Der Iran wiegt Weizen mit Gold auf

10. Februar 2012, 17:33
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Die Sanktionen wirken, das Land kann Reisrechnungen nicht mehr bezahlen. Auf den Basaren explodieren die Preise

Teheran - Die internationalen Finanzsanktionen bringen den Iran zunehmend in die Bredouille. Zumal die mit Jahresbeginn erlassenen Strafmaßnahmen bereits aufs tägliche Leben in der Islamischen Republik durchschlagen. Die ersten Grundnahrungsmittel werden knapp. Die Preise auf den Basaren und Märkten ziehen rasant an. Damit der Rohstoffimport nicht ganz zum Erliegen kommt, sieht sich das Land nun gezwungen, auf die Goldreserven zurückzugreifen.

Es ist das Atomprogramm, das den Iran in die wirtschaftliche Isolation treibt. Die USA haben ihre Finanzblockaden erst vor wenigen Tagen verschärft. Auch wenn sie stets zurückgewiesen werden - zu hart wiegen internationale Vorwürfe, dass das iranische Regime nach Atomwaffen strebt.

Nach außen hin bestreitet die Regierung in Teheran, dass die Sanktionen schon für erheblichen wirtschaftlichen Schaden sorgen. Rohstoffhändler, ansässige Unternehmen und der Alltag auf den Straßen zeichnen jedoch ein völlig konträres Bild.

Der Iran scheitert vermehrt an der Bezahlung der Rohstoffimporte. Die Möglichkeiten des Landes, an die dafür notwendigen Dollars und Euros zu gelangen, sind nur noch stark eingeschränkt. Die Regierung versucht daher, Getreidelieferungen mit Goldbarren zu begleichen, berichten internationale Weizenhändler. Auch mit Öl würden die ersten Gegengeschäfte angeboten.

Das Land ist der zweitwichtigste Ölproduzent der Opec und dringend auf Einnahmen daraus angewiesen. Indien, China und Japan als größte Abnehmer stehen unter Druck, sich nach alternativen Lieferanten umzusehen. Erste Reedereien weigern sich, iranisches Öl zu transportieren. In anderen Fällen kann das Regime sein Öl zwar weiterverkaufen, wegen der Strafmaßnahmen aber die Bezahlung nicht entgegennehmen. Auch aus Südkorea steckt Ölgeld fest.

In Indien verschuldet

Der erste Eklat passierte mit Indien, das den Großteil des iranischen Reisbedarfs deckt: Das Land könne seine Importe nicht mehr zahlen, stehe bereits mit 144 Millionen Dollar in der Kreide, klagte Indien. Seither gibt es für den Iran keinen Reis mehr auf Kredit. Zusätzlich angefeuert durch die Talfahrt der Landeswährung Rial verdoppelte sich der Reispreis in der Folge im Vergleich zu 2011 auf umgerechnet vier Euro pro Kilo.

Die Ukraine wiederum kappte im Jänner den Maisexport um 40 Prozent, da die Produzenten nicht mehr an ihr Geld kommen. Mais dient im Iran vor allem als Tierfutter. Fleisch verteuerte sich daraufhin um das Dreifache auf mehr als zwanzig Euro pro Kilo. Aus Malaysia kommt fast kein Palmöl mehr, das es aber zur Produktion von Biodiesel und Speiseöl braucht.

Auch der Schiffsverkehr stockt. Mit Tonnen an Getreide beladene Frachter in den Häfen dürfen erst entladen werden, wenn der Iran bezahlt. Die Preise für Brot explodierten. Viele regionale Betriebe sollen in Ermangelung ausländischer Ware vor dem Ruin stehen. (Reuters, vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.2.2012)

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    Ein Lebensmittelladen in Teheran. Damit die Rohstoffimporte nicht zum Erliegen kommen, bietet der Iran für Getreide mittlerweile Goldbarren und Öl.

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