Untersuchungen an Mäusen zeigten: Molekül "Hif1" hemmt Fettabbau - Mögliche Anwendung liegt aber noch weit entfernt
Zürich - Warum wachsen Fettzellen manchmal in verhältnismäßig kurzer Zeit heran, bilden sich dann aber nur schmerzhaft langsam wieder zurück? Wissenschafter an der ETH Zürich haben nun eine mögliche Antwort auf diese Frage gefunden. Die Forschungsgruppe rund um den gebürtigen Kärntner Wilhelm Krek
konnte ein Molekül identifizieren, das einen Mechanismus auslöst, der wiederum
die Fettverbrennung verlangsamt und somit eine Ausdehnung des Fettgewebes
begünstigt. Dieser Vorgang scheint allerdings auch umkehrbar, wie Untersuchungen
an Mäusen zeigen. Von den Erkenntnissen ließen sich zukünftig vielleicht auch Therapien für adipöse Menschen ableiten.
Die Forschungsgruppe am Institut für Molekulare Gesundheitswissenschaften der
Schweizer Universität konzentrierten sich bei ihrer Arbeit auf die Rolle, die
das Molekül "Hif1" in den Fettzellen spielt. Dieses Eiweiß ist in der Lage, sich
an Gene zu binden und auf diesem Weg die Produktion von anderen Eiweißen in den
Zellen zu steuern. Auf die Spur dieses Moleküls sei man aufgrund von
Überlegungen gekommen, "die sehr stark von der Tumorbiologie beeinflusst sind",
so Krek.
Sauerstoffunterversorgung als Auslöser
Viele Krebszellen zeichnen sich vor allem durch schnelles Wachstum aus. Wenn
sie eine bestimmte kritische Größe erreicht haben, könne "der Zellhaufen nicht
mehr weiter wachsen", außer er wird über Blutgefäße mit "Nahrung" versorgt, so
der seit 2003 an der ETH Zürich tätige Forscher. Ist genau der Punkt erreicht,
an dem die Versorgung mit Blutgefäßen noch nicht gesichert ist, kommt es zu
einer Unterversorgung mit Sauerstoff. Darauf reagieren die Zellen mit der
Produktion von Hif1, das Blutgefäße in der Umgebung dazu anregt, die Versorgung
aufzunehmen.
Es scheinen "sehr zentrale Muster" immer dann ähnlich abzulaufen, "wenn ein
Gewebe oder Organ im Wachstum außer Kontrolle gerät", so Krek. Das hat die
Forscher dazu bewegt, sich diese Vorgänge auch im Fettgewebe anzusehen. Mit
Hilfe von Hif1 schützt sich die Zelle bei zeitweiser Unterversorgung nämlich
auch. Das Eiweiß verlangsamt die Zellaktivität und reduziert so auch die
Fettverbrennung drastisch. "Das ganze System wird in einen Zustand versetzt, wo
das Fett nur noch sehr langsam verbrannt werden kann und das unterstützt
natürlich die Fettleibigkeit", so der Wissenschafter.
Bauchfettanalyse stützt These
Krek und sein Team konnten auch zeigen, dass Hif1 die Produktion des Enzyms
"Sirt2" senkt, das die Fettverbrennung eigentlich ankurbelt. Die Forscher
glauben, dass dieses "Programm" auch chronisch aktiv werden kann, was wiederum
Adipositas begünstige. Bei Analysen der Hif1-Konzentration im Bauchfett von
adipösen Menschen zeigte sich, dass "der Faktor enorm hoch reguliert" war, was
die These der Wissenschafter stützt. In Versuchen mit Mäusen schalteten die
Forscher Hif1 aus, was die Verbrennung wiederum stärker in Gang setzte.
Mit Substanzen, die die Produktion von Sirt2 direkt erhöhen, will man den
Vorgang nun wieder beschleunigen, ohne dabei Hif1 zu blockieren. "Da sind wir
jetzt am testen", so Krek, der hofft aus den Erkenntnissen zukünftig auch
Therapiemöglichkeiten für adipöse Menschen ableiten zu können. Davon sei man
momentan aber noch weit entfernt. (APA, red)