Uni Wien will Doktoranden individuell fördern

10. Februar 2012, 10:33
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Initiativkollegs laufen aus - Individuelle Förderung neben Prädoc-Stellen und FWF-Doktoratskollegs

Wien - Die Universität Wien ordnet ihre Doktoranden-Förderung neu. Wie im kürzlich beschlossenen Entwicklungsplan vorgesehen, sollen die derzeit bestehenden Initiativkollegs auslaufen. Stattdessen will die Uni ab 2013 verstärkt talentierte Doktoranden individuell fördern. Derzeit werde den Studenten das Thema ihrer Dissertation vielfach vorgegeben. "Talentierte junge Wissenschafter haben aber das Potenzial, Themen zu entdecken, die uns noch gar nicht aufgefallen sind - sie sollen ihrer Nase nach gehen", sagte die Vizerektorin der Uni Wien, Susanne Weigelin-Schwiedrzik.

An der Uni Wien sind mehr als 10.000 Personen für ein Doktoratsstudium eingeschrieben, aber nur rund 450 machen jährlich ihren Abschluss. Die Uni bietet dabei verschiedene Möglichkeiten der Förderung. Rund 1.700 Personen haben eine auf drei Jahre vergebene sogenannte Prädoc-Stelle, sind also an der Uni angestellt und ab dem zweiten Jahr auch in die Lehre eingebunden. Zudem gibt es derzeit 15 vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Doktoratskollegs mit rund 140 Studenten, die ebenfalls an der Uni angestellt sind. Diese beiden Förderformen von Nachwuchswissenschaftern soll bestehenbleiben.

Die 2006 von der Uni eingeführten und finanzierten "Initiativkollegs", bei denen mehrere Doktoranden als Gruppe betreut werden, sollen allerdings auslaufen. Ursprünglich hoffte die Uni, dass diese strukturierten Doktoratsprogramme vom FWF als Doktoratskolleg weiter finanziert werden. Weil dies nicht klappte und man "nicht zu viele Leute in einem relativ kleinen Gebiet ausbilden wollte", wird diese Form der Förderung nun nicht weitergeführt.

Individuelle Förderung unterentwickelt

Weigelin-Schwiedrzik ortet eine "deutliche Schwäche im Förderungssystem für Doktoranden in Österreich". Diese würden bis auf wenige Ausnahmen "nur in kollektiver Form", etwa in Kollegs, gefördert. Individuelle Unterstützung sei dagegen unterentwickelt, "einerseits weil man ohnedies so leicht ins Doktoratsstudium hineinkommt, andererseits weil es so eine ironische Haltung zum Doktorat gibt und man sagt, die Leute wollen halt gerne einen Titel, wofür soll man sie da noch unterstützen", so die für Forschung und Nachwuchsförderung zuständige Vizerektorin.

Für Weigelin-Schwiedrzik sind Doktoranden dazu geeignet, die Wissenschaft mit ihrer Arbeit ein Stück weiter zu bringen. "Wenn wir das ernst meinen, dann dürfen wir sie bei der Auswahl ihres Doktoratsthemas nicht zu stark einschränken", meint sie. Doktoratskollegs würden aber immer von Professoren beantragt, seien deshalb genau auf deren Stand und den Doktoranden würden die Themen durch das Kolleg vorgegeben.

50 bis 70 Doktoranden sollen gefördert werden

Zwischen 50 und 70 Doktoranden sollen künftig eine individuelle Förderung erhalten. Die genaue Zahl hängt wohl davon ab, wie viel Geld die Uni in den Verhandlungen über die Leistungsvereinbarung 2013-2015 dafür herausschlagen kann. In Summe würden dann nach drei Jahren 150 bis 200 Doktoranden in den Genuss der Förderung kommen. "Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir weiterhin Prädoc-Stellen, die FWF-Doktoratskollegs und Drittmittelprojekte haben, in denen Doktoranden angestellt sind", so die Vizerektorin. Insgesamt komme man damit auf eine Zahl von rund 2.000 Doktoranden, die in irgendeiner Form finanziell unterstützt werden.

Ob die individuelle Förderung in Form einer Anstellung oder eines Stipendiums erfolgen wird, ist noch nicht klar. Auch wie die Auswahl erfolgen soll - ein Wettbewerb über alle Fächer hinweg oder gebündelt nach Gebieten - wird noch überlegt. Diese Fragen sollen im Rahmen der Vorbereitungen des Entwurfs der Leistungsvereinbarung geklärt werden, der Entwurf bis Ende April 2012 vorliegen. (APA)

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