Königin für eine Nacht als Gast des Dogen

  • Die Gastgeberin, Antonia Sautter, begrüßt persönlich ihre Gäste. Wer's mag, darf hier eine Nacht lang Doge spielen.
Flüge zum Beispiel mit der Austrian von Wien nach Venedig. Bei der Anreise mit den ÖBB muss man auf der Südbahnstrecke auf den City-Bus umsteigen.
Informationen: Ballo del Doge
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    foto: ballo del doge

    Die Gastgeberin, Antonia Sautter, begrüßt persönlich ihre Gäste. Wer's mag, darf hier eine Nacht lang Doge spielen.

    Flüge zum Beispiel mit der Austrian von Wien nach Venedig. Bei der Anreise mit den ÖBB muss man auf der Südbahnstrecke auf den City-Bus umsteigen.

    Informationen: Ballo del Doge

Als Höhepunkt des Karnevals von Venedig gilt der "Ballo del Doge" im Palazzo Pisani-Moretta am Canal Grande. Ein Ausblick auf das Fest

Er ist nicht nur eine Augenweide. Er ist auch ein geheimer Treffpunkt für Gourmets. Der Dogenball ist für die Organisatorin und gelernte Kostümbildnerin Antonia Sautter "keine Show, kein Fest, noch weniger ein Spektakel, sondern ganz einfach eine Emotion".

Am 18. Februar wird es wieder so weit sein: Dann öffnet in Venedig der Palazzo Pisani-Moretta am Canal Grande seine Pforten, um die Kunden aus aller Welt eine Nacht lang in eine andere Welt zu entführen.

Der Ballo del Doge, der Dogenball, ist der unbestrittene Höhepunkt des venezianischen Karnevals. Der Prestige-Ball ist keine eigentliche Tanzveranstaltung. Er ist ein Spiel von Licht und Schatten, eine Mischung aus Cirque du Soleil und Eyes Wide Shut, dem Kultfilm von Stanley Kubrick, für den die Ballorganisatorin Antonia Sautter die Kostüme entwarf. Eine Zeitreise in das Venedig des 17. und 18. Jahrhunderts. Ein Tête-à-Tête mit den famosen Dogen der Lagunenstadt.

Italien hat heutzutage keine Ballkultur mehr. Die großen Bälle, man denke nur an Luigi Viscontis Film Der Leopard, zählen der Vergangenheit zu. Einen Hauch von Ballkultur verleihen hier noch die österreichische Botschaft in Rom und die Außenhandelsstelle in Mailand, die gemeinsam mit dem Generalkonsulat jährlich mit ihren großangelegten Nobelbällen nicht nur für Nostalgie, sondern auch für echtes Ballvergnügen sorgen

In diesem Szenario der vernachlässigten Ballkultur ist Venedig mit seinem Dogenball eine rühmliche Ausnahme. Seit seiner Gründung vor nunmehr 18 Jahren avancierte der Ballo del Doge auch zum Treff der internationalen Jetset-Gesellschaft. Sultane und Scheichs, Politiker und Milliardäre - sie alle wollen zumindest an einem Tag im Jahr eine Traumwelt erleben.

Die Namen des Publikums werden nicht genannt. "Wir sind diskret, das ist auch der Grund für unseren Erfolg. Erst Jahre später wird bekannt, wer zu den erlauchten Gästen zählte", kommentiert Signora Sautter den Publikumserfolg. In den vergangenen Jahren vergnügten sich unter anderem den Bruder des Sultans von Oman, der spanische Flamenco-Tänzer Joaquin Cortes oder die Modedesignerin Vivienne Westwood beim Ball.

Der Ball ist keineswegs ein billiger Spaß. Inklusiv Dinner kostet der Eintritt für Very Important Persons, VIPs, 1700 Euro. Aber im Karneval sind sämtliche Scherze erlaubt. Ohne Dinner sind die Ballkarten bereits um 650 Euro zu haben. Außerdem herrscht Kostüm- und Maskenzwang. Und allein das Ausleihen eines passenden Kostüms kostet 200 bis 1000 Euro. Denn nur maskierte Ballbesucher haben Zugang zum Palazzo.

Bäume als Königinnen

Das Thema des heurigen Nobelballs heißt "Queensessence", eine Hommage an Königinnen und Kaiserinnen, an Frauen im Allgemeinen. Sechs fantastische imperiale Gestalten aus den vergangenen Jahrhunderten werden in der Eintrittshalle des Palazzo die Ballgäste empfangen. Es handelt sich um einen virtuellen Empfang. Denn die eigens für den Ball entworfenen Kostüme der Kaiserinnen und Königinnen werden auf bis zu acht Meter hohen Bäumen drapiert. Keine Mannequins, sondern Bäume mit ihren Wurzeln stellen das Urbild der Frau und das Symbol der Königinnen dar, meint Antonia Sautter. Sie ist nicht nur für den Ball zuständig. Die Kostüme der sechs Kaiserinnen und Königinnen wurden von ihr in ihrem venezianischen Atelier entworfen. Besonders am Herzen lag ihr dabei das Rokoko-Gewand von Kaiserin Maria Theresia, die gemeinsam mit Tochter Marie Antoinette zu den ausgewählten Fürstinnen zählt. Flankiert werden sie von Elizabeth I, der spanischen Königin Isabella I., Katharina der Großen und der Venezianerin Katharina Cornara, Königin von Zypern.

Das Geschäft rund um den Dogenball floriert. Der Umsatz, den die rund 600 Gäste mit Flügen, Transfers, Hotels, Restaurants und Einkaufstouren tätigen, wird auf fünf Millionen Euro geschätzt. Inbegriffen sind natürlich auch die Kostüme, welche die rund 200 Dogenball-Bediensteten, von Dienern in Livree bis zu den Künstlern und den Köchen, tragen. (Thesy Kness/DER STANDARD/Printausgabe/11.02.2012)

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