"Das Kleingedruckte diskutieren"

Interview | 10. Februar 2012, 18:30

Tirols Landeshauptmann Günther Platter hält das ausverhandelte Sparpaket für in der Sache richtig und für politisch vertretbar

Standard: Die ÖVP hat eine Schuldenbremse ohne neue Steuern versprochen - nun wird aber ein Viertel des Pakets einnahmenseitig aufgebracht. Wie kann man das den Wählern erklären?

Platter: Man muss das so sehen: Wir haben als Ziel festgelegt, dass wir das Paket möglichst ausgabenseitig darstellen wollen. Das ist nicht zur Gänze gelungen, aber immerhin zu 76 Prozent. Das ist ein Prozentsatz, der sehr akzeptabel ist.

Standard: Die SPÖ hat allerdings durchgesetzt, dass die ÖVP doch neue Steuern akzeptiert?

Platter: Wir haben akzeptiert, dass etwa bei den sehr hohen Einkommen ein Solidarbeitrag befristet eingehoben wird - was übrigens der ÖAAB gefordert hatte. Aber was uns auch gelungen ist: Die größten Brocken sind nicht gekommen.

Standard: Die größten Brocken wären Vermögenssteuern gewesen?

Platter: So ist es. Wir haben immer gesagt, dass es mit uns keine Besteuerung der Vermögenssubstanz geben wird - und das haben wir gehalten.

Standard: Die Belastungen des Pakets treffen in der Tat vor allem die Arbeitnehmer und nicht die Vermögenden. Zum Beispiel steht im Kleingedruckten, dass die Bausparförderung halbiert wird. Kann sich da eine junge Familie in Tirol noch Wohnraum leisten?

Platter: Das Kleingedruckte haben wir noch nicht besprochen, über das Kleingedruckte werden wir auch noch zwischen Bund und Ländern diskutieren müssen.

Standard: Und was steht da außer Streit?

Platter: Die große Richtung: Wir werden die Einsparungen erzielen, da gibt es gewaltige Fortschritte bei der Verwaltung und bei den ÖBB.

Standard: Stichwort ÖBB: Hier hätte man ja massiv einsparen können, wenn man die Großprojekte wie den Brennerbasistunnel gestrichen hätte?

Platter: Mir war ein Anliegen, dass das nicht kommt - und das ist abgewendet. Der Brennerbasistunnel ist vereinbart, und er wird auch gebaut und 2026, völlig im Zeitplan, fertiggestellt werden. Allerdings werden auch hier Einsparungen lukriert werden.

Standard: Als Beitrag zur Sanierung wird auch an der Politik gespart werden ...

Platter: ... was ich für ein wichtiges Signal halte.

Standard: Es wird dann schwer für die Regionen sein - das Außerfern wird dann nicht im Parlament vertreten sein?

Platter: Na ja: Das Außerfern stellt auch heute keinen eigenen Abgeordneten, einen Demokratieabbau kann ich da nicht erkennen.

Standard: Braucht ein kleineres Parlament ein mehrheitsförderndes Wahlrecht?

Platter: Das wird noch zu diskutieren sein. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.2.2012)

GÜNTHER PLATTER (58) war von 2002 bis 2008 in der Bundesregierung und wechselte dann zurück in die Tiroler Landespolitik.

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11 Postings
franz der freie
 
00
12.2.2012, 09:17
was hat die halbierung der bausparförderung damit zu tun, ob sich eine familie eine wohnung leisten kann, oder nicht ?

die frage zeigt nur deutlich die probleme des schulsystems. bausparkredite gibt es ja nach, wie vor. und der ersparte betrag wird durch die halbierung der prämie nur um1,7% der gesamtsumme reduziert, also um ein nichts. alleine die preissteigerungen im wohnbau sind pro jahr ein vielfaches.

kröte
00
12.2.2012, 08:32

"Der Brennerbasistunnel ist vereinbart, und er wird auch gebaut und 2026, völlig im Zeitplan, fertiggestellt werden. Allerdings werden auch hier Einsparungen lukriert werden."

Welcher Schnickschnack war für den Tunnel geplant? Wandmalereien, Marmorverkleidungen, schützende Heiligenfiguren?

Was könnte man einsparen, ohne dass der Tunnel einstürzt?

HM2
00
11.2.2012, 16:50
Die Richtung stimmt, aber

wir müßen noch mit dem Bund verhandeln.
Also alles wieder aufschnüren?

tonno-gi
11
11.2.2012, 15:23

vielleicht sollte man über ein politisches betätigungsverbot für exekutivbeamte nachdenken.

Aguirre74
 
13
11.2.2012, 13:36

Jeder halbwegs intelligente Österreicher hat mehr im Hirn als dieser Typ. Was will uns dieser Politprofiteur also mitteilen?

TT1
02
10.2.2012, 23:34
Der gelernte Kiberer hat gesprochen.

Verzichtbar

zest
12
10.2.2012, 23:26
ach

wenn interessiert schon der platter..

)so(
15
10.2.2012, 22:55
Wer Parlamentarier abbaut, öffnet Lobbyisten und Ministerialbürokratie Tür und Tor

Gesetzestexte werden in Ausschüssen "erarbeitet". 90% kommen bereits heute als Regierungsvorlage (geschrieben von Lobbyisten oder Ministerialbürokraten) und werden - mangels Personalressourcen - von den Vertreter/inne/n des Volkes nur mehr abgenickt. Vielfach reicht heute die Zeit nicht einmal mehr zum Durchlesen, wie zuletzt etwa ACTA-Aussagen verdeutlichten. Und dann soll die Anzahl der Gesetzesmacher noch weiter reduziert werden!?? Unfassbar. Was das von der ÖVP favorisierte Mehrheitswahlrecht bedeutet, sieht man tagtäglich in den USA - Hass, Fanatismus und eine bis zur Fragmentierung zerrissene Gesellschaft, in der kleine radikale Minderheiten mit Lobbyistenhilfe die Mehrheit in Geiselhaft nimmt.

MartinP
 
04
11.2.2012, 00:26
Vielfach reicht heute die Zeit nicht einmal

ich glaube dass man bei 8000,-. Monatslohn ... erwarten könnte dass sich die Damen und Herren Zeit nehmen für uns.. Anstatt zweit- und dritt- jobs zu versorgen?!

MartinP
 
02
11.2.2012, 00:24
Nein

Wir sollten zusehen dass wir weniger korruptionsgeile und Selbstversorger in den politischen Eliteämtern haben..

Dann gehts von selber.

Unsere derzeitigen Parlamentarier sind eine Verhöhnung des Österreichischen Volkes. Angefangen vom Fistelstimmigen über den Dummgrinsenden bis zur Schotter Mitzi.. .. da stinkts.

alpentiger
18
10.2.2012, 20:10
Auf den "Segen" eines Platter sollte man verzichten können ....

das hoffe ich, dass wohl Spindelegger wie Faymann das so sehen.

Platters Klüngel hat eben der HYPOLandesbank TIROL ein 230 Mio Paket für Größenwahn-Verluste beschert, die dann prompt durch Vorausdividenden der landeseigenen TIWAG bedeckt werden mußten.

Bei soviel Versagen der Politik müßte die Moral (hallo Platter: das gibt es auch in der Welt) zumindest so viel Selbstbeschränkung aufbürden, dass man Spindelegger und Faymann maximal nach der Uhrzeit fragt und nicht zu vollkommen fehlendem Fachwissen abdriften sollte.

Aber so ist er halt der Gendarm, der am liebsten mit der Kelle hinter der Stauden die politischen Gegner abpaßt.

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