In der Stadtgalerie Schwaz ist dem 2008 verstorbenen Künstler Walter Obholzer eine Mini-Retrospektive gewidmet
Schwaz - Walter Obholzer (1953-2008) war eine zurückgenommene Erscheinung in
der österreichischen Kunstwelt. Vereinnahmender sind hingegen seine Arbeiten,
die nun in einer umfassenden Ausstellung in der Stadtgalerie Schwaz (Auftakt der
neuen Leiterin Eva Maria Stadler) zu sehen sind.
Mit selbstgefälliger Pose begrüßt ein auf Aluminium gemalter und an die Wand
gelehnter überdimensionaler Zaun (2000) die Eintretenden. Statt einer
Grenzziehung gibt er den Blick auf jene frühen Arbeiten frei, die den Begriff
der "Vorphotographie" geprägt haben und in schwarzer Farbe und mit einem
Luftpinsel ausgeführte gemalte Fotografien oder Filmstills meinen. Obholzers
Der Maler und das Modell (1985) ist die Kopie von Vermeers berühmter
Malkunst, in der das physische Fehlen des Malers zentral ist. Darin fußt
Obholzers Anti-Meisterwerk-Einstellung, die der Auslöschung des Einflusses des
Künstlers galt. Vergleichbar ist diese im Film etwa mit Fellini, der lieber der
Logik des Spaziergängers als jener des Autors folgte.
Im Werk Obholzers folgte eine Reduktion auf das Ornamenthafte und ein Blick
wie durch ein Vergrößerungsglas auf Brüche und Schnitte, wie in der Arbeit ohne
Titel, in dem der linierte rote Faltenwurf eines Kleides zum Motiv avanciert.
Otaku (1998), was aus dem Japanischen übersetzt so viel heißt wie
"leidenschaftliche Selbstbezüglichkeit", nennt der Künstler eine Reihe von
Rhomboiden, die er am Computer komponierte und von Hand reproduzierte.
Seine Knödel (Dumplings, 1995) und Vertikalen Panoramen (2003)
brechen endgültig mit der Autorenschaft. Formen und Farben werden ihrer eigenen
Partitur überlassen und unterliegen als visuelle Schrift einer Rhythmik, die der
Verselbstständigung von Fragmenten (blot streamer, 2006) dient und
Ornamente über Bildgrenzen laufen lässt. (Tereza Kotyk, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. Februar 2012)
Galerie der Stadt Schwaz, bis 28. 3.