Derivateregeln

Europäische Union nimmt Spekulanten an die Leine

Bettina Pfluger, 10. Februar 2012, 18:20

Mehr als 80 Prozent der Deals laufen direkt zwischen den Händlern ab, jetzt wrid die Derivatebranche reguliert

Brüssel/Wien - Jetzt ist es fix: Der Derivatehandel wird reguliert. Darauf haben sich die EU-Staaten und das Europäische Parlament geeinigt. Die Verordnung zu Derivaten sieht vor, dass außerhalb von Börsen abgeschlossene Termingeschäfte künftig über eine zentrale Clearingstelle abgewickelt werden müssen. Zudem wird es künftig eine Meldepflicht für Kurswetten auf Aktien, Anleihen oder Rohstoffe geben.

Die EU hat mit dieser Einigung einen wichtigen Beschluss als Folge der Finanzkrise geschafft und will damit Spekulanten besser unter Kontrolle bringen. Der - bisher unregulierte - Derivatehandel wird weltweit auf 700 Billionen Dollar (530 Billionen Euro) geschätzt. Mehr als 80 Prozent der Deals werden zwischen zwei Investoren ohne Zwischenschaltung von Börsen oder anderen Parteien abgeschlossen.

Die mangelnde Transparenz dieser Geschäfte war eine wesentliche Ursache der Finanzkrise, die mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 ausgebrochen war. Die Clearingstellen besichern Käufer und Verkäufer von Derivaten und treten im Fall einer Insolvenz eines Handelspartners in das Geschäft ein.

Keine Gefahr für Private

Gelten wird die Derivate-Richtlinie in erster Linie für Finanzorganisationen. Unternehmen, die beispielsweise Kurse oder Preise über solche Deals absichern, werden erst ab einer bestimmten Größenordnung über die Clearingstelle abwickeln müssen.

Von den Neuerungen nicht betroffen sind Privatanleger, die beispielsweise Zertifikate kaufen oder verkaufen. Diese Papiere gelten zwar als Derivate, weil ihr Preis von der Entwicklung anderer Wertpapiere abhängt. Die Zertifikate selbst werden aber wie Wertpapiere behandelt und stellen keine Option dar. Die dahinterliegenden Optionsgeschäfte, die der Emittent durchführt, werden in Österreich bereits jetzt über die Clearingstelle CCPA abgewickelt. Hinter der CCPA stehen die Wiener Börse und die Oesterreichische Kontrollbank.

Im März soll das Gesetz vom Europäischen Parlament verabschiedet und muss dann noch von den Mitgliedstaaten gebilligt werden. Ende des Jahres könnte es in Kraft treten. (Bettina Pfluger, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11./12.2012)

Kommentar posten
25 Postings
bausparer1
00
18.2.2012, 22:31
Und wann werden unsere Geldverteiler an die Leine genommen?

Jan Sommer
00
12.2.2012, 21:07
Wertloser Aktionismus.

Wirds halt ausserhalb der EU abgewickelt, kümmert doch keinen.
js

)so(
00
12.2.2012, 19:53
Entwicklung näher an die realwirtschaftlichen Grundlagen heranführen

Die nun gesetzte Maßnahme sehe ich als begrüssenswerten ersten Schritt dazu. Geht es doch überhaupt erst einmal darum eine Mindestmaß an Transparenz zu schaffen. Der 20jährige Irrweg kann aber nicht in einer Nacht zurück gegangen werden. Eine Gesundung der Märkte benötigt länger und weitreichenderer Maßnahmen.

B K
00
12.2.2012, 17:01
ich glaube nicht, das die Clearingstelle ohne ein Pfand vom Risikopartner die Option erfüllen kann,

wenn jemand eine Option ausgeben möchte, das er für einen Euro jederzeit innerhalb 1 Jahres 1.30 Dollar zahlt und dafür 15 Dollar-Cent an Prämie bekommt, jedoch dann wenn der Euro 1.60 Dollar kostet kein Geld hat, muss er auch noch ein Pfand hinterlegen. Diese könnte in der Höhe von dem aktuellen Kurswert x (1+2 Mal der Jahresvolatilität zugrundeliegenden Kurswertes) sein und pro Risikopartner nur mit einem Nettingout, durch Gegenrisiko-Positionen reduziert werden können. Anderenfalls würde die Clearingstelle bei einem ungünstigen Verlauf selbst bald Pleite gehen. Der neue Plan wird daher die Transaktionskosten erhöhen oder sollten die Sicherungskosten zu niedirg gehalten werden eine Pleite der Clearingstelle bewirken.

Erwin Wolfram
00
12.2.2012, 15:31
ps achtung tip

sie wissen eh, wenn sie zertifikate kaufen muessen sie keine angst haben, zuerst.

Mein Grossvater hiess Israel Blank
01
12.2.2012, 14:06
Dass die Derivate entstehen ist der Skandal. Undi nicht der Handel selbst.

Ohnehin habens keine Chance den Handelzu kontrollieren.

Franz_Josef
11
12.2.2012, 13:43
Derivate sind Giftpapiere

und gehören wieder verboten.

Geld ist Tauschmittel für die Realwirtschaft.
Mit den Derivaten wurde Geld zur exzessiven Handelsware.

Den tollwütigen Hund an die Leine zu legen geht in diesem Falle nicht, weil die Steuern als Gebühren abgewälztz werden, die Gewinne eingestreift und die Verluste auf Volk verteilt.

Mit den Derivaten hat die Hochfinanz in den letzten beiden Jahren ihren Reichtum immens vermehrt. Das bezahlen aber wir.

Aufwachen alle miteinander! Am besten jetzt.

1116er
00
12.2.2012, 10:41
Zudem wird es künftig eine Meldepflicht für Kurswetten auf Aktien, Anleihen oder Rohstoffe geben.

sehr gut.
allerdings wird dann ein lebensmittel-rohstoff statt wie bisher 100 mal auf dem weg vom erzeuger zum verbraucher 'nur noch' 90 mal den besitzer wechseln und den preis erhöhen.

als nächsten schritt muss daher hoffentlich baldigst eine ähnlich hohe lizenzgebühr kassiert werden wie bei casinos oder beim admiral.

wetten ist wetten.
ob im smoking, im geschäftsanzug oder im ruderleiberl.
und alle sollen dasselbe zahlen für das ausleben ihres fetisch!

damit dieser 'besitzerwechsel' in richtung auf die tatsächlich nötigen ca. 10 x zurückgeht!

Jan Sommer
00
12.2.2012, 21:09
Illusion - spread betting läuft dann halt

über andere Länder und Steueroasen.
js

1116er
00
13.2.2012, 08:32
man wird sehen.

wenn der ursprung des geldstroms (wie beabsichtigt) die steuerbasis darstellt, müssten halt alle ihr geld in diese steueroasen transportieren. sehr, sehr unwahrscheinlich. denn die großen geld'besitzer' sind fonds, versicherungen usw. (ich glaube nicht, dass ein vertreter viel polizzen der life insurance of cayman islands verkaufen würde).

zudem: steueroasen sind ein relikt aus der steinzeit der globalisierung. jede wette, dass es in 10 jahren dieses "leben vom geld anderer" nicht mehr geben wird!

Jan Sommer
00
13.2.2012, 14:38
Sie sind zu optimistisch, oder pessimistisch ?

Längst sind life insurances ein jahrzehntealtes Bombengeschäft in Steueroasen, weil genau die Großkonzerne dort ihre Niederlassungen und Zweigstellen haben - auch in den Cayman Islands.
js

1116er
00
13.2.2012, 15:14
ich bin in der tat optimistisch, dass es den steueroasen an den kragen geht.

ihre bisherige existenz konnte hingenommen werden, da der rubel ohnehin rollte.
aber jetzt, wo es knapp zu werden beginnt, ....

erst vor ein paar tagen konnte ich einen eher weinerlichen bericht im schweizer tv sehen: die USA gehen mit harten bandagen vor. eine schweizer bank, die die daten über ihre ami-kunden nicht umgehend an die IRS schickt, bekommt in den usa keinen fuß mehr auf den boden. und zusätzlich MUSS sie auch ihre partner-banken dazu anhalten, sonst detto.

die eu KÖNNTE irgendwann auch mal (eh harmlosere) geschütze auffahren. doch derzeit blockieren die schwarzgeld-schutznationen luxemburg und ÖSTERREICH eine vorlage der kommission.

ja, mitzi und övp, die letzten schutzmächte für diebe...

Jan Sommer
00
13.2.2012, 17:55
P.S.: Nur total Unterbelichtete und Naive haben "Schwarzgeld"

in den "Nicht automatisch Meldungsländern".
js

Jan Sommer
00
13.2.2012, 17:53
So lange es derartige Steuerwüsten gibt,

werden immer mehr Steueroasen aufblühen.

Die wirklich guten sind recht unauffällig. Die Schweiz z.B. war für die meisten Sachen nie eine wirklich gute Oase.
Die USA sind immer noch die größte Geldwaschanlage der Welt. Zur Ablenkung prügeln sie aber erfolgreich auf die anderen hin.
js

mephisto6379
02
11.2.2012, 20:49

also das gewählte storybild halte ich für irgendwie unpassend - geht's da nur mir so? ;-)

der burli
03
10.2.2012, 22:44
wau. wenn das WIRKSAM implementiert wird, dann ist das was!

flotter denker
00
12.2.2012, 07:14
Hm, ja schon aber

+ Ja, es sorgt fuer mehr Transparenz
+ Die Clearingstelle uebernimmt das Risiko, dass der Counterpart insolvent wird
Aber:
Wird dadurch wirklich das systemische Spekulationsrisiko ausgeschaltet? Ich glaubs nicht.

der burli
00
12.2.2012, 09:07
1. transparenz nur, wenn je counterpart mitgezählt UND veröffentlicht wird, wenigstens geg. behörden

2. das gesamte risikp wohl nicht! auch heute ist nur ca. 1 "heftige" wochenbewegung "abgesichert (margin). aber immerhin wird dann "pleite+ in wenigen tagen sichtbar UND wirksam und nicht nach monaten/jahren. ein fortschritt.
3. so wird das syst. spekul.risiko für die gesamte gesellschaft DEUTLICH reduziert. auf niveau der bestehenden börsengehandelten standardderivate. (ca. 10% margin auf den echten wert)

das derzeit grösste, WIRKSAMSTE risiko, margin auf staatsanleihen, besteht immer noch! 0% "margin", KEINERLEI sicherheit!!!
man will, aber traut sich derzeit die regel nicht ändern wegen sofortiger pleite vieler EU-banken UND weil diese dann keine weiteren staatsanl. kaufen lönnten!!

flotter denker
00
12.2.2012, 09:38
Na eben - ein Schritt in die richtige Richtung - mehr nicht

Aber das Risiko aus den Staatsanleihen kriegt man auch nicht so leicht durch eine einfache Regelaenderung weg. Da muss man schon erst mal die Staatshaushalte in Ordnung bringen und/oder die EZB in die Pflicht nehmen.
Hoffen wir das Beste, dass das im Laufe einiger Jahre gelingt

das ist fix
23
10.2.2012, 19:44

Die ach so bösen Spekulanten haben aber nicht die hohe Staatsverschuldung Griechenlands verursacht.

dasandere
00
11.2.2012, 02:24
Oder:

Die bösen Spekulaten (Goldman Sucks) haben die nicht so hohe Staatsverschuldung Griechenlands verursacht.

Utrillitn
00
11.2.2012, 04:50

Meine Schulden auch nicht .
Also freigesprochen !

Walter Bimini
101
10.2.2012, 18:48
uiii da werden sich die bösen spekulanten aber fürchten

griechenland zeigt vor wie man die eudssr richtig behandelt. trotzdem griechenland schon vor dem ausbruch der krise auf einem gewaltigen beamtenberg saß, wurden in den letzten beiden jahren noch weitere 25000 beamte aufgenommen. und jetzt streiten sie schon lange herum, ob sie irgendwann vielleicht 15000 von 25000 wieder abbauen. vor lauter angst, daß die bösen spekulanten dann auch portugal, spanien und italien keine neuen kredite mehr gibt, wenn griechenland den staatsbankrott verkündet, werden die eudssr knechte solange weitere milliarden nach athen überweisen bis der euro abstürzt.

Contra
01
12.2.2012, 00:29
hat nicht wirklich was mit dem thema zu tun, gell?

aber hauptsache, laut reden und viel schreiben ... :-)

oblomow II
01
12.2.2012, 08:07
ärgern Sie sich nicht

bimini ist bekannt für solche erhellende ausführungen.

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