Neu Methode

Mit Hitze Daten schneller auf Festplatten speichern

11. Februar 2012, 20:42
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    foto: paul scherrer institut/m. fischer

    Die PSI-Forscher Frithjof Nolting (links) und Loïc Le Guyader am Röntgenmikroskop an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz. Noch ist der technische Aufwand für die neue Speichermethode enorm, in Zukunft könnte das Verfahren jedoch die Grundlage für neue effizientere Speichertechnologien werden, sind die Forscher überzeugt.

Laserpuls ändert die Magnetisierung von Speichermedien mit weniger Energie als ein externes Magnetfeld

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Weg gefunden, um Daten auf magnetischen Medien zu speichern. Dabei verwenden die Wissenschafter kein externes Magnetfeld, sondern setzten stattdessen auf einen Hitzepuls. Das Verfahren wäre viele hundert mal schneller als Technologien, die in heutigen Festplatten genutzt werden und hat das Potenzial, deutlich weniger Energie zu verbrauchen.

Die am Projekt beteiligten Forscher stammen aus Großbritannien, Spanien, der Schweiz, der Ukraine, Russland, Japan und den Niederlanden. Mit dem Einsatz moderner lithografischer Verfahren und hochmoderner Röntgenmikrokopie haben Wissenschafter des Paul Scherrer Instituts (PSI) in Villigen in der Schweiz wesentlich zu dem Ergebnis beigetragen. Über ihre Arbeit berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Online-Journals "Nature Communications".

Es geht auch ohne Magnetfeld

Jeder, der die anziehenden und abstoßenden Kräfte zwischen Magneten erfahren hat, weiß dass Magnete einen Nord- und einen Südpol haben und dass gleiche Pole einander abstoßen während entgegengesetzte Pole einander anziehen. Derartige Magnete, bloß wesentlich kleiner als diejenigen, die wir aus dem Alltag kennen, werden in moderner Speichertechnologie genutzt, wie sie etwa in Computerfestplatten eingesetzt wird. In dieser Technik werden einzelne Bits (die kleinste Informationseinheit, mit nur den zwei Werten "0" oder "1") in der Ausrichtung wenige Nanometer großer Magnete gespeichert.

Bislang hat man gedacht, dass man ein externes Magnetfeld braucht, um ein Bit zu speichern, also die Ausrichtung eines solchen Nanomagneten umzukehren. So nutzen moderne Festplattenlaufwerke ein magnetisches Feld von rund einem Tesla (etwa 20.000 mal die Stärke des Erdmagnetfelds), das erlaubt, ein Bit innerhalb einiger Nanosekunden (1 Nanosekunde = 10-9 Sekunden) zu speichern. Dabei ist es technologisch sehr schwierig große Magnetfelder schnell in einem kleinen Bereich zu schalten

Mit Hitze schneller speichern

Indem sie sich die deutlich stärkeren inneren Kräfte des magnetischen Materials zu Nutze machten, konnten die Mitglieder eines multinationalen Forschungsteams nun zeigen, wie man die Ausrichtung der Magnete ändern kann, ohne ein Magnetfeld zu verwenden. Statt eines Magnetfelds haben sie einen Hitzepuls aus einem Laser genutzt. Jeder der Nanomagnete in dem Material besteht selbst aus winzigen elementaren Magneten - den Spins, die durch die so genannte Austauschwechselwirkung miteinander gekoppelt sind. Diese innere Kraft richtet die Spins in einem Material in eine gemeinsame Richtung aus, so dass das ganze Material "magnetisch" wird. Dabei hatte man bislang immer gedacht, dass Hitze eine solche magnetische Ordnung nur zerstören kann.

Nun wurde aber deutlich, dass wenn man das Material mit einem extrem kurzen Laserblitz (0,1 Pikosekunden) aufheizt, der Nanomagnet zwar zunächst aus dem Gleichgewicht gebracht und in einen Zustand versetzt wird, der weder "0" noch "1" entspricht. Dann zwingen aber die Kräfte in seinem Inneren, die durch die Austauschwechselwirkung bestimmt werden, den Magneten in einen der beiden Gleichgewichtszustände - "0" oder "1". "Dieses Verfahren macht es möglich, Tausende von Gigabytes pro Sekunde zu speichern - das ist viele hundert Mal mehr als mit heutigen Technologien. Und da man auch kein Magnetfeld benötigt, verbraucht man auch weniger Energie", so Thomas Ostler von der Universität York, der mit Hilfe von Computersimulationen vorausgesagt hat, wie ein Laserblitz auf einen Magneten wirkt und dabei Erstaunliches gezeigt hat.

Grundlage für neue Speichertechnologien

Experimentell nachgewiesen wurde der Effekt an der Universität Nijmegen mit Hilfe magneto-optischer Mikroskopie an dünnen Schichten und am Paul Scherrer Institut an mikrometergroßen Strukturen, die hier mit einem lithographischen Verfahren im Labor für Mikro und Nanotechnologie hergestellt und anschließend mit Röntgenmikroskopie an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz SLS des PSI untersucht wurden. "Das Synchrotronlicht, das an der SLS erzeugt wird, erlaubt uns, das Verhalten von sehr kleinen Magneten zu verfolgen. Damit konnten wir auch den Einfluss eines kurzen Laserpulses auf einzelne Magnete beobachten", erklärt Frithjof Nolting, Leiter der Arbeitsgruppe Magnetismus und Mikroskopie am PSI. Die Wissenschafter sind überzeugt, dass das Verfahren die Grundlage für neue effizientere Speichertechnologien werden könnte. (red)

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16 Postings
Freund der Sanktionen
40
12.2.2012, 14:47
Die Festplatte ist eine Auslauftechnologie -

egal wie schnell und effizient sie realisiert wird. Über mechanische Lösungen zum Speichern von Daten wird man in spätestens fünf Jahren nur mehr den Kopf schütteln, genauso wie sich heute niemand mehr vorstellen kann, eine Bildröhre auf den Schreibtisch zu stellen...

e_Neutrino
 
00
14.2.2012, 20:47
Pulslaser statt Magnetkopf,...

.
ja warum eigentlich nicht?,... quasi als Übergangslösung für einige Jahre, da die herkömmliche Festplattentechnologie sicherlich leicht auf ein Lasersystem umgerüstet werden kann, ausserdem gibt es dann bestimmt keinen Festplattencrash mehr, der Lesekopf ist dann ebenfalls ein Laser der die Polarisation der Magnetbits mit Lichtgeschwindigkeit auswertet,... ;)

Michael Wehse
02
13.2.2012, 06:25
bis Anfang der 80er hätte ich Ihnen noch Recht gegeben ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Magn... enspeicher

Jedesmal, wenn die Festplatte tot gesagt wurde, konnte sie ihren Vorsprung dennoch wieder ausbauen. Nicht, dass ich sehr an den empfindlichen, lauten Dingern hänge ...

peace & love
40
12.2.2012, 13:39
die idee ist gut, aber durch ssd bereits obsolet.

Andreas Grois
02
12.2.2012, 12:54
Funktionsprinzip

Hier geht es um Materialien, deren magnetische Anisotropie sich bei höheren Temperaturen ändert, so dass die magnetisch leichte Achse beim aufgeheizten Material im rechten Winkel zu jener des kalten Materials, entlang welcher das Bit vor bzw. sofort nach dem Aufheizen magnetisiert ist, liegt. Dadurch beginnt die Magnetisierung um diese neue leichte Achse zu präzessieren. Kühlt das Material jetzt genau zur richtigen Zeit, also nach der halben Präzessionsdauer, wieder so weit ab, dass die leichte Achse wieder entlang der ursprünglichen Richtung liegt, so hat sich die Magnetisierung um 180° gedreht. Die Schwierigkeit ist, den Hitzeabtransport, die Heizdauer/Leistung und die Magnetisierbarkeit des Materials perfekt abzustimmen.

Stuff
00
12.2.2012, 07:33
Und Auslesen

wie gehabt? Naja, ist halt gut für Backup-Systeme.

"Mit welchem Programm machen Sie die Backups?"
"Arcserve!"
"Und mit welchem Programm den Restore?"

Okok, der Witz wird heute sicherlich nicht mehr verstanden…

Gandalfino
00
16.2.2012, 16:03

ich versteh den sehr gut - ich hab mich Jahre mit Arcserve herumgeschlagen ^^

peterkbm
00
12.2.2012, 21:49
Wiewohl, den Witz

verstand ich nur all zu gut. Zum Glück gibt es Bacula.

gez69
 
00
12.2.2012, 01:30

Im ersten Moment habe ich gedacht ... MO Laufwerke gibts aber schon länger ... dass das jetzt auch ohne starkes Magnetfeld zum Schreiben eines Bits und viel schneller geht ist großartig ...

Michael Wehse
00
12.2.2012, 11:50
Letztlich haben sie die Technologie der MO-Laufwerke weiterentwickelt,

auch wenn das physikalische Prinzip ein anderes ist. Ich habe mich länger schon gefragt, welche Eigenschaften diese Technologie, die, wie Sie schon bemerkt haben bei MO-Laufwerken und DVD-RAM verwendet wird, eine Entwicklung in Richtung Festplatten bremst. Die Geschwindigkeit hat die Arbeitsgruppe offenbar stark verbessert. Wie sieht es mit der Anzahl an Schreibzyklen aus? Eine starke Erwärmung, wenn auch nur kurz und kleinräumig, kann imho nicht spurlos an dem Material vorübergehen. Weiß da jemand genaueres?

SK26
00
12.2.2012, 01:26

wichtiger fortschritt! während die Prozessoren immer schneller wurden, blieb die Speichertechnologie im hintertreffen (verglichen mit den Prozessor fortschritten...), die Zeiten für lese/speicherzugriffe sind bei den festplatten nur marginal schneller geworden, während die Prozessor geschwindigkeiten geradezu explodiert sind, was nicht zu unterschätzende Probleme mit sich bringt, ausgeklügelte Methoden kaschieren das einigermaßen (Speicherhierachie - cache/Arbeitsspeicher/Virtueller Speicher/Festplatte) schnellere schreib geschwindigkeiten sind wichtig, schritt 2: lesegeschwindigkeit optimieren

Pool Snoopy
 
00
12.2.2012, 11:24

naja fürs geschwindigkeitsproblem gibt's ja ssd. da ist halt die kapazität noch teuer.
aber mit der technologie könnte man natürlich beides erledigen. bin gespannt, wann das kommt.

JosefGott
00
12.2.2012, 01:14
LASER haben aber eine kürzere Lebensdauer, während die von Elektromagneten praktisch unendlich ist.

Derartige Festplatten werden wohl eine kürzere Lebensdauer haben. LASER mit benötigter Leistung haben etwa 5000 Stunden Lebensdauer, im Pulsbetrieb etwas mehr. Aber gut, es geht um schreiben von Daten. Solange ich sie wieder lesen kann, ist es egal.

piquer=½
00
12.2.2012, 00:11
offtopic

SanDisk stellt in kürze eine 128GB SD-Karte vor.

Viele TeraByte bekommt man mit dieser Speicherdichte in einem 3.5" Festplattengehäuse ohne verschleißende, mechanische Teile unter?

50? 100? mehr?

M L3
00
14.3.2012, 16:52
Unterbringen schon, aber bezahlen will man sie noch nicht

So wie ich mit Studienkollegen Anfang der 90er Jahre über die Machbarkeit von 1GB Hauptspeicher philosophierte: Vom Volumen müßte es im Äquivalent von 1-2 Bierkisten platz haben. Aber bei Preisen von 1000,-ATS/MB bzw. etwas später 7200,-ATS/16MB konnte man nicht von bezahlbar sprechen.

JosefGott
03
12.2.2012, 01:15
Keine mechanischen Teile... Sicher, aber verschleißfrei sind SSD auch nicht.

Habe schon 2x Datenverluste mit SSD gehabt.

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