Zockerei auf einen Schrecken mit Ende

10. Februar 2012, 18:12
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Anleger wetten mit März-Anleihe auf Rekordrendite

Athen/Frankfurt/Wien - Das Damoklesschwert über den internationalen Börsen hat einen Namen. Genauer gesagt eine eigene Wertpapierkennnummer: A0T6US bereitet Wirtschaftspolitikern Kopfschmerzen und hartgesottenen Zockern leuchtende Augen. Das Papier Griechenland EO-Bonds 2009(12) ist jener 14,5 Milliarden Euro schwere Schuldschein Athens, der am 20. März fällig wird. Zahlt Athen nicht, droht die ungeordnete Staatspleite. Bedient Griechenland die Anleihen hingegen mithilfe der Kredite der EU-Partner, winkt vielen privaten Zockern eine Verdoppelung ihres Einsatzes.

Darum wird aktuell zwischen Athen, Brüssel und Berlin gestritten. Weitere Budgetkürzungen gegen die versprochenen Hilfskredite in Höhe von 130 Milliarden Euro. Für viele Anleger wäre das ein garantierter Geldregen: Aktuell notiert die Anleihe Griechenlands, die im März ausläuft, bei 40,2 Euro. Wenn sich Athen den europäischen Forderungen fügt, könnte das Kapital in zwei Monaten mehr als verdoppelt sein - das entspräche aktuell einer Jahresrendite von 1500 Prozent.

Die Aussicht auf Rendite hat Privatanleger angelockt. Das Kalkül: Weil der Schuldenschnitt freiwillig erfolgen soll, hoffen viele kleine Anleger darauf, einem Abschlag zu entgehen. An der Börse Stuttgart, die beim Handel mit den Anleihen den höchsten Marktanteil hat, ist diese griechische Anleihe das meistgehandelte nichtdeutsche Staatspapier. Vor dem vergangenen Sommer wurden nur wenige hunderttausend Euro des Bonds gehandelt. Seitdem explodierte der Handel auf ein Vielfaches, aktuell werden mehrere Millionen Euro täglich gehandelt. Für die Bild-Zeitung ist es schlicht das "irre Zocker-Papier der Eurokrise". Die Zeitung hat im Dezember als Experiment selbst in die Tasche gegriffen und 5179 Euro in die März-Anleihe gesteckt.

Dabei haben sich Banken mit Kaufempfehlungen an Privatkunden zurückgehalten. Analysten geben sich vielmehr bedeckt, was den "Big Fat Greek Bond" betrifft, wie die März-Anleihe an der Börse auch genannt wird.

Hedgefonds und EZB

Hingegen haben Investmentbanken in den USA und London die Anleihe aktiv beworben und ihren Kunden, allen voran spekulativen Hedgefonds, den griechischen Bond verkauft. Die New York Times berichtet, dass insbesondere Merrill Lynch aggressiv ihren Kunden diese Wette empfohlen hat.

Eine mögliche Pleite auf die 14,5 Milliarden Euro Schulden träfe aber nicht nur die Zocker. Die Europäische Zentralbank hat im Zuge ihres Staatsanleihenankaufprogramms zwischen 40 und 50 Mrd. Euro an griechischen Staatsanleihen gekauft.

Da die Anleihe nun - keine sechs Wochen vor der Tilgung - immer noch mit Riesenabschlag gehandelt wird, schmeißen bereits einige Anleger das Handtuch. Zum Jahresbeginn notierte die Anleihe bei 55, also um 37 Prozent höher als am Freitag. (sulu, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11./12.2.2012)

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