Nachlese

Wahlshow mit sieben Statisten

11. Februar 2012, 09:15
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    foto: reuters/mehinli

    Präsident Gurbanguly Berdymuhammedow ist allgegenwärtig: Plakat am "Glückspalast" , einem Standesamt in Aschchabad.

Die Turkmenen wählen am Sonntag einen neuen Präsidenten, der der alte sein wird

Trotz der sieben Gegenkandidaten steht der Sieg von Amtsinhaber Gurbanguly Berdymuhammedow schon fest.

*****

Aschchabad/Moskau - Während der arabische Raum gerade eine Achterbahn in seiner politischen Entwicklung durchfährt, bewegt sich in den zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken trotz hohen Modernisierungsbedarfs der Regime nichts. Seit Jahrzehnten herrschen die oft noch aus sowjetischer Zeit stammenden Präsidenten, die ihre Macht teils mit Herrschaftstaktik und Pseudoreformen (wie Nursultan Nasarbajew in Kasachstan), teils mit roher Gewalt (wie Islam Karimow in Usbekistan oder Emomali Rachmon in Tadschikistan) sichern. "Bei all den Regimen ist eine Degradierung der politischen Führung zu erkennen, die sich auf eine Konservierung der Macht ohne jegliche Modernisierung fokussiert" , meint der Leiter der Nachrichtenagentur Fergana, Danil Kislow. Die "feudalkapitalistischen Systeme" seien dadurch gekennzeichnet, dass eine kleine, willkürlich herrschende Elite alle Geldreserven des Landes abzapfe, um ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten, so der Zentralasienexperte.

Geradezu exemplarisch dafür ist die Lage im gasreichen Turkmenistan. Während gut die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, versickern die Exporteinnahmen für den auch bei der OMV (Stichwort Nabucco) begehrten Rohstoff in den Taschen des Präsidentenclans. Eine Kontrolle über die staatlichen Einnahmen und Ausgaben gibt es nicht, eine Opposition auch nicht.

Bei der Präsidentenwahl am Sonntag treten daher keine echten Herausforderer von Amtsinhaber Gurbanguly Berdymuhammedow an. Bei den "glorreichen Sieben" handelt es sich um Beamte, unter ihnen zwei Minister, die vom Präsidenten de facto dazu bestimmt wurden, die Statisten bei dem Wahlspektakel zu spielen. "Jeder versteht, dass die Gegenkandidaten völlig unbekannt und unbedeutend und die Wahlen reines Theater sind", meint Kislow.

Solo im Fernsehen

Außer dem Präsidenten gibt es keine politischen Personen, die im breiteren Volk bekannt wären, nicht einmal aus Berdymuhammedows Umkreis. Er ist auch der Einzige, der im Fernsehen auftritt.

Das störte die Wahlbeobachter der Sowjetunion-Nachfolgeorganisation GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) nicht, den Urnengang bereits im Vorfeld als "transparent und offen" abzusegnen - die OSZE verzichtet auf eine Mission. So wird Berdymuhammedow seinen Wahlsieg von 2007 (90 Prozent Zustimmung bei 99 Prozent Beteiligung) wohl wiederholen. Zu Aufständen wird es deswegen in Turkmenistan nicht kommen. Zu weit sind Politik und Gesellschaft voneinander entfernt. Das Problem in Zentralasien ist ohnehin eher der fehlende Mechanismus einer reibungslosen Machtübergabe - aber immerhin hat der 54-jährige Berdymuhammedow im Gegensatz zu den Nachbardespoten einen Sohn. (André Ballin/DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2012)

Kommentar posten
23 Postings
Cassidorus
 
00
12.2.2012, 11:37
Frage, hat der Heini jetzt die goldene rotierende Statue

seines Vorgängers abmontieren lassen, oder nicht? Falls ja, hat er schon sein eigenes Konterfei auf den Sockel setzen lassen ?

Mein Grossvater hiess Israel Blank
30
12.2.2012, 10:12
Warum wollen alle Journalisten ueberall sg. Demokratie sehen?

Ausser Eu und Noradmerika, teilweise Suedamerika, herschen auf der ganzen Welt bloss Klans. Famielenklans. Und die Nachfolge wird geerbt. Seit Jahrtausenden. Oder auch blutig erkaempf. Warum glauben die Allerklugsten in den Redaktionen, dass die gelenkten und gesteuerten Veraunstaltungen, auch Parlamenstwahlen genannt, besser sind?

TheNepomuk
01
12.2.2012, 11:15

Naja, vergleiche einfach einmal den Durchschnittsösterreicher mit dem Durschnittsturkmenen . Da werden sich gewaltige Unterschiede auftun - zugunsten des Österreichers.

Auch hier lässt sich nicht verhindern, dass der eine oder andere oder nächste ein paar Millionen in die eigenen Taschen verschwinden lässt. Der Unterschied ist, es bleibt hier auch etwas für die Leute übrig.

byron sully
01
11.2.2012, 19:55

da nur die negativbeispiele in dieser gegend genannt werden: es gibt mit kirgisistan auch ein positives beispiel.

diamant
00
11.2.2012, 19:26
Wahrlich ein trauriges Schauspiel....

Hitecut
55
11.2.2012, 17:22
Ach, irgendwann wird es schon

zu einem Volksaufstand kommen und dann werden sich in den Threads wieder lauter User finden, die im Präsidenten ein Bollwerk gegen den westlichen Imperialismus und in den Aufständischen nur von der CIA instruierte Terroristen sehen. War doch in den letzten Jahren bei jedem Aufstand in einer Diktatur so, hier auf derStandard...

androide
43
11.2.2012, 22:45

Seien sie froh dass das hier kein Putin thread ist.

Sie würden mit roten stricherln gekreuzigt werden.

Zumindest an abenden an denen der anti-kapitalismus stammtisch (im aktuellen bobo lokal) nicht tagt.

Deus Ex Coquina
04
11.2.2012, 13:50

Und? FPOe-Delegation?

tschamba fii
00
11.2.2012, 13:44
is jetzt nur ein test

Niemand & Keiner
32
11.2.2012, 12:53
Die "feudalkapitalistischen Systeme" seien dadurch gekennzeichnet, dass eine kleine, willkürlich herrschende Elite alle Geldreserven des Landes abzapfe, um ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten, so der Zentralasienexperte.

Ach, daß soll bei uns anders sein? *tztztz* Den Leuten wird ein bissel Demokratie vorgespielt, aber in Wirklichkeit......

erlon
01
12.2.2012, 09:25

Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Sicher gibts bei uns auch Korruption. Trotzdem bin ich sicher, ein paar Tage in so einem Land unter der Armutsgrenze wären ein Aha-Erlebnis für Leute wie du dich.

Niemand & Keiner
00
12.2.2012, 12:19

Sie haben meinen Kommentar nicht verstanden.

erlon
00
12.2.2012, 14:26

Naja auch nicht wirklich als Ironie zu erkennen und hier im Forum findet man erschreckend viele Leute, die offenbar der Meinung sind ein politsches System wie in Turkmenistan kann nicht schlimmer sein als westliche Demokratie.
Ich halte mich an Churchill: "Democracy is the worst form of government except for all those others that have been tried."

mr.bojangles
 
04
11.2.2012, 11:39
interessante, tragisch-komische Doku:

http://www.youtube.com/watch?v=9ulQP452hug

ziemlich unglaublich...

hatamatata
 
00
12.2.2012, 15:47

einfach schlimm, danke für den link

Christa Kummer <3 <3 <3
00
11.2.2012, 13:22

mir fehlen die worte...unfassbar

Perkun
00
11.2.2012, 10:53
Wo sind die Grenzen

Menschliche Degradierung

Perkun
20
11.2.2012, 10:52
Ein abgsegneter Wahl

Einen Despotenshow wie unter Stalin

Perkun
30
11.2.2012, 10:49
Zurück in der Vergangenheit

Steinzeitpräsidenten.
Ein gefundes Fressen für die dunkelrote undemokratische und unfreiheitliebende Linken
Dann Mahlzeit, aber bitte ohne die normaldenkende Bevölkerung.

Siebenton
03
11.2.2012, 09:47
Zum Foto:

Man muss schon sehr genau schauen, um das Plakat zu entdecken. Aber das Gebäude ist eh interessanter ...

Zhdophanti
00
11.2.2012, 11:23

Das Plakat sticht raus wie sonstwas, weils die geometrische Harmonie des Bauwerks empfindlich stört.

Siebenton
02
11.2.2012, 14:12

Manche haben ihn halt, den plakativen Blick - und andere nicht. Die (architektonisch störenden) Menschen "stechen" mich jedenfalls mehr ... ;-)

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