"Eskapismus"

Wiens Clubkultur boomt trotz der Krise

10. Februar 2012, 17:13
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    foto: claudio farkasch

    Pratersauna mit musikalischem Österreicher-Schwerpunkt: ein Magnet für Europas Partyvolk. Die Betreiber fühlen sich von der Stadt "im Stich gelassen".

Pratersauna als Tanztouristen-Magnet, Betreiber wollen dennoch gefördert werden

Wien - Donnerstag um halb zwei Uhr nachts im Prater. Das Areal wirkt geisterstadtartig verlassen. Nur die Pratersauna widersetzt sich hartnäckig der Nachtruhe. Vor dem angesagtesten Technoclub der Stadt steht eine Schlange von 100 Partyhungrigen. Drinnen tanzen 1000 Leute zu einem immer wiederkehrenden Loop aus tiefen Bässen. Der Star der Nacht ist ein DJ, seine Instrumente zwei Plattenspieler und ein Mischpult.

Vom Berliner Musikmagazin De:bug, der Szene-Bibel für elektronische Musik, wurde die Pratersauna nun zum zweiten Mal in Folge zum zweitbesten Club gewählt. Das Gebäude wurde in den 60ern als Sauna erbaut, in der einst Wiens High Society vom Bürgermeister bis zum Polizeipräsidenten zusammen schwitzte. Später traf sich hier die Unterwelt, bis in den 80ern aus der Sauna angeblich ein Swingerclub wurde.

Ideale Party-Location

Das knapp 3000 Quadratmeter große Areal mit Garten und Pool ist mangels Anrainern die ideale Party-Location. Als das Gebäude 2008 zur Vermietung stand, bekamen Stefan Hiess und Hennes Weiss den Zuschlag - und so wurde aus der Sauna ein Technoclub.

Begonnen haben die Studienfreunde mit "Off-Parties", spontanen Treffen mit Eingeweihten im öffentlichen Raum, mit Musik und Tanz und Feiern bis in den Morgen. Die wilden Zeiten sind freilich vorbei. Heute beginnt für die Clubbetreiber der Tag meist mit Excel-Tabellen, Telefonaten und Buchhaltung.

"Dass die Clubkultur so boomt, hat sicher auch mit Eskapismus zu tun", meint Max Zeller alias DJ Moogle. Die Clubkultur schätzt er als "alternativen Gesellschaftsentwurf", in dem keine sozialen Unterschiede gemacht würden. Dank der gelockerten Sperrfristregelung und dem 24-Stunden-Betrieb der U-Bahn am Wochenende ist Wiens Clubkultur vielfältig wie nie zuvor. Diese Szene fördern Hiess und Weiss: Im Rahmen des "Made in Austria"-Festivals treten im Februar nur österreichische Künstler in der Pratersauna auf.

Im Stich gelassen

Von der Stadt Wien fühlen sich die beiden aber im Stich gelassen. Schließlich, so argumentieren sie, bescherten sie Wien jede Menge Touristen, bekämen aber dafür keine Fördergelder. Tatsächlich kommen dank Billigfluglinien immer mehr Partyreisende übers Wochenende nach Wien, um im Nachtleben abzutauchen. "Das ist ein Wirtschaftsfaktor, der in Wien total vernachlässigt wird", sagt Weiss. In Berlin sei das anders, da würden die Clubs als Wirtschaftsfaktor sehr wohl erkannt.

Ganz so sieht das Lutz Leichsenring, Sprecher des Interessenverbands der Berliner Clubbetreiber, nicht. In der Berliner Club-Branche, die jährlich eine Milliarde Euro Umsatz mache und 100 Millionen Euro an Steuern zahle, wolle man zwar keine direkten Subventionen, weil "damit meist inhaltliche Einflussnahme einhergeht". Allerdings: Der Staat solle die Szene "strukturell fördern", regt Leichsenring an. Schließlich müsse ein Club auf dem Immobilienmarkt mit finanzkräftigen Einkaufszentren und Wohnbau-Gesellschaften konkurrieren.

Davon können die Pratersauna-Betreiber auch ein Lied singen: Sie mussten bei ihrer Location mit einem Fitnessclub und einem "Gastrotempel" konkurrieren - und bekamen den Zuschlag nur, weil der Sohn des Eigentümers ein Fan ihrer Technopartys war. (Fabian Kretschmer, DER STANDARD-Printausgabe, 11./12.2.2012)

Kommentar posten
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Mirstetta Toni
00
16.2.2012, 14:55

wenn ich das lese, wünsch ich mir sofort die sophiensäle wieder zurück.

dersalner
00
15.2.2012, 00:33

In den Club für ein Leitungswasser um 5 Euro und 50 Euro zum morgens schnell vergessen.

wien 1220
 
01
13.2.2012, 16:48
Im Wirtschaftsteil

beschweren sich die beiden, dass der Staat bzw. die Gemeinde nicht sparen können.

Moist von Lipwig
00
13.2.2012, 15:24
Pffff....

Die wirkliche Partysaison beginnt erst wieder wenn's halbwegs warm wird. Katz- u. Mausspiel mit den Kieberern inklusive :D

Kautschukbaron
02
13.2.2012, 09:55
i couldn't care less.

Am Ende ist ein Unternehmen. Kein Mensch kann bei der Pratersauna noch davon ausgehen, dass es "die Jungs" nur die Party aus Freude an der Sache veranstalten. Sie nehmen Eintritt, verkaufen Getränke usw.. Das Tourismus Argument kann man hier auch nicht anwenden, jede Oper, Viennale, etc. bringen der Stadt sicherlich Unmengen mehr an Einnahmen, als ein paar Techno-House-Minimal-Jünger die fürs Wochenende in die Stadt jetten. Wohin also mit den Förderungen? Eindeutig in "Neues - noch nicht dagewesenes - etwas wo die Leute und die Welt sich unterhalten werden" - Dinge die Wien noch nicht hat aber sicherlich benötigt. z.B.Hahnenkämpfe, Fight-Club-Parties (Vorbild Londoner Banker..), Hunderennen durch die Wiener Innenstadt (Vorbild Pamplona),..

nebenerwerbsposter
03
13.2.2012, 08:01
he rathaus

geld her - ich spiel musik, wenn gäste zu mir kommen. da ist doch unbedingt förderungswert! aber nicht unter 2 mio lewonzen! alles andere wäre ein bettel und unter meiner würde.

dakakadu
00
12.2.2012, 22:52
den leuten geht langsam die kohle fürs "clubben" aus

wie es scheint, von boom keine spur

fizcerraldo kinski
12
12.2.2012, 18:02

ka warum hier ein großteil so auf die pratersauna hinpeckt. brauch das auch nicht jedes woende - ist aber allemal noch besser als der mist in der innenstadt bzw die proletenhochburgen in den randbezirken.

Vorstadtmama
 
00
14.2.2012, 15:06

Solange keine Förderungen bezahlt werden, dürft ihr meinetwegen Tanzen so viel ihr wollt. Aber bitte andere auch Tanzen lassen, so viel Toleranz muß sein.

Serious Sam
00
12.2.2012, 21:14
tja gut das es noch eine welt hinter dem tellerrand gibt... ;)

länge ist die neue breite
00
12.2.2012, 20:13

hinpecken, oida...

Chi-Unit
03
12.2.2012, 16:46
entspricht dem Zeitgeist

alle fordern, alle wollen; von der Mizzitant über den Zeitungsverleger bis zum Discobetreiber wollen Sie Geld vom Staat, also von der Allgemeinheit. Widerlich.

Serious Sam
00
12.2.2012, 16:39
Pratersauna und Clubkultur positiv zusammenhängend in einem Satz zu verwenden - ich würd lachen, wenns nicht so erbärmlich wär.

F S 4: The science channel
06
12.2.2012, 16:37

Für was wollen die nochmal Fördergelder? Für ein Business das sowieso Gewinn macht? Also mal ehrlich... Hoffentlich macht Häupl seine Durchforstung des Förderdschungels wahr und stellt genau diese Praxis ab.

Parkschwein
00
13.2.2012, 11:34

"Hoffentlich macht Häupl seine Durchforstung des Förderdschungels wahr und stellt genau diese Praxis ab"
warum sollt der häupl die parteienförderung abstellen?

Karottensammler
05
12.2.2012, 15:47
Das is genau das, was mich ankotzt!

Ich bin ein engagierter Vertreter von Partykultur und wenn sies so nennen wollen "alternativen Gesellschaftsmodellen", von offenem Raum für alle in dem sich jeder ausdrücken kann.

Aber das gibt es in AT nicht oder kaum. Clubs wie die Pratersauna sind Profilierungswerkstätte für Leute, die sich gern Teil einer solchen Gesellschaft wähnen würden, aber dazu ein Backing der "Normalgesellschaft" erwarten.

Und bevor die Herren deren Club eh im Vergleich saugut läuft zu jammern beginnen, nicht gefördert zu werden, sollten sie mal überlegen, was das für eine Förderung ist gelockerte Sperrstunden und 24h Öffis zu genießen, als Lokalbetreiber. Man blicke bloß nach London, einer ungleich größeren Stadt in der es ein Krampf ist nach 4 heimzukommen

chuck w1
00
12.2.2012, 15:36

Die Klubkultur ist seit Pratersauner in Wien gestorben, leider. Es war für mich vor einigen Jahren der Grund, wieso ich nach Wien gezogen bin.

Mister Magister
 
29
12.2.2012, 15:06
Club Kultur?

Ich les hier Clubkultur...Miese Soundanlagen (Nein, Qualität bemisst sich nicht in Lautstärke) überzogene Preise und Türsteher die 1:1 aus einer RTL Doku stammen könnten sind also Clubkultur?

Drittklassige AushilfsDJs deren xter "Vienna Special" oder "AustriaMix" peinlicher klingt als DJ Ötzi auf Crack, die House und Techno nicht mal unterscheiden könnten wenn ihr Leben davon abhinge sind Clubkultur?

Ein Floor voller Kleinkinder, Prolls und hässlicher Unterschichtmädels mit 4 Kilo Makeup in der Visage sind Clubkultur?

Leute die 8/10 ihrer Zeit mit "cooler sein als der rest", 1/10 mit saufen und 1/10 mit fun verbringen sind Clubkultur?

Geht mal in die USA, und seht euch an wie richtige Clubs aussehen. Is ja zum totlachen hier.

paul der oktopus
03
12.2.2012, 16:51

" (Nein, Qualität bemisst sich nicht in Lautstärke)"

Musst aufpassen. Zum Schluss sagt noch einer: "Ist es zu laut, bist du zu alt" ;)

Karottensammler
02
12.2.2012, 15:41
Clubkultur ist in Österreich leider

wenn a bissl was los ist. Zu lang und zu oft ist es eher Trist, grad in den Ländern...

Mister Magister
 
00
12.2.2012, 16:55

Ganz ehrlich...auch wenn ich solche Veranstaltungen meide wenns irgend geht, aber jedes Hoffest irgendwo in Schnarchdorf-Mitte macht mehr, und bessere Stimmung als die Pratersauna.

real_schlimm_edi
 
12
12.2.2012, 15:40
Frage an den Coolsten :

Ist "cooler sein als der rest"-sein heute noch genauso cool wie vor 15Jahren ?

O5
21
12.2.2012, 14:42

Das muss bei weitem kein "Eskapismus" sein, das liegt IMHO vielmehr daran dass die sogenannte "Krise" nur einen sehr geringen Teil der Bevölkerung überhaupt berührt hat.

m kubik
00
12.2.2012, 15:23

...es gibt weit mehr Gründe für Eskapismus als bloß den der vermeintlichen Krise!

Amanda Gallas
02
12.2.2012, 14:32
Wien, Du tote Stadt

Das die Clubszene boomt, wundet mich bei den "boomenden" Preisniveau dieser Stadt. Abgesehen von Freitag/Samstag ist in dieser angeblichen Weltstadt nicht viel los - kein Wunder, wenn alle Geschaäfte zu haben müssen, sogar die Greisler. Da würde man sich ein bischen mehr Prag in Wien wünschen, dort sind junge Leute noch willkommen.

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