Regierung bröckelt

Wirbel auf Athens Straßen und im Parlament

10. Februar 2012, 23:12

Die griechische Rechte trägt die Vereinbarung mit den Geldgebern nicht mit, Politiker treten zurück und ein Generalstreik legt das Land lahm

Athen/Brüssel - Die griechische Regierung hat am Freitagabend das umstrittene drakonische Sparpaket abgesegnet, mit dem das Land vor der drohenden Staatspleite bewahrt werden soll. "Es ist angenommen", sagte ein Minister nach der Sitzung. Der parteiunabhängige Ministerpräsident Lucas Papademos hatte zuvor in dramatischen Worten vor einem Scheitern des mit EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) vereinbarten Hilfspakets gewarnt. Die Alternative wäre ein "ökonomisches Chaos" und eine "soziale Explosion", sagte er.

Zugleich stellte er allen Regierungsmitgliedern, die das milliardenschwere Sparpaket nicht mittragen wollten, den Sessel vor die Tür. Insgesamt fünf Regierungsmitglieder erklärten am Freitag ihren Rücktritt und die kleine rechtsgerichtete LAOS-Partei kündigte Papademos die Gefolgschaft auf. Der Beschluss des Sparpakets durch das Parlament soll noch am Wochenende erfolgen. Es sieht allein für heuer Einsparungen in Höhe von 3,3 Milliarden Euro vor, darunter eine Senkung des Mindestlohns um 25 Prozent und den Abbau von 15.000 Beamtenjobs. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland 130 Milliarden Euro von den Euro-Partnern erhält. Ohne dieses würde das schwer verschuldete Land Mitte März insolvent werden.

Griechische Medien schätzten, dass es bei der Abstimmung im Parlament mindestens 30 Abweichler im Regierungslager geben könnte. Zudem wollen auch die 16 Abgeordneten der kleinen rechtsgerichteten Partei LAOS das Sparpaket nicht mittragen. Ein Nein des kleinsten Regierungspartners hätte angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament keine Auswirkungen, sollten die beiden anderen Regierungsparteien, die Sozialisten (PASOK) und die Konservativen (Nea Dimokratia), für die Sparanstrengungen votieren. Insgesamt hat das Regierungslager 252 Abgeordnete. Im Athener Parlament sitzen insgesamt 300 Abgeordnete. Mit 151 Ja-Stimmen wäre das Gesetz gebilligt.

Der Euro geriet am Freitag kräftig unter Druck und fiel unter die Marke von 1,32 Dollar. Der ATX in Wien rutschte um über drei Prozent ab (siehe Marktberichte).

Entscheidung über Hilfspaket vertagt

Die Euro-Finanzminister hatten eine Entscheidung über das zweite Hilfspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro in der Nacht auf Freitag auf kommenden Mittwoch vertagt (siehe Eurogruppe nimmt Griechen stärker in die Pflicht). Bis dahin muss das Parlament in Athen den Sparmaßnahmen zustimmen.

Ein neuer Generalstreik legte das öffentliche Leben in Griechenland am Freitag weitgehend lahm. In der Hauptstadt fuhren weder Busse noch U-Bahnen, öffentliche Einrichtungen waren geschlossen. Auch die Fähren zu den Inseln blieben in den Häfen, der Flugverkehr verlief jedoch störungsfrei. Zu dem Streik gegen die neuen Sparpläne, der auch am Samstag fortgesetzt werden soll, haben die wichtigsten Gewerkschaften des Landes aufgerufen. Bereits am Dienstag dieser Woche fand ein eintägiger Generalstreik statt.

Bei den Protesten gegen die Sparpläne kam es zu Zusammenstößen zwischen Autonomen und der Polizei in Athen (siehe auch Proteste schlagen in Gewalt um). Rund 200 Personen lösten sich aus der ansonsten friedlich demonstrierenden Masse und warfen Steine und Molotowcocktails auf die Polizisten, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Angaben zu Verletzten lagen zunächst nicht vor. Nach Schätzungen der Polizei waren rund 11.000 Menschen auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs.

14 Milliarden sparen

Die geplanten Einschnitte sehen unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor und die Entlassung von 150.000 Staatsbediensteten bis 2015 vor. Bis dahin soll Griechenland so 14 Milliarden Euro sparen, dieses Jahr sollen es 3,1 Milliarden sein. Das Programm ist Voraussetzung dafür, dass das Euro-Sorgenkind neue Milliardenhilfen bekommt. Griechenland braucht spätestens in der zweiten Märzhälfte die neue Kapitalspritze. Andernfalls ist das Land bis Ende März pleite. Bisher wurden im Rahmen des ersten Rettungspakets in Gesamthöhe von 110 Milliarden Euro bereits in sechs Tranchen 73 Milliarden durch bilaterale Darlehen an Griechenland ausbezahlt. Österreich zahlte bisher 1,56 Milliarden an Athen.

Die Proteste nahmen auch kuriose Züge an: Der Chef der Polizeigewerkschaft (POESY) drohte mit der Festnahme der Kontrolleure der Geldgeber. Nach Ansicht der Gewerkschaft versucht die "Troika" mit den harten Sparmaßnahmen, die demokratische Ordnung umzuwerfen. Sie versuche, die "nationale Souveränität" zu verletzen und dem griechischen Volk wichtige Güter zu rauben. "Wir warnen Sie, dass wir die sofortige Ausstellung von Haftbefehlen verlangen werden", hieß es in einer schriftlichen Erklärung, die an die Troika-Vertreter geschickt wurde. Verteilt wurde auch ein Flugblatt, auf dem "Wanted" (gesucht) stand. In Aussicht gestellt wurde für die Festnahme der "Troikaner" ein Euro als Belohnung. (Reuters/red, derStandard.at, 10.2.2012)

Kommentar posten
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Oddo Wolf
00
12.2.2012, 05:01
Troika: EZB IWF EU

-
Heute ist belegt, dass der Aderlass nur bei wenigen Krankheitsbildern eine positive Wirkung hat. http://de.wikipedia.org/wiki/Aderlass

Die Jahrhunderte zurückreichende Geschichte des Zentralbanksystems zu studieren, beantwortet viele Fragen zur Krise in der Gegenwart.

Menschenflüsterer
 
12
12.2.2012, 00:17
standardposter
30
12.2.2012, 08:17
n1

bump oder repost? des video wurde schon gepostet ;)

lessismore
03
11.2.2012, 18:57
"Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt" ...

Das ist eine WIRKLICH geschickte Formulierung. "Wir alle" sind ... das kapitalistische Weltsystem, aber es wird verstanden als "jeder Einzelne für sich"; es sind gerade die Verhältnisse, die einem dabei entgehen ...

Girgl Galgenstein
01
11.2.2012, 12:52
Der Widerstand hat etwas befremdliches

denn die Griechen können die Hilfsangebote jederzeit ausschlagen und ihr Heil im Staatsbankrott suchen. Aber wie soll es dann weitergehen? Wer will denn Griechenland noch Geld leihen, wenn er weiss, dass er es nicht mehr zurückbekommt? Wie will der Griechische Staat morgen seine Angestellten bezahlen, wenn die laufenden Einnahmen nur noch ein Bruchteil der bis dato zur Verfügung stehenden Mittel ausmachen?
Rätsel über Rätsel und man ist gespannt, welche Trumpfkarte die griechischen Konservativen im Ärmel versteckt halten.

Oddo Wolf
11
12.2.2012, 04:36

[Wie will der Griechische Staat morgen seine Angestellten bezahlen?]

Das wäre nicht das Problem. Mit einer eigenen Währung. Drachme oder was auch immer drucken und damit die Gehälter bezahlen. Nur für Importe brauchen sie int. akzeptiertes Geld. Ein paar Banken verstaatlichen und mit 0 Schulden neu anfangen. Habe keinen Zweifel, daß GR nicht in kürzester Zeit ein paar Mrd. aus dem Ausland bekommen würde.

Girgl Galgenstein
00
14.2.2012, 10:53
Träumer

Wenn morgen eine neue Drachme käme, wäre sie übermorgen wertlos, da jeder seine Ersparnisse sofort in Euro tauschen würde. Das war doch während der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg nicht anders.

Joe Bar
00
14.2.2012, 14:44

Die Ersparnisse vielleicht, das laufende Einkommen wohl kaum. Inflation ist schon ein möglicher Weg des Schuldenabbaus, und lokale Währung bedeutet auch die Möglichkeit lokal abzuwerten.

Girgl Galgenstein
00
15.2.2012, 08:28
Über eine Inflation

können Sie nur die inländischen Schulden und Guthaben devaluieren. Die ausländischen Schulden bleiben und wer über Hartwährungsguthaben verfügt, darf sich zur glücklichen Klasse der Krisengewinnler rechnen. Die Ärmsten werden auf diese Weise nur ärmer.

Joe Bar
00
15.2.2012, 09:53

Dem kann man kaum widersprechen, aber die ausländischen Schulden kann man im Rahmen einer Insolvenz bedienen, und den Armen kann und muß durch Geldtransfers aus den vergleichsweise reichen Ländern geholfen werden.

Natürlich kann man das alles auch ohne eigene Währung machen, ich vermute aber, die Akzeptanz der Inflation fällt den Leuten leichter als die laufende Reduktion des Einkommens.

So wie´s jetzt läuft sehe ich jedenfalls schon gar keinen Transfer zu den Armen, und die Krisengewinnler sind vorerst jene, die rechtzeitig in hochverzinste gr. Anleihen investiert haben. Die haben bis jetzt ja noch nicht einmal auf die Zinsen verzichtet.

Girgl Galgenstein
00
15.2.2012, 12:24
Das Ganze wäre für die Griechen sicherlich nicht so dramatisch

wenn es eine relativ autarke Binnenwirtschaft gäbe. Die gibt es aber nicht und damit können die Importe, auf die viele Griechen angewiesen sind, nicht substituiert werden. Mangelnde Produktivität zwang bereits in der Vergangenheit etliche Betriebe zur Aufgabe. Aber es geht nicht nur um die Währung, sondern auch darum, dass ein deutlicher Bürokratieabbau erfolgt. Jeder Bierbrauer könnte Ihnen ein Lied davon singen, wieviel komplizierter es in Griechenland ist, die Ware zu verkaufen. Selbst wenn nur die Gebindegröße geändert wird, benötigen Sie eine neue Genehmigung. Jeder Lastenaufzug muss einmal im Monat abgenommen werden. Die Lohnsteigerungen sind auf Jahre festgeschrieben etc.
Welcher Unternehmer möchte dort schon hin?

Joe Bar
00
15.2.2012, 13:45

Da liegt das zentrale Problem. Schwache Binnenwirtschaft + schwache Regierung bedeuten Armut und wenig Aussicht auf Besserung.

Man allerdings nicht alles von außen lösen, niemanden gegen seien Willen retten. Da geraten wir an die Grenzen der Demokratie und der Souveränität.

Girgl Galgenstein
00
15.2.2012, 15:51
Das eben ist des Pudels Kern

Irgendwie wird es immer weiter gehen. Die einzige Frage ist wie. Vielleicht muss dort alles noch viel schlechter werden, bevor es wieder besser werden kann.

n0mad
67
11.2.2012, 12:39
Interessanterweise erreicht

das Niveau vieler Postings bereits diese Marke:

jeder Stoß ein Franzos,
jeder Tritt ein Britt,
die Griechen müssen Siechen

Wie schnell da Propagandasatz der "Faule Grieche" von der breiten Masse aufgesogen und somit Politisch instrumentalisierbar wird ist schon beachtlich aber ebenso erschreckend!

Oddo Wolf
02
12.2.2012, 04:38

Das Teile-und-Herrsche-Spiel um von den wahren Verursachern abzulenken.

</ lustig>
42
11.2.2012, 13:00
Sie regen sich über mangelndes Niveau auf?

Das finde ich interessant...

m0nk
03
11.2.2012, 13:57
Sie regen sich nicht über mangelndes Niveau auf?

Das finde ich bezeichnend...

n0mad
24
11.2.2012, 13:03
Das ist jetzt ernsthaft

Ihre Antwort ...

Rudolfo Karellowitsch
41
11.2.2012, 13:44
Sätze die mit einem Fragezeichen enden,

sind häufig Fragen und keine Antworten.

n0mad
16
11.2.2012, 14:01
Platte Rhetorik

Rudolfo Karellowitsch
41
11.2.2012, 18:18
Nein, einfache Grammatik,

aber damit sollte man hier nicht rechnen, das Leute sinnverstehend lesen können?

n0mad
04
11.2.2012, 18:46
Da Sie es offenbar nicht anders verstehen

Postings als Kommentare zu den Postings anderer sind per se Antworten, ob mit oder ohne Fragezeichen.

Sätze ohne Sinn sind nicht mehr als leere Rhetorik,weniger noch, leere Worthülsen, ob nun mit richtiger Grammatik und Fragezeichen oder ohne.

Da Sie auf mein Anfängliches Posting (ja das wo diese Wurscht eigentlich beginnt, haben Sie da schon mal nachgesehen?) keine Sinnvolle Entgegnung haben sondern sich langsam an ein ad hominem anschleichen bin ich gewillt anzunehmen das Sie einfach nur ein Troll sind.

Auf Wiederlesen!

Rudolfo Karellowitsch
20
11.2.2012, 19:13
leicht aggressiv?

ist das nicht schlecht für den Blutdruck?

Und die beiden vorhergehenden Sätze enden wieder mit Fragezeichen und es könnte sich dabei um Fragen handeln, die man auch beantworten kann, wenn man die Kapazität mitbringt die Fragen zu verstehen und dann auch noch eine sinnvolle Antwort darauf geben zu können. Man muß nicht immer gleich mit Puls 180 ausrasten, man kann auch mal versuchen die Fragen der anderen zu lesen, zu verstehen und wenn es ein ganz guter Tag ist, vielleicht auch mal die Fragen beantworten.

Und jetzt sag ICH, auf Nimmalesen!

n0mad
12
11.2.2012, 19:22
Sie haben einfach

nichts zu sagen, leider aber das Bedürfnis danach sich mitteilen zu wollen.

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