Spanien

Masterplan gegen die Misere am Arbeitsmarkt

Jan Marot, 10. Februar 2012, 17:41

Kürzungen bei der Abfertigung und Anreize für Unternehmen, jungen Arbeitnehmern eine Chance zu geben, sollen den spanischen Jobmarkt beleben

Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos hat eine "extrem aggressive Arbeitsmarktreform" ankündigt. Ein "historischer Wurf" sei nun gelungen, lobte sich Arbeitsministerin María Fátima Báñez, die gemeinsam mit Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaria am Freitag die Eckpunkte darlegte: Eine Keule setzt man bei - wie von EU, EZB und dem IWF gefordert - den Lohnnebenkosten, vereinfachten Kündigungen und gekürzten Abfertigungszahlungen an. So sollen nur noch 33 Tageslöhne pro Arbeitsjahr (statt aktuell 45) ausbezahlt werden. Ist der Entlassungsgrund objektiv, sind es lediglich 20 Tage. Die Reform wirkt auch rückwirkend auf bestehende Verträge. Bankmanager, die ihre Institute schlecht geführt haben, verlieren jegliche Abfertigungsansprüche.

Hauptaugenmerk gilt der über die Krisenjahre besonders betroffenen jungen Generation, sowie Klein- und Mittelständischen Betrieben (KMU) und Selbständigen - die 90 Prozent der Arbeitsplätze stellen. Bei der ersten unbefristeten Neuanstellung von Arbeitslosen winken KMU 4000 Euro an Subventionen, bei der von unter 30-Jährigen 3000 Euro, sofern es deren erster Arbeitsplatz ist. Vereinfachte Lehr- und Praxisverträge sollen auch bestehende Hürden auf Unternehmerseite beseitigen.

Jungen Spaniern soll zudem die Gesamtsumme ihres Arbeitslosengeldes als Kapital zustehen, so sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Experten kritisieren dies, da Firmengründungen nicht mit Mitteln der Existenzsicherung begangen werden sollten. Zudem hätten weniger als zwei Prozent der Neugründungen langfristig Bestand. Abstand nahm die Regierung in letzter Minute von gedachten "Mini-Jobs" für Junge.

Arbeitsministerin Báñez unterstrich, dass besonders Frauen vom Reformpaket profitieren würden. Denn es gelte die klaffende Gehaltsschere zwischen den Geschlechtern zu schließen, und Unternehmerinnen wie auch das Vereinen von Beruf und Familie zu fördern. Gleichzeitig gelte es, so die Arbeitsministerin, dauerhafte Anstellungen zur Regel zu machen. Temporäre Anstellungen dürfen fortan nicht länger als 24 Monate aneinandergereiht werden. Um Arbeitslose rascher vermitteln zu können, sollen private Zeitarbeitsfirmen und staatliche Arbeitsämter fortan eng kooperieren. Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten dürfen bestehende Verträge modifizieren, wenn sie von Entlassungen absehen. Gegen betrügerische Bezüge bei Arbeitslosenzahlungen, der in Spanien hohen Zahl an unentschuldigten Krankenstandstagen, und die wachsende Schwarzarbeit soll massiv vorgegangen werden.

Die Gewerkschaften kündigten bereits Widerstand gegen die aus ihrer Sicht kontraproduktive Reform an. Spanien hat mit 22,85 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Mehr als fünf Millionen Menschen sind ohne Job. Nahezu jeder zweite Jugendliche unter 25 Jahren ist betroffen.(Jan Marot aus Granada, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11./12.2012)

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12 Postings
O5
00
12.2.2012, 14:41

Jeder Ökonom weiß schon seit Ewigkeiten dass die Arbeitslosigkeit in Südeuropa wegen maßlos überregulierter Arbeitsmärkte so hoch ist. Die einigen wenigen die einen solchen Job haben profitieren, der Rest der Bevölkerung, der keinen politischen Einfluss hat oder, noch schlimmer, so dumm ist diese Privilegien der anderen auch noch zu verteidigen, zahlt massiv drauf. Die Frage ist nur: werden die Gewerkschaftsbonzen ihre Privilegien aufgeben?

flotter denker
20
11.2.2012, 20:36
Eigentlich sind Abfertigungen ueberhaupt kontraproduktiv

Was man braucht, ist die Moeglichkeit, bestehende Dienstverhaeltnisse jederzeit ohne Begruendung mit 30 Tagen Kuendigungsfrist aufloesen zu koennen. Alles Andere ist Sozialscheiss

Nichtschweiger
 
00
11.2.2012, 18:21
33 Tageslöhne pro Arbeitsjahr - das ist immer noch viel zu hoch!

Damit wird man die Verkrustung nicht auflösen. Die sollen sich einfach am österreichischen Kündigungs- und Abfertigungsrecht orientieren - am besten gleich das neue System einführen bei dem die Abfertigung mit genommen werden kann. Vielleicht kommt dann Bewegung in den Markt und es gibt Jobs für Junge.

indi mozart
 
25
11.2.2012, 10:43
das problem waren die wahlen....

die psoe war nach zapatero (fast) unwaehlbar. die PP ist halt eigentlich an der ganzen misere schuld. die haben vorher die ganze wirtschaft auf einen immocrash hingelegt. jetzt sinds halt wieder da und machen dort weiter wo sie vor jahren aufgehoert haben. das sind genau dieselben leute die spanien in den irak geschickt hat, und die immoblase bis zum umfallen aufgeblasen hat. das platzen derer habens aber den sozis in die schuhe geschoben, weil die halt gerade die regierung gestellt haben. zapatero hats sich ganz einfach zu bloed angestellt um das land an den richtigen ecken zu reformieren. die jetzige regierung blutet das volk bis zum letzten tropfen aus und schiebt es den "freunderl" in den allerwertesten.

flotter denker
12
11.2.2012, 20:38
Bloedsinn,

Die Sozen haben wieder mal bewiesen, dass sie nicht wirtschaften koennen.

randy handsome
13
10.2.2012, 20:18
klar...

...durch einfachere kündigungen erzeugen wir mehr arbeit und kurbeln die wirtschaft an... einen größeren blödsinn hat man sich in spanien schon lange nicht mehr einfallen lassen...das größte problem ist die korruption, steuerhinterziehung und die schattenwirtschaft in spanien. wenn man nur einen teil davon reduzieren könnte dann könnte man ohne probleme das defizit auf null bringen und geld in forschung und wissenschaft, sowie echte unterstützung für klein-/mittelunternehmen stecken....aber stattdessen nur neoliberaler bockmist wie in griechenland und in italien...

Nichtschweiger
 
11
11.2.2012, 18:24
Überzogener Kündigungsschutz verhindert Schaffung von Arbeitsplätzen....

...nur Linke können sich das in ihrer eindimensionalen Sichtweise nicht vorstellen.

Das hat nichts damit zu tun, dass Korruption Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft auch bekämpft werden müssen.

Das Ohr
00
11.2.2012, 04:55

Solange Spanische Banken Kreditzinsen auf bis zu 29% hoch-setzen dürfen wird sich nichts ändern.

Ivan Bukov
21
10.2.2012, 21:33

Wuerden sie in einer Krise wie dieser das Risiko eingehen jemanden einzustellen wenn sie wissen dass sie niemanden kuendigen koennen?

Christoph Karl Steininger
00
12.2.2012, 06:47
Wenn ein Unternehmer so viele Aufträge hätte

daß er sein Geschäft aufweiten müsste hätte er keine Wahl als einen Arbeitnehmer einzustellen!
Der Sachzwang.
Kein Unternehmer wird jemanden einstellen nur weil das Kündigen einfacher ist.
Die einzige Konsquenz wird sein ältere, und teurere, Arbeitnehmer durch jüngere auszutauschen!

Waran
00
11.2.2012, 23:46
Und würden Sie,

als Arbeitnehmer eine höherpreisige Anschaffung (Kredit) in Erwägung ziehen, wenn nicht der Arbeitsplatz zumindest halbwegs gesichert ist.
So schließt sich der Kreis und die Rezession wird`s freuen!

flotter denker
00
11.2.2012, 20:34
Ich wuerd das Risiko, jemanden einzustellen, den ich nicht kuendigen kann

auch sonst nicht eingehen. Lieber Unternehmer in einem anderen Land werden

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