China: Beistand für Assad schwindet

10. Februar 2012, 18:03
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Brief des syrischen Autors Khalifa im Internet verbreitet

China will sich nach seinem Veto zur Syrien-Resolution die Tür für neue diplomatische Initiativen offen halten. Vizestaatspräsident und Kronprinz Xi Jinping bringt zu seinem USA-Besuch am Montag Verhandlungsspielraum mit. Chinas Außenministerium bestätigte, dass es schon seine Fühler in Richtung möglicher Vermittler- oder Übergangsparteien in Syrien ausgestreckt hat. Zuletzt war eine Delegation des oppositionellen syrischen "Nationalen Koordinationsrat" vier Tage lang in China.

Patriotische Zeitungen wie die Global Times, die dem Veto anfangs applaudierten und behaupteten, dass in Umfragen 90 Prozent der Befragten dahinterstünden, relativieren nun ihre Aussagen. Am Freitag zitierte die Zeitung eine Umfrage, wonach 55 Prozent glauben, dass das Regime von Assad jegliche Legitimität verloren hat, weil es Zivilisten töten lässt. Nur noch 38 Prozent unterstützten Chinas Veto. Global Times riet Pekings Regierung zu mehr Flexibilität: "Nichtstun ist für uns keine Option."

Zensurbehörden blockieren im Internet aber weiterhin Kritik am chinesischen Veto. Sie versuchten auch die Weiterverbreitung eines offenen Briefes zu löschen, den der syrische Schriftsteller Khaled Khalifa auch an China und Russland adressierte: Der Autor, der mit seinem in Syrien verbotenen Roman Zum Lob des Hasses weltberühmt wurde, ruft "Freunde, Schriftsteller und Journalisten überall in der Welt, in China und Russland" zur Hilfe auf. "Ich möchte Euch darüber informieren, dass mein Volk vor einem Genozid steht."

Der chinesische Schriftsteller Yan Lianke hat Teile des Briefes in seinen Mikroblog übernommen. Er sagte, er könne und wolle nicht wegschauen, wenn "Blut vergossen wird. Wir sehen die Szenen jeden Abend im Fernsehen. Es ist mir gleich, welche offizielle Position die Regierung einnimmt." Khalifas Brief wurde am Freitag im Blogportal "Sina.com" 11.700-mal kopiert und mehr als 3500-mal kommentiert. (Johnny Erling aus Peking /DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2012)

  • "Stehen vor Genozid": Schriftsteller Khaled Khalifa.
    foto: standard

    "Stehen vor Genozid": Schriftsteller Khaled Khalifa.

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