Wo der Traum von der NHL ganz nahe ist

  • Goalie Max Haselbacher will sich US-Klubs empfehlen.
    foto: privat

    Goalie Max Haselbacher will sich US-Klubs empfehlen.

Österreichs beste Eishockeyspieler unter 13 Jahren nehmen es beim Nachwuchs­turnier in Quebec mit der Welt­spitze auf. NHL als großes Ziel

Quebec/Wien - Drei Jahre lang hat Frank Seewald die Kids auf den großen Moment vorbereitet. Neun Jahre alt waren die Eishockey-Cracks, als er zum ersten Mal mit dem wilden Haufen gearbeitet hat. Jetzt steht ein Team vor ihm, erzählt der Nachwuchspädagoge. "Es war spannend zu sehen, wie sich ihre körperlichen Fertigkeiten und Koordinationsfähigkeiten entwickeln, wie sich verschiedene Charaktere ausbilden. Und es war spannend, ihnen beim Wachsen zuzusehen."

Seewald betreut das U13-Nationalteam, das ab Samstag beim größten Eishockey-Nachwuchsturnier der Welt in Quebec teilnimmt. 120 Mannschaften sind in der frankokanadischen Provinz dabei. Den Großteil stellen Teams aus Nordamerika, dazu kommen Abordnungen aus Europa, Asien und Australien.

Seit drei Generationen matchen sich dort im Februar die besten Nachwuchsspieler auf dem Eis. Wayne Gretzky war dabei, ebenso wie sein kanadischer Kollege Mario Lemieux. Österreich ist seit 20 Jahren in Quebec vertreten. Die Idee hatte der heute 82-jährige ehemalige Wiener Eishockey-Landespräsident Ernst Gross, der auch diesmal wieder den Delegationsleiter gibt.

Mit Verteidigerin Antonia Matzka von den Vienna Tigers hat auch ein Mädchen den Sprung in den Kader geschafft. Insgesamt machen 20 Cracks die Reise mit. Dazu kommen zwei Trainer, eine Betreuerin und ein Teammanager. 15 Eltern haben sich den Trip ebenfalls nicht nehmen lassen.

Bei Gasteltern untergebracht

Um kein Ungleichgewicht zu schaffen, sind die Kinder nicht mit ihren Eltern in Hotels, sondern in Zweiergruppen bei Gastfamilien untergebracht. "Das ist auch eine Kostenfrage", erzählt Seewald, der im Nebenberuf beim österreichischen Bogensportverband als Koordinator arbeitet. "Andererseits stellt das soziale Kontakte her. Es wird englisch und französisch gesprochen. Das ist wie ein Lernausflug."

Die komplette Logistik vor Ort wird vom Veranstalter gestellt. "Wir müssen nur die Eishockey-Taschen bepacken und sie in die Kabine stellen. Wir bekommen sie dorthin geliefert, wo wir wollen." Am Samstag geht's für die zwölfjährigen Talente mit der Partie gegen die Ohio Selects richtig los. Selbst das Finale am 19. Februar im mit 15.000 Fans wohl ausverkauften Coliseum ist realistisch. Seewald: "Warum nicht? Wir waren viermal Zweiter, nur gewonnen haben wir noch nicht."

Für Seewald bedeutet das Turnier, sofern er seine Arbeit richtig gemacht hat, auch Abschied vom Team. Einige Österreicher haben Quebec schon für ein Karriere-Sprungbrett genutzt. Thomas Vanek, als Zwölfjähriger bei den Graz 99ers engagiert, spielte sich in die Listen zahlreicher Scouts und wanderte zwei Jahre später in die USA aus. Wenig später folgten die NHL-Stars Michael Grabner und Andreas Nödl, die ebenfalls in Quebec mit dabei waren.

Vor dem Sprung

Von der NHL träumen auch Seewalds Spieler. Vor allem Goalie Maximilian Haselbacher von den Junior Capitals Vienna steht im Blickpunkt von Beobachtern. Im Mai, erzählt seine Mutter Christina, wird er nach Minnesota übersiedeln, um sich in Sommercamps den Klubs zu empfehlen. "Wenn er einschlägt, bleibt er drüben", sagt Frau Haselbacher. "Und sonst war's ein nettes Abenteuer."

Das Angebot, sich in Übersee zu beweisen, bekam Maximilian von amerikanischen Coaches bei einem Trainingslager in Tschechien. Das Schuljahr kann er dank Ausnahmegenehmigung am 17. Mai in Wien abschließen. Maximilians Eltern werden ihn vier Wochen lang begleiten. "Ganz ehrlich?", sagt die Bilanzbuchhalterin. "Ich würde alles hinschmeißen und ganz mit Maxi mitgehen. Aber das spielt's halt nicht im realen Leben."(krud, DER STANDARD Printausgabe, 11./12. Februar 2012)

Link: http://www.team99.at

Share if you care