Über das Wesen der Welt

    15. Februar 2012, 17:20
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    Eines Tages ist der Stuhl, auf dem der Mann saß, leer - Das Mädchen packt sein Herz in eine Flasche, um es an einem sicheren Ort zu haben

    Trauer, Verlust, Tod als Thema für ein Kinderbuch zu nehmen, ist eine heikle Angelegenheit. Nur allzu schnell kann man da ausrutschen. Oliver Jeffers ist es gelungen, in keine Falle zu tappen, banal oder blöd zu sein. Im Gegenteil: Mit Das Herz in der Flasche ist ihm ein berührend schönes Buch gelungen.

    Die Hauptfigur ist ein namenloses Mädchen, das zu Beginn des Buches mit einem älteren Mann - ihrem Großvater? - die Welt entdeckt. Es staunt über den Ozean und beobachtet mit ihm die Sterne. Kurz: "Das Mädchen hatte Freude daran, neue Dinge zu entdecken." Eines Tages ist der Stuhl, auf dem der Mann saß, leer. Das Mädchen packt sein Herz in eine Flasche, um es an einem sicheren Ort zu haben. Doch: "In Wahrheit war nichts wie zuvor."

    Lange kann es sich an nichts mehr erfreuen. Bis sie jemanden trifft, der ihr neue Freude gibt: "Vielleicht wäre dem Mädchen nie bewusst geworden, was geschehen war, hätte es nicht jemanden getroffen, der viel kleiner und immer noch neugierig auf das Wesen dieser Welt war", heißt es.

    Jeffers erzählt die Geschichte für Kinder ab dem fünften Lebensjahr ohne Pathos, in der Bildsprache bleibt er seinem Stil treu. Die Illustrationen sind ähnlich wie etwa bei seiner Pinguin-Geschichte "Rauf und runter". Wie tröstlich: Am Buchende wird der Sessel nicht mehr leer sein. (Peter Mayr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.02.2012)

    • Das Herz in der Flasche
Oliver Jeffers
€ 15,40 / 32 Seiten
Aufbau Verlag, Berlin 2011
      foto: aufbau verlag

      Das Herz in der Flasche
      Oliver Jeffers
      € 15,40 / 32 Seiten
      Aufbau Verlag, Berlin 2011

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