Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Feine Fäden, die im Bühnenlicht so zart schimmern wie Spinnweben: "Mush Room" von Chris Haring im TQW.
Wien - Schon zu Beginn des Stücks, wenn aus den Lautsprechern ein Dosenlachen durch das noch dunkle Theater scheppert, wird die Atmosphäre unheimlich. Tatsächlich bleibt einem bei Chris Harings Tanzstück Mush Room, das im Tanzquartier Wien uraufgeführt wurde, öfters einmal das Lachen im Hals stecken.
Und nicht erst, wenn eine Tänzerin mit asiatischem Aussehen an ein Mikrofon tritt und in spritzigem Schweizerdeutsch die Zusammenhänge zwischen Sex in reiferen Jahren und Alzheimer erörtert. Sondern bereits, sobald nach dem erwähnten ersten Dosenlachen ein weiteres Mitglied der siebenköpfigen Truppe in dem Stück manieriert erklärt, wie schwierig es sei, etwas zum Wachsen zu bringen und wie leicht alles Gehegte und Gepflegte verkümmern und absterben kann.
Mush Room ist der zweite Teil eines Tanzprojekts, das Haring und seine Gruppe Liquid Loft vergangenen Sommer beim Impulstanz-Festival begonnen haben: The Perfect Garden, eine Serie über die Ambivalenz von Paradiesesvorstellungen und über das Trügerische an Utopien mit Erlösungsversprechen. Nach dem Einstieg mit Wellness im schwülen Palmenhaus des Burggartens nun also im Winterfrost die Fortsetzung unter einem Titel, bei dem an Pilzwucherungen und an im Englischen so genannte "mush areas", also Störungsgebiete, gedacht werden kann.
Der französische Künstler Michel Blazy hat in die Mitte der Bühne einen transparenten Raum gestellt, dessen Wände und Inneres aus feinen, klebstoffähnlichen Fäden bestehen, die im Bühnenlicht so zart schimmern wie Spinnweben. In diesen Raum strebt das gesamte Personal des Stücks. Doch dort verwandeln sich alle in Störfälle: Mechanisch wie kaputte Roboter führen sie immer gleiche Bewegungsmuster aus und verbinden sich zu leerlaufenden Menschenmaschinen.
In weiteren Szenen wird klar, dass dieser offen erscheinende, pseudoideale Raum auf der Bühne so etwas wie ein grieselndes Fernsehbild ist, durch das hin und wieder Fetzen eines Films flimmern. Die Figuren im Stück werden von Störungen erfasst, die sie von Wesen aus Fleisch und Blut in virtuelle Gespenster transformieren. Ihre Körper flackern, stottern, geraten in Feedback-Schleifen, bekommen Sprechdurchfall, werden rückwärts und vorwärts abgespielt. Und sie scheinen das alles gar nicht zu bemerken. So gefährlich sind unsere Paradiese.
Haring und seine Komplizen - der Soundkünstler Andreas Berger und der Dramaturg Thomas Jelinek, in The Perfect Garden erweitert durch Blazys Bühne und diesmal mit Andreas Spiegl als künstlerischem Begleiter - bearbeiten das Thema der medialen Verwurstung des menschlichen Körpers seit Jahren. Und weisen immer wieder aus verschiedenen Perspektiven auf den Totalverlust des sogenannten Authentischen im Zwischenreich des virtuellen Raums hin. Die dabei entstehenden Arbeiten sind, immer auf hohem Niveau ironisch, einmal schlüssig, dann wieder eher an Gags orientiert.
In Mush Room ist Liquid Loft allerdings alles gelungen: von der bewundernswerten Performance der Tänzer über Licht und Dramaturgie bis hin zur Bühne und dem brillanten Sound. (Helmut Ploebst, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. Februar 2012)
Bis 11. 2.
Den 200. Geburtstag Richard Wagners würdigen der Dramatiker Joshua Sobol und der Theatermacher Paulus Manker mit einem spektakulären Simultantheater - Ihre "Wagnerdämmerung" wird am 18. Juli in Wien uraufgeführt - Ein Gespräch vor Ort
Wiener Festwochen: Simon Stones "The Wild Duck"
Premiere von Vincenzo Bellinis "Norma" bei den Pfingstfestspielen: Vokale Qualität und eine respektable Regie überzeugten im Haus für Mozart
Kaufmännischer Geschäftsführer des Linzer Landestheaters wechselt im September nach Wien - Holding-Chef Springer: "Wir haben niemanden abgeworben"
Peter Turrini gibt den Menschen, die um ihre Existenz kämpfen, eine Plattform. In "Aus Liebe" dürfen sie ihre Wut und ihre Ängste artikulieren.
Bizets "Carmen" an der Wiener Staatsoper mit Mezzostar Elina Garanca
Richard Wagners "Walküre" an der Wiener Staatsoper mit Simon O'Neill, Camilla Nylund und Nina Stemme
Zweiter Tag von Wagners "Ring" an der Staatsoper
Pfiffig: "Der Revisor" von Nikolai Gogol ist in einer Neuübersetzung an den Kammerspielen in Linz zu sehen
Hüller für Leistung in Jelinek-Stück mit 10.000 Euro geehrt - Häusermann als beste Nachwuchsdarstellerin
Wagners "Rheingold" an der Wiener Staatsoper. Franz Welser-Möst ließ ebenso prägnant wie packend musizieren
Nicht nur von Pappe: Der Burgtheater-Spielplan 2013/14
Wojtek Klemms Interpretation von Sartres "Die schmutzigen Hände" enttäuscht in Graz als unentschlossener Abend mit Längen
Johan Simons verzichtet auf Vertragsverlängerung
Der Gewinner des Retzhofer Dramapreises Ferdinand Schmalz im Gespräch mit seinem Vorgänger, Ewald Palmetshofer
Performancefestival zeigt überwiegend Österreich-Premieren
Das Stück von Autorin und Regisseurin Isabella Feimer bleibt unausgegoren
Uraufführung von Julya Rabinowichs Asylwerberdrama "Tagfinsternis" durch Filmregisseur Markus Schleinzer
TBA21 im Wiener Augarten: An Kaler zeigt Teil zwei von "On Orientations"
Das Volkstheater in den Bezirken bringt "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" an einem Abend
Vitalspritze für Kleists "Michael Kohlhaas" im Rahmen der Jungen Burg im Vestibül
Georg Friedrich Händels Dramma per musica "Orlando" - Der ganze bunte Abend kommt nicht über ein paar sympathische Momente hinaus
Als Plädoyer für die Kraft der Umwälzung hat Dimiter Gotscheff Heiner Müllers Stück inszeniert
Der neue Scala-Chef könnte möglicherweise bereits am 23. Mai bekanntgegeben werden
Diktatur des Fitnesswahns: Juli Zehs "Corpus Delicti" im Theater Drachengasse
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.