielleicht widerspricht sich auch bei ihm das Gesagte mit seinem Tun wie bei PP? Als echter Fan hats man wirklich nicht leicht ...

Senyor Toninel
02
11.2.2012, 13:09
"So manch ein Firmenchef würde an so einer Antwort nicht gerade Gefallen finden."

Ja, und zwar die Vollkoffer unter den Firmenchefs.

Jon Wostre1
08
11.2.2012, 11:29
Na klar

ist das ein Arbeitsplatz für Schöttel. Seien wir froh, dass wir einen Trainer haben, der kühlen Kopf bewahrt. Was hätte er sonst sagen sollen? Ich bin der Dompfarrer von St.Hanappi?

Frizzl
01
11.2.2012, 11:04

der Mensch Peter Schöttel ist das alles auch - aber der Trainer Peter Schöttel darf kein Sprücheklopfer sein, sondern muss professionell an seine Aufgabe herangehen. Und das macht er erstaunlich gut - wobei ich nach den gezeigten Leistungen in der Vorbereitung (wer soll bei uns die Tore machen???) noch ein wenig skeptisch bin - aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Zocker aus Leidenschaft
01
11.2.2012, 10:19
Schöttel kling klug und vernünftig!

Natürlich sind Rapid und Austria keine europ. Spitzenvereine mehr, aber wenn die österreichische Liga zukünftig eine Ausbildungsliga ist, die auf ähnliches Niveau wie beispielsweise die niederländische oder auch schweizer Liga rankommen kann, finde ich das sicher nicht schlecht!

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