AUA-Ringen um neuen Kurs

Auch Betriebsrat Boden ist gesprächsbereit

10. Februar 2012, 17:17

Die Lufthansa plant eine engere Integration ihrer Töchter Austrian Airlines, Swiss, Germanwings und Brussels Airlines, Experte sieht Verlust der Eigenständigkeit

Wien/Frankfurt - Die deutsche Lufthansa informiert die Arbeitnehmer im Konzern in diesen Tagen über Details eines neuen Sparpakets, mit dem der Vorstand das Ergebnis um 1,5 Mrd. Euro bessern will. Die Töchter sollen enger mit der Zentrale verzahnt werden, etwa bei Einkauf und Controlling. Heute erwarten auch die Arbeitnehmer-Aufsichtsräte der AUA Auskunft, wie es weitergeht. Der nächste Aufsichtsrat zum AUA-Sparkurs findet in Wien-Schwechat am 29. Februar statt. Da will der Vorstand schon erste Verhandlungsergebnisse berichten.

Nach einem Sonderaufsichtsrat am Freitag hieß es, auch der Betriebsrat Boden sei nun zu Gesprächen über den vom Vorstand verlangten neuen Kollektivvertrag bereit. Kommende Woche sollen die Gespräche starten. Der Betriebsrat für das fliegende Personal hat bereits Gespräche für den 14. Februar zugesagt.

AUA-Chef Jaan Albrecht mahnt zur Eile: "Die Lage ist zu ernst, um auf Zeit zu spielen", wird er in einer Aussendung zitiert. Die Freitags-Sitzung kam auf Wunsch des Betriebsrates zustande. Das Management habe dabei noch einmal "die Notwendigkeit zur strukturellen Reform des Unternehmens bekräftigt". Insbesondere geht es um die Harmonisierung der Mittelstreckenflotte, die Erneuerung der Kabine und Gespräche mit Do&Co über das Catering. Das überarbeitete Streckennetz mit Schwerpunkten Osteuropa und Nahost soll am Montag der Öffentlichkeit im Detail vorgestellt werden. Ein Mitarbeiterabbau sei aber ebenso wenig im Paket vorgesehen wie eine Gehaltsreduktion. Der neue Kollektivvertrag sei nun aber integrativer Teil des Lufthansa-Sparpakets, das Anfang der Woche vom Mutterunternehmen vorgestellt wurde.

Mit den Flughafen wird über eine Gebührensenkung verhandelt, mit der Politik über die Ticketsteuer. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Zentrales Ziel ist die Umstellung der Mittelstreckenmaschinen von Boeing auf Airbus ("Umflottung"): Für den Verkauf der elf Boeing 737 werden bereits Verhandlungen geführt, im Gegenzug laufe die Suche nach sieben Flugzeugen des Typs Airbus A319/A320 sowie 4 Langstreckenflugzeugen des Typs Boeing 777 für das Jahr 2013/2014, erinnert die AUA in ihrer Aussendung.

Lufthansa will integrieren

Was Mutter Lufthansa betrifft, so plant sie eine engere Integration ihrer Töchter, neben der AUA, Swiss, Germanwings und Brussels Airlines. Die Flugpläne könnten enger aufeinander abgestimmt, zudem Technik, Verwaltung und IT-Systeme zentralisiert werden. "Man wird voraussichtlich weniger Wert auf die Eigenständigkeit der Gesellschaften legen als bisher", meinte der Analyst der Frankfurter Metzler-Bank, Jürgen Pieper. In der Vergangenheit habe die Lufthansa der AUA und der mittlerweile verkauften British Midlands (bmi) eine zu lange Leine gelassen. Profitabel war hingegen die Swiss unterwegs.

Die AUA muss nicht nur beim Personalaufwand wieder sparen, auch von Zulieferern, Flughafen und Behörden (z. B. Austro Control, Finanz) werden Gebührenzugeständnisse gewünscht. Zur Kollektivvertragsreform ist ein massiver Streit mit der Gewerkschaft entbrannt. Trotzdem gibt es mittlerweile wieder Verhandlungstermine. Laut der Zeitung "Österreich" trifft man sich am 14. Februar.

Sparen auch beim Management

Die Lufthansa nimmt bei ihrem neuen Sparprogramm "Score" vor allem die internen Abläufe ins Visier. "Wir müssen sämtliche Prozesse und Strukturen kritisch hinterfragen und auch unpopuläre Maßnahmen treffen", schreibt Lufthansa-Chef Christoph Franz in einem am Freitag veröffentlichten Brief an die Mitarbeiter. Die Veränderungen und Sparmaßnahmen werden auch beim Management nicht haltmachen, kündigte der Vorstandsvorsitzende an.

Er wiederholte das Ziel, das operative Ergebnis nachhaltig um 1,5 Mrd. Euro im Jahr zu verbessern. Nur so könnten die geplanten Investitionen in neue Flugzeuge und Produkte gestemmt werden. Das Programm schließt alle Konzernbereiche und Gesellschaften ein und sieht neben dem Sparen auch Umsatzsteigerungen vor.

Franz sieht das größte Luftfahrtunternehmen Europas unter einem zunehmenden Margendruck auf der bisher noch profitablen Langstrecke. Der harte Wettbewerb in Europa mit den sogenannten Billigfliegern werde sich eher noch steigern, zumal zusätzliche Kosten über den Emissionshandel und Luftverkehrssteuer zu schultern seien.

"Raus aus der Komfortzone"

Auf einer Führungskräfteveranstaltung waren erste Grundzüge des Sparprogramms deutlich geworden. "Wir müssen raus aus der Komfortzone", hatte Franz dort gefordert. Im Mittelpunkt stehe die Verschlankung der administrativen Bereiche. "Denn wir müssen uns zukünftig noch mehr mit dem Kunden und weniger mit uns selbst beschäftigen", forderte Franz.

Die neu installierten Spar-Manager Josef Bogdanski und Jörg Beißel kündigten an, dass zunächst die Nachbarschaftsverkehre zwischen den verschiedenen Konzerngesellschaften optimiert würden. Sparpotenzial gebe es zudem im gemeinsamen Einkauf und bei den Verwaltungskosten. (APA)

Kommentar posten
21 Postings
MAXIMA
04
12.2.2012, 12:13
... Sparkurs, der wievielte?

... von Strukturänderungen ist man so weit entfernt wie von Gewinnen. Die AUA-Hierarchie ist trotz aller Sparkurse über Jahrzehnte unverändert und einbetoniert. Solange diese Ebenen nicht aufgelöst werden, solange Baumgartner, Fitz & Co als unverzichtbar gesehen werden, wird auch Albrecht scheitern

mit Schirm, Charme und Melone
00
10.2.2012, 20:48
Nachbarschaftsverkehr

Ich bin ueberrascht zu lesen, dass die Lufthansa jetzt eigene Spar-Manager installiert - soviel zum schlanker machen der Organisation im Rahmen des Sparprogramms. Das Thema Nachbarschaftsverkehr optimieren wurde doch schon seit Jahren bearbeitet - und ueberraschender Weise vom damaligen Lufthansa Deutschland Chef, ja sie raten richtig, Herrn Bogdanski. Die Lufthansa macht schon viel richtig und verdient Geld, aber wie man sieht kochen auch sie nur mit Wasser.

Allmächtiger Satan
213
10.2.2012, 15:37

Für die Lufthansa zum Mitschreiben:

Es liegt nicht an den Vierstreiflern, die von A nach B fliegen, nicht an den roten Hansel, die Sie am Schalter fragen, ob Sie am Gang oder am Fenster hocken wollen und schon gar nicht an den Nussiniverteilerinnen in der Kabine.

Es ist das Management der AUA, denn dieses entscheidet falsch von welchem A zu welchem B geflogen wird, in welcher Kraxen der Passagier am Gang oder am Fenster sitzt und wer das Nussini bekommt. Das Management der AUA ist lernresistent und solange die komplette Verwaltung der AUA nicht brandgerodet wird, kann sich in dieser Firma nichts ändern.

Und jetzt, liebe Lufthansa, bitte auswendig lernen.

Iwan Diwan Zahriman
14
11.2.2012, 17:50
bitte

selber eine fluglinie gründen und zeigen wie es wirklich geht. auf leute wie sie wartet die ganze welt.

der.cityhopper
21
10.2.2012, 16:35
FÜR LH ZUM MITSCHREIBEN

@allmächtiger Satan (der name sagt schon alles...)

Da haben die aua und die lh ja richtig glück gehabt sie zu haben...

allwissend... wie konnte die lh nur ohne ihre geschätzte meinung zu ihrer grösse und wirtschaftlichem erfolg kommen... *rätsel über rätsel*

franz ugs
28
10.2.2012, 18:28
@der.cityhopper

Bevor Sie über andere herziehen und sich lustig machen, frage ich Sie, wann Sie das letzte mal mit der AUA geflogen sind?
Ich erst vor einigen Tagen in der Business: Der unglückliche Sitzekauf unter Direktor Ötsch, das Farbdesign: Ein reines Fiasko. Wenn Sie liegen, rutschen Sie schlafend nach unten. Das "Bett" ist hart und sauschmal, der heutige Standard ist ein anderer.
Wer sich da noch wundert, dass Vielflieger auf Alternativen ausweichen, ist relitätsfremd.
Und da frage ich mich schon, warum das Personal solche Fehlentscheidungen mit seinem Gehalt bezahlen soll? Wissen Sie überhaupt, was eine Flugbegleiterin verdient? Wie hoch die Rückzahlungsverpflichtung eines jungen Copiloten ist? Und dass die LH-Piloten um 40% mehr verdienen?

airbus348
02
11.2.2012, 19:38
JAAAA!!

40 % mehr Gehalt für die AUA Piloten. Wenn man schon an die LH anpasst, dann Richtig!

Zapatista
00
14.2.2012, 15:25

Das schlimme ist, dass es immer noch Leute gibt, die glauben, dass die Pilotengehälter(!) die AUA oder irgendeine Airline ruinieren... Der so oft angesprochene internationale Vergleich hinkt aber sowas von - danke, dass Sie das ansprechen. Mit dem Anspruch einer AUA müssten die Gehälter vorallem der jungen Piloten angehoben und nicht gesenkt werden!

Allmächtiger Satan
01
10.2.2012, 17:52

Wenn Sie zufällig für die AUA arbeiten sollten und sich angesprochen fühlen, wundert mich Ihre Frage wirklich nicht.

franz ugs
01
10.2.2012, 19:36
Das ist keine Antwort auf meine Fragen!

Oder sind Sie ohnehin nur ein virtueller Passagier, der einfach nur gerne meckert...

Und zu Ihrer Annahme: Ich habe Freunde (Piloten), aber auch in der erweiterten Familie jemanden, die in der AUA arbeiten. So komme ich auch an genauere Informationen. Und mich interessiert die Fliegerei halt sehr - Sie ja offensichtlich auch.

konichiwa
 
31
10.2.2012, 14:22

Man hätte sie in Würde "sterben" lassen sollen.

Seria
11
10.2.2012, 12:35

die Pläne des LH Vorstandes erlauben, wenn implementiert, eine dauerhafte wEITERFÜHRUNG DER tOCHTERGESELLSCHAFTEN, die sicher besser an die Kandarre genommen werden müssen.
Es ist zu hoffen, daß sogar österr gewerkschafter verstehen können, daß AUA jetzt kein Staatsbetrieb mehr ist, in dem Rentabilität nicht zählt

Anaxagoras
02
10.2.2012, 12:06
Wer zahlt schafft bekanntlich an!

Korsar
01
10.2.2012, 09:47
Da wird es bei den nächsten Landerechte Verhandlungen

etwas Erklärungsbedarf geben.Von wegen öst.Fluglinie .

Montgomery McFerryn
20
10.2.2012, 11:16

Man braucht sich nur anschaun wie es der Fly Niki macht und das Konzept kopieren und schon ist es kein Problem mehr mit den Landerechten.

der deresweiss
 
01
10.2.2012, 11:43

was hat das Konzept von Flyniki mit Landerechten zutun? Die rechte sind bilaterale Abkommen und nicht von der Fluglinie abhängig.

Charly Firpo
00
10.2.2012, 14:52

Weil FlyNiki als österr. Fluglinie gilt und nicht als deutsche. Und das hat bei den Flugrechte-Verhandlungen mit z.B. Russland sehr wohl was tun, wenn man den Zeitungsberichten von damals, als die Verhandlungen stattgefunden haben glauben darf.

EINSZWO
01
10.2.2012, 17:32
Rechte...

... diese werden mittlerweile als bilaterale EU Rechte vergeben (Russland, Indien demnächst). Somit ist es egal ob GER, AUT oder sonst irgend ein EU Land diese beantragt bzw. wo der Carrier seine 'Heimat' hat.

chem
60
10.2.2012, 09:43
Na, hoffentlich wird das Service an Board nicht NOCH schlechter !!

Zapatista
00
14.2.2012, 15:23

Ja, mir gefällt der Heizdeckenverkauf bei Ryan auch viel besser...

Iwan Diwan Zahriman
00
10.2.2012, 11:35
auf jeden fall

soll die aua die cash cow des lieferanten sein.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.