Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth lehnt eine
Ausgleichstaxe für ältere Arbeitnehmer ab und kritisiert die
"Frühpensionskultur" in Österreich.
Kein Unternehmen wird es sich in Zukunft
leisten können, dass die besten Leute zu früh in den Ruhestand gehen.
Eine ganze Reihe von Betrieben hat die Zeichen der Zeit bereits
erkannt und gute Ansätze für eine Personalpolitik gefunden, die
ältere Mitarbeiter stärker in den Mittelpunkt rückt - von Maßnahmen
der betrieblichen Gesundheitsvorsorge bis hin zu Arbeitszeiten, die
auf das Alter abgestimmt sind. "Eine verpflichtende Ausgleichstaxe
für Ältere lehne ich deshalb ab, zumal neue Strafzahlungen keinen
über 60-Jährigen auch tatsächlich in dauerhafte Beschäftigung
bringen", so WK-Präsident Peter Nemeth. "Es sind die
Rahmenbedingungen, die diese Gruppe am Arbeitsmarkt benachteiligen.
Wir brauchen adäquate Jobs für ältere Arbeitnehmer und müssen noch
mehr auf Rehabilitation setzen, und nicht die Pension als Ziel des
Lebens definieren."
Anstatt über Strafzahlungen nachzudenken, sollte beispielsweise
bei der Qualifikation Älterer angesetzt werden. Ab 45 Jahren geht die
Weiterbildungs-beteiligung signifikant zurück, ab 55 Jahren ist sie
kaum mehr vorhanden.
Eine weitere "Baustelle" sei - so Experten - das in den
Kollektivverträgen verankerte Senioritätsprinzip, also das
sprunghafte Ansteigen der Löhne mit dem Alter. So entstehe auf der
Kostenseite ein großes Problem für die Betriebe, das die
Bereitschaft, ältere Personen einzustellen bzw. längerfristig im
Betrieb zu halten, dämpfe. Nemeth:"Ältere müssen für Betriebe
günstiger werden, wobei es nicht darum geht, das Lebenseinkommen zu
kürzen, sondern die Einkommenskurve zu verflachen. Auch bei den
Lohnnebenkosten sollte es zu spürbaren Entlastungen bei der Gruppe
der Über-60-Jährigen kommen, wie etwa auch der Pensionsexperte Bernd
Marin kürzlich wieder vorgeschlagen hat."
Die Vorteile: Neben der höheren Attraktivität Älterer für den
Arbeitsmarkt würde auch das Pensionssystem entlastet, wenn diese
Beschäftigungsgruppe länger im Erwerbsprozess bleibt. Genau darum
geht es ja auch der Arbeitnehmerseite, die jedoch einen Aspekt unter
den Tisch fallen lässt: Die niedrige Erwerbsquote älterer
Arbeitnehmer in Österreich hängt auch damit zusammen, dass man in
Österreich - wie kaum in einem anderen Land - die Pension regelrecht
ansteuert. Laut einer Eurobarometer-Studie sind die Menschen in
anderen EU-Ländern eher bereit, länger zu arbeiten als bei uns. In
Österreich hat sich eine Frühpensionskultur eingeschlichen, für die
die Betriebe auf gar keinen Fall die überwiegende oder gar alleinige
Schuld tragen. "Es geht in Österreich nicht nur ums Nicht-Können,
sondern auch ganz klar ums Nicht-Wollen", so Präsident Nemeth.
Rückfragehinweis:
Dkfm. Harald Schermann
T+43(5)90907-4510, F+43(5)90907-4515
E Mail: harald.schermann@wkbgld.at
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OTS0034 2012-02-10/09:30