Blaulichtaffäre

Auslieferungsantrag für ÖVP-Bundesrat Himmer

10. Februar 2012, 10:17
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    foto: apa/fohringer

    Harald Himmer sieht sich mit einem Auslieferungsantrag konfontiert.

Vorwurf der Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit Polizeifunk Tetron

Wien - Nächster Paukenschlag in den Korruptionsaffären rund um die Telekom Austria: Gegen den Vizepräsidenten des Bundesrats, Harald Himmer (ÖVP), hat die Staatsanwaltschaft Wien einen Auslieferungsantrag wegen der "Blaulichtfunk-Affäre" gestellt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft am Freitagmorgen. Himmer ist auch Chef von Alcatel-Lucent Österreich. Eine Stellungnahme der ÖVP war bis dato nicht zu erhalten. Himmer wurde im Nationalratswahlkampf 1990 mit dem Slogan "Bonzen quälen, Himmer wählen" bekannt.

Wie der grüne Abgeordnete Peter Pilz schon am Donnerstag berichtete, soll Himmer vom ehemaligen Telekom-Manager Gernot Schieszler, der eine Kronzeugenregelung anstrebt, schwer belastet worden sein. Es steht der Verdacht im Raum, dass bei der Vergabe des Blaulichtfunksystems Tetron an ein Alcatel/Telekom-Konsortium über den Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly Schmiergeld geflossen ist. Sowohl Himmer als auch Mensdorff-Pouilly haben stets alle Vorwürfe zurückgewiesen, für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Der Blaulichtfunk sollte ein bundesweites, gruppentaugliches und abhörsichereres Funksystem für Polizei, Rettung und Feuerwehr werden, allerdings ist er bis heute nicht bundesweit im Einsatz. Ursprünglich sollte das System 2009 bundesweit funken. Vergeben wurde das Projekt unter dem damaligen Innenminister Ernst Strasser (ÖVP), gegen den in einer anderen Causa (EU-Lobbying gegen Bares) ermittelt wird. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. 

Der Auslieferungsantrag der Staatsanwaltschaft Wien gegen den Vizepräsidenten des Bundesrates und Alcatel-Chef Harald Himmer ist am 27. Jänner im Wiener Landtag eingelangt und nimmt Bezug auf die Aussagen von Ex-Telekom-Manager Gernot Schieszler. Dieser strebt eine Kronzeugenregelung an, auf die er nur eine Chance hat, wenn er offensiv und ehrlich mit der Justiz zusammenarbeitet. Himmer hat die Vorwürfe stets zurück gewiesen. Er war heute für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Antrag im Wortlaut

Pilz zitiert aus dem Antrag, dessen Echtheit der APA von der Staatsanwaltschaft bestätigt wurde: "Laut Angaben von Mag. Gernot Schiessler, dem damaligen Vorstand der Festnetzsparte, der den Vertrag auf Seiten der TA (Telekom Austria, Anm.) abgeschlossen hatte, handelte es sich bei dieser Zahlung um eine 'Altschuld' der TA gegenüber Alfons Mensdorff-Pouilly, die im Zusammenhang mit der Ausschreibung des Tetron-Digitalfunks (Behördenfunk der Polizei und anderer Einsatzkräfte) gestanden habe."

Weiters heißt es darin: "Nach Aussage von Mag. Gernot Schieszler habe sich auch der Vorstand der Alcatel-Lucent Austria AG (in Folge Alcatel), Mag. Harald Himmer, wiederholt erkundigt, wann seitens der TA die ausständige Zahlung an Mensdorff-Pouilly geleistet werden würde, weil die Alcatel ihren Teil schon lange erledigt hätte und dies zu erledigen sei. (...) Die zum Aktenzeichen 604 St 4/08g der Staatsanwaltschaft Wien erfolgte Öffnung des Kontos der MPA Budapest bei der Raiffeisenkassa Strem, Kontonummer 207274, ergab, das die Alcatel im Zeitraum vom 28.12.2005 bis 6.9.2007 insgesamt Euro 719.970,- an die MPA überwies. In diesem Zeitraum war Mag. Harald Himmer Vertriebsdirektor und später Generaldirektor der Alcatel. (...) Auch zu diesen Zahlungen bestreitet Alfons Mensdorff-Pouilly einen Zusammenhang mit der Vergabe des Tetron-Digitalfunks. (...) Aus diesem Grund werden auch bei Alcatel Ermittlungen zum Grund der Zahlung an Alfons Mensdorff-Pouilly zu führen sein, wobei Mag. Harald Himmer in diesem Verfahren die Stellung eines Beschuldigten wegen des Verdachts des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1 und 2, zweiter Fall, StGB einnimmt. (...) Aufgrund des unklaren Grundes der doch beträchtlichen Zahlung ist deren ökonomischer Nutzen zweifelhaft bzw. eine allfällige fremdübliche Gegenleistung zu überprüfen."

ÖVP Wien hält sich bedeckt

In der Wiener ÖVP hielt man sich am Freitag in der Causa "Auslieferungsantrag für ÖVP-Bundesrat und Bezirkspolitiker Harald Himmer" einigermaßen bedeckt. "Wir kennen die Aktenlage noch nicht", man werde aber einer Aufklärung nicht im Wege stehen, sagte ein Klubsprecher. Das Prozedere sieht nun folgendermaßen aus: Die Unterlagen sollen demnächst dem sogenannten Immunitätskollegium zukommen. Dies ist ein 15-köpfiges Gremium, das sich aus Vertretern aller im Stadtparlament vertretenen Fraktionen zusammensetzt.

Auslieferung möglich

Dieses Gremium berät über eine mögliche Auslieferung. Einen Termin gebe es noch nicht, so der ÖVP-Sprecher. Nach diesen Vorberatungen wird dann im Landtag über die Auslieferung Himmers abgestimmt. Himmer, der 2009 kurzfristig als Nachfolger von Johannes Hahn an der Parteispitze der Hauptstadt-Schwarzen gehandelt wurde, ist seit 1995 Bezirksparteiobmann der ÖVP-Landstraße in Wien. Daran werde sich vorerst nichts ändern, so der Klubsprecher.

Der Technologiekonzern Alcatel Lucent Austria, dessen Geschäftsführer Himmer ist, wollte sich heute auf Anfrage nicht weiter zur Causa äußern. Himmer selbst war nicht zu sprechen.

Bezirksparteiobmann in Wien

Der studierte Betriebswirt Himmer ist seit 1992 bei dem Technologiekonzern Alcatel tätig, seit 2007 ist er Generaldirektor von Alcatel-Lucent Österreich, das auch das Hauptquartier für die Osteuropa-Aktivitäten des Unternehmens ist. Von 1990 bis 1993 war er Bundesobmann der Jungen ÖVP, seit 1995 ist er Bezirksparteiobmann der ÖVP-Landstraße in Wien. Im Jahr 2008 wurde er zum Vizepräsidenten des Bundesrates ernannt. Er wird dem Arbeitnehmerflügel ÖAAB der Volkspartei zugerechnet. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 167
1 2 3 4
CEEIT
01
12.2.2012, 12:02
und es wird wieder nichts passieren....

frust

Gandalfino
01
12.2.2012, 11:08
wie geht das ?

Hat den sein Tag mehr als 24 Stunden? Geschäftsführer bei Alcatel-Lucent, Bundesrat UND Bezirksrat... Wie geht das? Ich würde annehmen, dass zumindest der GF Posten und der Bundesrat Fulltimejobs sind.

sasasally
00
12.2.2012, 10:45
auslieferungsantrag für vp-himmer,

geldstrafe für fp-königshofer. es lebe schwarz blau

verleih nix
00
12.2.2012, 10:22

es gilt die unschuldsvermutung. wobei: was ist jetzt wahrscheinlicher, die unschuld oder der weltuntergang ende des jahres?

Magic Washroom
00
18.2.2012, 15:01
21.12.2012 der tag des unschuldsuntergang.

die maya haben es vorhergesagt, vor hunderten von jahren prophezeiten sie, dass am 21.12.2012 die personen in der causa telekom ihre unschuld verlieren werden.

mayflower2
00
12.2.2012, 08:50

Bezirksobmann der ÖVP,Landstraße.
Daran wird sich auch nichts ändern.
Eh kloar.

Franz Schwingenschrot
00
12.2.2012, 07:31

Ui, da wird schon wieder ein Leistungsträger von der Justiz verfolgt.
http://gedaunknsplitta.blog.de

x-tron
03
11.2.2012, 10:52
Jetzt aber wirklich Korruptionsbekämpfung,

tönten SPÖ und ÖVP vor einem Jahr. Am Nichtergebnis gemessen ist klar, dass diese Parteien strukturelle Korruption gutheißen. Sie haben nicht einmal Gesetzesvorschläge diskutiert, zur
- transparenten Parteienfinanzierung
- zum scharfen Anfütterungsverbot
- zur Strafbarkeit von Geld gegen Gesetze für Abgeordnete
- zu einer unabhängigen und schlagkräftigen Staatsanwaltschaft gegen Korruption und Wirtschaftskriminalität
- zur Erhöhung der Schlagkraft der Finanz gegen Steuerhinterziehung.
All diese Maßnahmen können besseren Wettbewerb, mehr Gerechtigkeit und viel Geld von Gaunern und Steuerhinterziehern bringen. Die Regierungsparteien schützen Gauner und Steuerhinterzieher bewusst, anders lässt sich das nicht mehr erklären. Und wir zahlen

Ninive
010
11.2.2012, 09:12
Wo ÖVP draufsteht

ist Korruption dabei!

Das FPÖVBÖTZE lebt und furzt!
02
11.2.2012, 10:03
Und man hat den Eindruck: Die schämen sich nicht einmal die Bohne dafür, sondern sind auch noch stolz auf ihre Gerissenheit.

Leb ich am Mond?
03
11.2.2012, 13:16
GENAU so ist es, dieses korrupte Gsindl fühlt sich als von GOTT begünstigte ELITE die

das depperte Volk nach Strich und Faden schröpfen kann

Diagnose: Fernsehvergiftung dritten Grades!
00
11.2.2012, 13:38
schröpfen...

...und bürgerüberwachen!

Alfredo E. Newman
00
11.2.2012, 08:11

Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

rks
 
00
12.2.2012, 10:56

Warum gibt es keine Orden für Verdienste auf Kosten der Republik?

Roter Baron
01
11.2.2012, 09:49

mit eichenlaub und brillanten
(davon werdens sicher noch welche in der schublade haben).

101 Jahre Kreisky waren zu wenig
00
11.2.2012, 08:09

Es kommt der Tag an dem sich all diese korrupten Gesellen zu verantworten haben.

wackelkandidat
011
11.2.2012, 07:55

Besteht die ÖVP eigentlich nur aus geldgierigen Blutegeln und nutzlosen Gesellschaftsparasiten?

Ninive
00
11.2.2012, 09:13
Beide Definitionen passen zu den Bauern!

Roter Baron
01
11.2.2012, 09:50

die 4%-minderheit, die ein eigenes ministerium haben

ÖVP-Rohlinge
013
11.2.2012, 07:53
UNFASSBAR! > 30 Millionen Euro musste der Steuerzahler für ein Stillschweigen an Mastertalk (des damals siegreichen Konsortium) bezahlen, um nur dann den Auftrag ganz hastig an Alcatel vergeben zu können...

Verantwortlich für diese Sauerei (Vertragsauflösung) und die Neuvergabe war der damalige ÖVP - Innenminister Strasser.............Die Wut wird immer größer......

Leb ich am Mond?
02
11.2.2012, 13:18
ABER HERR STRASSER, HERR KLOIBMÜLLER HERR PILSL HERR usw.

werden weder angezeigt noch verurteilt

DIESE KORRUPTE Innenministerium und Justizministerium MAFIA gehört endlich weggesperrt

systemfehler1
02
11.2.2012, 07:16
Und wenn man dann auch noch weiß,

dass berreits ein fix und fertiges, perfektes digitales Funksystem für Blaulichteinheiten da war, von einem Anbieter, der sogar Pressekonferenzen zu diesem Thema gehalten hat, dann kommt einem das noch befremdlicher vor.
Aber dann fiel der Name Strasser, und in seinem Sog kamen die anderen Loden-, ähhh, Leistungsträger angeschwommen und dann war man als gelernter Österreicher gart nimmer verwundert, sondern vermutete nur mehr Unschuld.

oas
06
10.2.2012, 22:55
Könnte in der Rubrik "Inland" beispielsweise eine Rubrik "Unschuldsvermutung"

eingeführt werden, in der alle Inlandsmeldungen subsumiert werden? So jeder Absatz mit dieser neuösterreichischen Variante des "Amen" ist doch a bissel anstrengend…

Bitte Ich Weiß Was
03
10.2.2012, 22:45
Ohne Partei ist der nichts

als ein trautiger Wurm.

Hoffentlich bald im Knast - Leistungsträger von wegen!

sylli1
13
10.2.2012, 22:39

na hauptsache, jeden sonntag in die kirche und kerzln fressen.

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