"Mir wird schon was einfallen"

Interview | Ljubiša Tošić, 5. März 2012, 11:54
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    foto: apa/barbara gindl

    Grübeln über die Definition der Wiener Festwochen: der designierte Intendant Markus Hinterhäuser.

Markus Hinterhäuser über die Ausrichtung der Wiener Festwochen, die er ab 2014 übernimmt, und eine neu herausgebrachte CD, die ihn als impulsiven Pianisten zeigt

Wien - Während viele Kulturmanager beim Jobwechsel kaum entspannende Zwischenpausen einlegen, vielmehr in einem Übergangsjahr den alten und den neuen Job gleichzeitig machen, scheint es bei Markus Hinterhäuser gelassener zuzugehen. Nach seiner einjährigen Intendanz bei den Salzburger Festspielen hat er ohne Hektik und nach wohlverdienter Pause begonnen, sich den Wiener Festwochen zu widmen, die er ab 2014 (zusammen mit Shermin Langhoff) leiten wird.

Aus den Zukunftsplanungen, die "Zeit und Freiheit" erfordern, hat ihn nun die Wiederveröffentlichung seiner 1998 in Salzburg eingespielten CD gerissen, die Hinterhäuser als impulsiven Klavierinterpreten der Sonaten von Galina Ustwolskaja präsentiert. Nicht sehr natürlich, schließlich hört sich Hinterhäuser seine CDs nicht an - sagt er.

STANDARD: Wozu nimmt man denn überhaupt CDs auf, wenn man sie sich dann gar nicht mehr anhört?

Hinterhäuser: Berechtigte Frage. Zumal es sich in diesem Fall auch noch um eine Musik handelt, deren elementare Kraft auf CD gar nicht wiedergeben werden kann. Sie ist stärker in einem Konzert, da das Spielen hier ein sehr physischer Vorgang ist. Es ist wirklich wie ein Kampf mit dem Engel. Es vermittelt sich jedenfalls sehr viel von der Musik, wenn man sieht, wie der Interpret um diese Musik kämpft, was Ustwolskaja auch tatsächlich verlangt.

Ich habe das selbst erfahren: In der fünften Sonate gibt es eine zentrale Stelle, da ist ein Cluster in der linken Hand, der unentwegt in denkbar größter Lautstärke wiederholt wird. Es ist eine Art Kreuzigungsszene. Ustwolskaja schreibt in der Anweisung, dass sie bei diesem Cluster den Anschlag der Knöchel auf der Tastatur hören möchte. Wenn man das macht, kann es passieren, dass die Haut reißt und dass man blutet. Das zu spielen ist ein eminent körperlicher Vorgang. Warum man dennoch eine CD aufnimmt? Es hat etwas mit Dokumentieren zu tun. Manchmal kann man einer Anfrage auch nicht widerstehen. Außerdem ist eine CD sehr praktisch, man kann sie zu Weihnachten verschenken. Aber ich höre mir das nicht an, ich mag auch keine Fotos von mir.

STANDARD: Als Veranstalter haben Sie in Salzburg über Jahre aus einer "Außenseiterposition" heraus Wichtiges ermöglicht, sind als Konzertchef in die Nähe des Festspielzentrums gerückt, das Sie 2011 als Intendant erlebt haben. Und nun die Festwochen. Was macht dieser Zuwachs an Einfluss mit einem?

Hinterhäuser: Ich glaube, dass das nicht viel mit mir gemacht hat. Ich glaube, dass ich weiß, welche Eigenschaften ich bei mir nicht zulasse. Für mich ist der Umgang mit dem Veranstalten immer noch ein künstlerischer.

STANDARD: Ökonomische, organisatorische Fähigkeiten scheinen bei Bestellungen mittlerweile eine wichtigere Rolle zu spielen.

Hinterhäuser: Dieser Typus des Kulturmanagers muss große Fähigkeiten haben, das zu bestreiten wäre dumm. Aber wir wissen, dass wir Dinge nicht vereinfachen sollen, es sind schwierige Dinge, mit denen wir umzugehen haben. Wir müssen bewusstmachen, dass Kunst, die vermeintlich wenig Zulauf hat, deshalb nicht gleich unwichtig ist. Diese Diktatur der Quote stört mich. Ich möchte auch viele Menschen erreichen, und ich habe sie erreicht. Aber wir müssen uns gegen Vulgarisierung wehren. Wenn beim Programmieren eine Leere erkennbar wird, die angeblich nicht so leer ist, nur weil das System funktioniert, dann ist das ein bisschen wenig. Die Leute, die zu Konzerten und Festivals kommen, soll man nicht unterschätzen.

STANDARD: Was kann das Publikum von Ihnen bei den Festwochen ab 2014 erwarten?

Hinterhäuser: Die Festwochen sind das Festival einer Metropole für eine Metropole. Es ist ein Festival, das selber produziert, das aber auch interessante Sachen einlädt, was ich gut finde. Sie unterscheiden sich grundsätzlich von Festivals wie Salzburg oder Luzern, die für den Ort eine zeitlich begrenzte Öffnung der Welt gegenüber bedeuten. Für fünf, sechs Wochen, dann ist es vorbei, und dann ist es so, wie es immer war.

Die Festivals einer Metropole wie Wien muss man anders denken. Wien ist europaweit einzigartig, auch im Vergleich zu London, Paris und Berlin. Hier findet unglaublich viel auf höchstem Niveau und das ganze Jahr über statt. Somit muss man gut nachdenken, wie man die Wiener Festwochen definiert.

STANDARD: Und am Ende kommen Sie zum Schluss, es gibt schon alles, also braucht es die Festwochen gar nicht?

Hinterhäuser: Nein! Ich glaube nicht, dass man fragen soll, ob etwas fehlt. Es geht eher darum, etwas Bereicherndes hinzuzufügen. Die Festwochen sind nicht dazu da, die Wiener Staatsoper rechts und das Theater an der Wien links zu überholen. Darum geht es nicht. Man muss etwas anderes finden, etwa andere Erzählformen des Musiktheaters. Die Definition für so ein Festival ist nicht leicht zu finden, aber es ist möglich. Mir wird schon etwas einfallen.

STANDARD: Genug Gestaltungsspielraum? Die Konzerte werden ja immer von Musikverein und Konzerthaus gemacht. Und im Theater an der Wien herrscht auch eher der Ehrgeiz vor, nicht mehr an die Wiener Festwochen zu vermieten.

Hinterhäuser: Solch ein Festival soll sehr in einer Stadt verankert sein, soll auch an bestehende Institutionen andocken. Das ist eine Tatsache, mit der muss man eben klug und respektvoll umgehen. Zum Theater an der Wien: 2014 mieten wir uns noch ein, ab 2015 werden wir sehen. Es muss ein Vertrag gemacht werden. Ich hätte nichts gegen eine Kooperation, aber das hängt davon ab, was man macht. Alles noch in Schwebe.

STANDARD: Kurz noch einmal zu den Salzburger Festspielen, bei denen doch nicht Sie der Nachfolger von Jürgen Flimm wurden, sondern Alexander Pereira. Nachdem Sie aber mit den Festspielen 2011 höchst erfolgreich waren, hat Landeshauptfrau Gabi Burgstaller Ihnen quasi nachgeweint und die Hoffnung geäußert, Sie mögen irgendwann zurückkehren. Was dachten Sie, als Sie das hörten?

Hinterhäuser: Ich dachte mir: Das hätte Burgstaller auch einfacher haben können. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. Februar 2012)

Markus Hinterhäuser (Jahrgang 1958), in La Spezia geborener österreichischer Pianist und Kulturmanager, war Konzertchef und ein Jahr interimistisch Intendant der Salzburger Festspiele. Ab 2014 ist er für drei Jahre Intendant der Wiener Festwochen.

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ichwillandieburg
00
13.2.2012, 11:30
lieber herr h., wie wär´s damit:

www.facebook.com/ichwillandieburg

patrick maurer
00
14.2.2012, 13:38
na endlich!

hab schon gedacht, Sie sind schon verschwunden, bevor Sie da waren.

Abra Cadabra
15
12.2.2012, 11:17
Politische Entscheidung

Das Problem mit Hinterhäuser ist, dass er kein Theatermann ist und die Festwochen im Grunde ein Theaterfestival sind. Diese Lösung, eine Co-Intendantin zu haben, die vom Fach kommt, ist mehr als schief.
Als Musikmanager hat er bei den Festwochen ja fast keinen Auftrag.
Es war eindeutig eine politische Entscheidung. Dass sich Hinterhäuser damit beschädigt und auch in den Ruf kommt, die Macht vor den Inhalt zu stellen, weiß er selbst vermutlich am Besten. Ganz dumm ist er ja nicht.

natha
11
12.2.2012, 16:55
leider

stimmt haargenau. leider. denn m.h. hat ein profundes musikwissen und in salzburg großartiges geleistet. doch in theateraufführungen hat man ihn bei den sbfestspielen nicht ein einziges mal gesehen. schade, dass er der versuchung wr festwochen erlegen ist. ihm wird vielleicht auch nichts einfallen. aber das wird er gut argumentieren können.

baumfreund1
11
10.2.2012, 22:46
"verkrampfter hinaufgejubelter Mittelstandklavirist"???

könnten Sie vielleicht einmal Herrn Peirera klassifizieren?
(in Salzburg dürften Sie letztes Jahr ja nicht gewesen sein - oder die fabelhaften gescheiten Musikprogramme der letzten Jahre genossen haben?)

Die Aufklärung
 
02
11.2.2012, 18:22
Peirera

Alexander Peirera ist der prototypische Dilettant, voller Begeisterung für sich und seine Zuneigung zur Musik, mental ein geborener Stehplätzler und gelernter Computerverkäufer.

Den Zürchern hat diese Mischung aus Computerhändler mit Geschäftssinn und altösterreichischer Wuseligkeit eines Exadeligen in ihrem Biedersinn gefallen.

Dass er zur ähnlich gestrickten Trachtenmodenverkäuferin Rabl-Stadler passt - Chapeau. Salzburg wird dadurch noch stärker eine Bude von Designerware. Lametta aus Alufolien.

one vote
00
16.2.2012, 20:42
Nicht Pereira hat den Zürchern gefallen,

sondern die Qualität, mit der sein Programm umgesetzt wurde. Genauso freuem sich viele jetzt auf den frischen Wind von Homoki. Und sie wissen, warum sie keinen Oesterreicher genommen haben.

Die Aufklärung
 
41
10.2.2012, 20:58
Man wird sehen

Man wird sehen, ob dieser in sich verkrampfte, hinaufgejubelte Mittelstadt-Klavierist der 3. Kategorie mehr kann, als die Planungen anderer für sich zu reklamieren und sie zu exekutieren.

Wenn er jetzt beginnt, sich Mut zuzusprechen, dass ihm schon was einfallen wird, dann bringt er optisch genua das Gegenteil herüber.

Isogseich Eini
20
13.2.2012, 19:06

Beim Hinaufpinkeln macht man sich schmutzig.

Die Aufklärung
 
01
13.2.2012, 20:25
Tja

Tja, Du bist wohl schon ganz nass und gelb, gelt Buchstaben Krawutzel.

afterthought
20
13.2.2012, 00:28

Wann duerfen wir uns denn ein von Ihnen eingespieltes Meisterwerk anhoeren bzw. ein von Ihnen geplantes Festival besuchen ? Denn kritisieren kann ein jeder Dilettant...

V995
22
11.2.2012, 18:23
neid ist was schiaches

du loser

Die Aufklärung
 
11
13.2.2012, 20:28
Und Blödheit

Und Blödheit merken halt die Ziffernkodierer mit V gar nicht, sie tut nicht weh und man erkennt halt rein gar nichts.

Wünsche weiter gutes Labern

Mr. Mag.
10
13.2.2012, 23:08
Suchen Sie sich einen anderen Nickname

Wenn das Aufklärung sein soll dann gute Nacht.
Blödheit paßt perfekt......

baumfreund1
23
10.2.2012, 20:05
der ist ein brillianter Kopf,

"dass dem nichts einfällt", diese Sorge hätte ich nicht!
(er ist ja nicht der Flimm...)

baumfreund1
12
10.2.2012, 21:13
seine Salzburg Saison war jedenfalls das Beste seit langem!

auf die Festwochen, die er gestalten wird, freue ich mich schon!

V995
13
10.2.2012, 19:56
für salzburg war er zuwenig intrigant

schade um den mann

baumfreund1
10
12.2.2012, 10:42
"für Salzburg zu wenig intrigant"

hoffentlich nicht auch für Wien, denn wenn man diese unfairen postings hier liest, könnte man auch meinen, dass man sich auf ihn bereits (gezielt?) einschiesst, bevor er überhaupt begonnen hat. Vielleich wartet bereits irgendein Politgünstling auf diesen Posten, das weiß man ja auch hier nie!

Keikobad
31
10.2.2012, 18:34
Jetzt wird erts nachgedacht?!?!?

Man muss dieses Interview sehr genau lesen. Markus Hinterhäuser wurde zum Festwochen-Chef bestellt, ohne offenbar ein Konzept gehabt zu haben. Denn er sagt in dem Interview, dass er erst noch darüber nachdenken muss, was er in Wien tut wird. Das stellt den Politikern, die ihn berufen haben, kein gutes Zeugnis aus-

sog i eh
11
11.2.2012, 18:46

er ist der höchts qualifiziert Festivalleiter, zweifellos.

Mir ist es sehr sympathisch, dass es nicht dröhnende Ankündigungen macht und sich selbst auf die Schulter klopft, sondern eine alte Tugend jeder Kreativität und Kulturarbeit vorzeigt:
Nachdenken
Reflektieren
Zweifeln

ergo: Sie verwechseln einen Festivalleiter mit einem Parteiboss.

Cooper the Bloom1
 
46
10.2.2012, 19:54
Keine Sorge. Er ist sicher der höchst qualifizierte Festival Leiter

in Österreich! Er ist mit Herzblut und künstlerischer Intuition am Werk, kein Lohnbuchhalter. Seine Bestellung ist das Beste, was Wien passieren konnte! Die Salzburger sind selbst schuld, wenn sie ih ziehen ließen...

krikri
12
12.2.2012, 04:04

vor allem ist garantiert, dass marthaler weiter hier arbeiten wird...

baumfreund1
00
12.2.2012, 10:46
"weiter Marthaler"

das wäre super, wenn man an die großartige "Sache Makropoulos" letztes Jahr in Salzburg denkt!
(nur bitte nicht Neuenfels, Guth und Konsorten, davon hatten wir ja inzwischen wirklich schon genug!)

IchbinIch5
11
12.2.2012, 13:09

Wien könnte sich freuen, wenn jemand wie Neuenfels, der auch ein großatiger Autor ist, hier arbeiten würde. Stattdessen haben wir den Staatsopern-Plunder, zu dem ja auch die Premieren zählen, die da schon aussehen, als hätte man sie seit den achzigern Tausendmal gespielt ...

romeos bleeding
00
13.2.2012, 10:51

als der Intendant Neuenfels die Freie Volksbühne verlassen musste, da war sogar sein Anwalt sprachlos. Komisch, dass er darüber nichts geschrieben hat.

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