Geschützte Wildtiere im Visier

Engländer streiten über Massentötung von Dachsen

10. Februar 2012, 13:05
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    foto: reuters/stefan wermuth

    Dachse stehen im Verdacht Rindertuberkulose zu übertragen. Bewiesen ist das jedoch noch nicht.

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    foto: ap/hermann j. knippertz

    Vor allem Milchkühe sind immer wieder von der Krankheit betroffen.

Die Tiere stehen im Verdacht, Tuberkulose zu übertragen - Nun startet eine Befragung, ob sie gejagt werden dürfen

Den britischen Dachsen könnte es bald an den Pelz gehen. Die Tiere werden verdächtigt, den Tuberkuloseerreger in britische Rinderfarmen einzuschleppen. Die Regierung steht zwischen den Fronten: Vertreter der Landwirtschaft fordern seit Jahren die Tötung der geschützten Wildtiere. In der Öffentlichkeit sind Raubtiere jedoch sehr beliebt. Schon die Labour-Vorgängerregierung hatte daher eine solche Maßnahme gescheut. Diese Woche begann nun eine Befragung, bei der es um die Entscheidung geht, ob die Dachse auf einer Fläche von 150 Quadratkilometern getötet werden dürfen.

Die Landwirtschaftsindustrie kämpft damit, dass vor allem Milchvieh immer wieder mit dem für die Krankheit verantwortlichen Mikroorganismus Mycobacterium bovis angesteckt wird. "Rund 25.000 Rinder mussten im vergangenen Jahr geschlachtet werden, das hat den Steuerzahler allein in England 63 Millionen Pfund (75 Millionen Euro) gekostet", berichtete Landwirtschaftsminister Jim Paice am Mittwoch.

Das Thema ist nicht neu. Schon vor fünf Jahren sorgte ein Bericht von Sir David King, dem damals führenden wissenschaftlichen Berater der britischen Regierung, für Aufregung. Darin empfahl der Chemiker eine Massentötung der Waldbewohner. Laut einer Untersuchung seien sie für die Verbreitung der Rindertuberkulose verantwortlich.

Im Zweifel für den Angeklagten

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind jedoch keineswegs eindeutig. Andere Untersuchungen entlasten die Dachse. So sei in Gegenden, in denen die Tiere gezielt gejagt wurden, die Zahl der neuen Infektionen weiter gestiegen.

Denn bereits 1997 wurde eine großflächige Untersuchung vorgenommen, um für Klarheit zu sorgen. In jeweils zehn abgegrenzten Gebieten wurde untersucht, welche Folgen es hat, wenn man Dache prophylaktisch tötet (Gruppe 1), Dachse nur tötet, wo neue Infektionen auftreten (Gruppe 2) oder auf ihre Jagd verzichtet (Gruppe 3). 18 Monate nach Versuchsbeginn legten die Veterinäre des Imperial College London Ergebnisse vor: Die Fälle von Rindertuberkulose stiegen bei Gruppe 2 im Vergleich zur nicht bejagten Gruppe um 27 Prozent an. Denkbar sei, dass eine Dezimierung der Dachse mehr Lebensraum für andere Tiere schafft, die dann den Erreger zu den Rindern tragen. 

Bei der Rindertuberkulose handelt es sich um eine Zoonose. Das bedeutet, dass die Krankheit auch auf Menschen übertragen werden kann. In Österreich ist übrigens hauptsächlich das Rotwild von Tuberkulose betroffen. (jus, derStandard.at, 10.2.2012)

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22 Postings
Ignaz gartengschirrl
00
29.2.2012, 19:37
Die Tiere stehen im Verdacht, Tuberkulose zu übertragen -

ok.

und wieviele menschen haben jährlich kontakt zu menschen?
meiner meinung nach sollte erstmals geklärt werden ob die tiere überhaupt tuberkulose übertraben bevor man über eine massentötung nachdenkt.

BogumirOrjoltschaschtsch
 
00
21.2.2012, 15:22
Ähnlich verhält es sich in Neuseeland mit der Rinder und Hirschtuberkulose,...

nur ist dort das Possum für die Verbreitung von Bwdeutung.

BogumirOrjoltschaschtsch
 
00
21.2.2012, 15:20
In Österreich ist übrigens hauptsächlich das Rotwild von Tuberkulose betroffen....

Das ist so nicht richtig! Auch in Österreich ist nicht das Rotwild die Drehscheibe und Quelle der Tuberkulose (aktuell im Tiroler Außerfern9 sondern auch hier sind es die beutegreifer,besonders der Dachs aber auch der Fuchs, die beide nicht nennenswert an TBC erkranken, den Erreger aber ausscheiden. Besonders der Dachs, der auch das für Rotwild ausgelegte Kraftfutter frist, setzt in die Futterbarren seinen Kot und damit die Erreger ab. Die Hirsche erkranken sehr vehement und sind nach einer wenige wochen dauernden akuten Erkrankung meist auch schon gestorben. Verantwortlich dafür ist das mästen der Wildtiere, die in hohen Lagen sonst den Winter nicht überstehen würden. Bei gemeinsamen Salzlecken stecken sich dann auch die Rinder an.

Zitronenbaum
01
17.2.2012, 11:38

/: Eine Tierart ausrotten, nur weil der VERDACHT besteht, dass sie Tuberkulose verbreitet?
I am not amused.
Bevor mans nicht genau weiß, muss man das herausfinden, und nicht einfach alles umbringen. Unser Ökosystem geht auch so schon den Bach runter!

Spinndoktor
00
17.2.2012, 15:13
Kannst ganz ruhig sein,

es wird denen nicht gelingen den Dachs völlig auszurotten, im Gegenteil, nach einer kurzen Phase der Dezimierung wird er verstärkt wieder kommen: Keine Konkurrenz, freie Reviere, mehr Nahrungsangebot für die neuen Kolonialisten. Das ist immer so, die Fachleute wissen das aber die Hobbytiertöter müssen einen Grund attestiert bekommen, ihrem Spaß nachzugehen.

derBoFH
00
15.2.2012, 13:58

also ich verdächtige ja viele politiker, dass sie an einiger misere schuld haben. also ich finde ja, wenn man dachse verdächtigt ...

sainty1
16
13.2.2012, 09:20
krank..einfach nur krank..auf verdacht Tier unnötig abschlachten..

sowas kann nur uns einfallen..

Saurer Zivi
05
12.2.2012, 11:12
Der Geldadel hat in Ö ganz ähnliche Bedürfnisse. Alles über den Haufen knallen zu dürfen. Das sind primitive Machtgelüste über Leben und Tod, die so manche Geldsäcke ausleben wollen.

Dachse auf einem Testgebiet einzufangen, in Quarantäne zu bringen und ausschließlich zu Vergleichszwecken vorübergehend gefangen zu halten - das ist das äußerste der Gefühle!

Sinkt die Infektionsrate im Vergleich zu einem Kontrollareal mit Dachsen nicht ab, ist das überhaupt alles einzustellen.

Liberaler Atheist
07
12.2.2012, 00:04

Beendet die tierquälerische industrielle Rinderhaltung und das Problem ist gelöst!

Eine Schande, die Dachse dafür verantwortlich zu machen!

Spinndoktor
01
17.2.2012, 15:14
Jawoll, umdrehen: Massendachshaltung und Jagdrinder in Dartmoor!

don't follow me
08
10.2.2012, 19:59

Badger, Badger, Badger, Badger, Badger..

ViperDC
01
11.2.2012, 23:57

Mushroom… MUSHROOM!!!

V. S.
08
10.2.2012, 18:05
>Die Tiere stehen im Verdacht ... getötet werden sollen

Typisch homo non sapiens non sapiens.

Alleine auf so eine mörderische Idee zu kommen ist schlicht krank.

Ulrike Reiter
07
10.2.2012, 17:21
Wie lautet der Plan genau?

Glückwunsch liebe Rinder! Ihr selbst hätte auch schnell ins Schussfeld kommen können. Aus Wikipedia: Da Rinder ebenfalls an der Tuberkulose erkranken können, war früher nicht-pasteurisierte Milch eine verbreitete Infektionsquelle.

Das prophylaktisches Töten von Wildtieren, um Nutztierbestände vor Krankheiten zu schützen und sich dabei noch nicht einmal auf eindeutige Belege stützen zu können, steht nicht für einen durchdachten Plan.

Justin Credible
21
10.2.2012, 16:12

> das hat den Steuerzahler allein in England 63 Millionen Pfund (75 Millionen Euro) gekostet

Frechheit, dass ein ethisch bedenkliches Luxusgut auf alle abgewälzt wird.

Lilith Boessse
 
05
10.2.2012, 16:09
und "so ganz nebenbei" einstreuen,

dass das den steuerzahler so und so viel millionen gekostet hat .... (warum eigentlich den steuerzahler?)

der adel freut sich - nachdem die leute wegen der fuchsjagten so aufständ machen, werden's in zukunft halt dachse jagen. halali!

inbressitte
13
10.2.2012, 14:48

oder man verteilt mithilfe von Löschflugzeugen Antibiotika flächendeckend über das ganze land damit die massenviehwirtschaft weiter wirtschaften kann und alle gesund sind!

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
27
10.2.2012, 14:38
[Schildbürgerideen] [www.bit.ly/Tierrechte]

Einfach eine Tierart ausrotten oder dezimieren um Krankheitserreger zu stoppen ? Abgesehen von der Absurdität der Idee (würden wir Menschen mit Krankheitserregern umbringen?) stören solche Maßnahmen das Ökosystem und lassen ganz außer Acht, dass es noch tausende andere Virenstämme und dazu passende Überträgertierarten gibt ... es ist nicht so als ob das Tierreich durch das Dachse-Abschlachten dann immun gegen weitere Epidemien wäre ...

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
12
10.2.2012, 14:40
Nachsatz:

"Denkbar sei, dass eine Dezimierung der Dachse mehr Lebensraum für andere Tiere schafft, die dann den Erreger zu den Rindern tragen." (siehe Artikel)

Emil Sacklinger
 
33
10.2.2012, 13:56
wenn die dachse befragt werden

ob sie bejagt werden dürfen, kommt sicher "nein" heraus.

(somit hoffentlich: alles paletti)

Kein_Postingname
015
10.2.2012, 13:46
Aber klar doch …

Die Nutztiere überzüchten und zusammenpferchen und dann den Wildtieren die Schuld zuschieben.
Wie wärs, wenn man dem Menschen die Schuld gibt und zu Abschuss frei?

Rudi Refosk
017
10.2.2012, 13:12

Das Problem ist wohl eher die Massentierhaltung und weniger der eine oder andere kranke Dachs. Der Vorschlag einer Massentötung könnte auch von einem österreichischen Agrarlandesrat stammen. Die haben immer die besten Ideen...

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