Ausstellung

Die Musik der Ornamente

Tereza Kotyk, 10. Februar 2012, 19:04
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    foto: galerie schwaz

    Leidenschaftliches Repetieren über den Bildrand hinaus: Walter Obholzers "blot streamer" (2006).

In der Stadtgalerie Schwaz ist dem 2008 verstorbenen Künstler Walter Obholzer eine Mini-Retrospektive gewidmet

Schwaz - Walter Obholzer (1953-2008) war eine zurückgenommene Erscheinung in der österreichischen Kunstwelt. Vereinnahmender sind hingegen seine Arbeiten, die nun in einer umfassenden Ausstellung in der Stadtgalerie Schwaz (Auftakt der neuen Leiterin Eva Maria Stadler) zu sehen sind.

Mit selbstgefälliger Pose begrüßt ein auf Aluminium gemalter und an die Wand gelehnter überdimensionaler Zaun (2000) die Eintretenden. Statt einer Grenzziehung gibt er den Blick auf jene frühen Arbeiten frei, die den Begriff der "Vorphotographie" geprägt haben und in schwarzer Farbe und mit einem Luftpinsel ausgeführte gemalte Fotografien oder Filmstills meinen. Obholzers Der Maler und das Modell (1985) ist die Kopie von Vermeers berühmter Malkunst, in der das physische Fehlen des Malers zentral ist. Darin fußt Obholzers Anti-Meisterwerk-Einstellung, die der Auslöschung des Einflusses des Künstlers galt. Vergleichbar ist diese im Film etwa mit Fellini, der lieber der Logik des Spaziergängers als jener des Autors folgte.

Im Werk Obholzers folgte eine Reduktion auf das Ornamenthafte und ein Blick wie durch ein Vergrößerungsglas auf Brüche und Schnitte, wie in der Arbeit ohne Titel, in dem der linierte rote Faltenwurf eines Kleides zum Motiv avanciert. Otaku (1998), was aus dem Japanischen übersetzt so viel heißt wie "leidenschaftliche Selbstbezüglichkeit", nennt der Künstler eine Reihe von Rhomboiden, die er am Computer komponierte und von Hand reproduzierte.

Seine Knödel (Dumplings, 1995) und Vertikalen Panoramen (2003) brechen endgültig mit der Autorenschaft. Formen und Farben werden ihrer eigenen Partitur überlassen und unterliegen als visuelle Schrift einer Rhythmik, die der Verselbstständigung von Fragmenten (blot streamer, 2006) dient und Ornamente über Bildgrenzen laufen lässt. (Tereza Kotyk, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. Februar 2012)

Galerie der Stadt Schwaz, bis 28. 3.

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