VKI schlägt Alarm

Konsumentenschützer in Finanznöten

10. Februar 2012, 14:51

Mitgliedsbeiträge von Sozialpartnern seit Jahren rückläufig

Wien - Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) feiert am Freitag sein 50-Jahre-Jubiläum. Seit nunmehr fünf Jahrzehnten testen die Verbraucherschützer Produkte von Frankfurtern bis hin zu Kaffeemaschinen und beraten Konsumenten. Das Geld dafür kommt zu einem Gutteil vom Verkauf der Zeitschrift "Konsument", der Eigenfinanzierungsanteil beträgt mittlerweile drei Viertel. Der Rest stammt aus Mitgliedsbeiträgen. Diese wurden aber seit 20 Jahren nicht mehr valorisiert. Die Folge: Der VKI muss seine Kosten reduzieren und kann frei werdende Stellen nicht mehr nachbesetzen. Die Belegschaft schlägt nun Alarm. "Die Einsparungsgrenze ist erreicht." Die Wirtschaftskammer indes droht damit, ihre Mitgliedschaft zu kündigen.

"Wenn man noch weiter den Rotstift ansetzt, ist der Konsumentenschutz in Österreich gefährdet", warnten die VKI-Betriebsrätinnen Ulrike Docekal und Julia Jungwirth. Noch weniger Personal hieße weniger Tests und weniger Beratungen. Sie fordern von den Sozialpartnern als Trägern des VKI "intelligente Konzepte" und eine langfristige finanzielle Absicherung des Vereins, wie das auch im aktuellen Regierungsübereinkommen festgeschrieben sei. Es fänden dazu immer wieder Gespräche statt, zu einem "klaren Bekenntnis, dass Konsumentenschutz eine öffentliche Aufgabe ist, die der VKI erfüllen soll", habe man sich aber noch nicht durchgerungen.

Seit 2001 seien die Mitgliedsbeiträge von Arbeiterkammer (AK), Wirtschaftskammer (WKÖ), Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Landwirtschaftskammer (LWK) real um 42 Prozent geschrumpft, nominell habe das Minus 28 Prozent betragen. "Während die Kosten unaufhörlich steigen, sind die Beiträge der Mitgliedsorganisationen gleich geblieben", warnen auch die VKI-Geschäftsführer Franz Floss und Josef Kubitschek im Jänner-"Konsument". Bisher habe es der VKI aber immer wieder geschafft, das Loch durch neue Aufträge zu schließen, sagte Floss.

Suche nach Einsparungsmöglichkeiten

Der WKÖ, nach der AK mit rund 660.000 Euro Zuschuss die zweitgrößte Beitragszahlerin (250.000 Euro im Jahr), gehen die VKI-internen Anstrengungen aber nicht weit genug. Man schließe nicht aus, mit Ende 2012 die Mitgliedschaft zu kündigen, so WKÖ-Sprecher Rupert Haberson. "Die Zukunftsbewältigung im VKI ist nicht auf der richtigen Schiene." Will heißen: Wenn dem VKI Geld fehlt, solle er entweder nach Einsparungsmöglichkeiten suchen oder sich eine Alternative überlegen. Von der WKÖ jedenfalls "gibt es sicher keinen höheren Beitrag", stellte Haberson klar. Man habe dies dem VKI auch schon kommuniziert.

Im Jahr 2010 hatten sich die Einnahmen des VKI laut Tätigkeitsbericht auf 10,3 Mio. Euro belaufen. Davon kamen 4,4 Mio. Euro von den VKI-eigenen Publikationen, Aufträge an die VKI-Rechtsabteilung spülten etwa 1,5 Mio. Euro in die Kasse.

Demgegenüber standen 2010 Kosten von 10,2 Mio. Euro. Das Problem: "Die Zahl der Mitarbeiter - 80 Vollzeitäquivalente und einige freie Mitarbeiter - bleibt gleich, das Arbeitspensum steigt", nicht zuletzt durch die zahlreichen Klagen, die der VKI im Gefolge der Finanzkrise für geprellte Anleger führt, so Docekal und Jungwirth. Allein gegen den Strukturvertrieb AWD hat der VKI fünf Sammelklagen für 2.500 Verbraucher mit einem Streitwert von 40 Mio. Euro eingebracht. Gleichzeitig erwarte die Öffentlichkeit, dass sich der VKI um all diese Anliegen kümmert. "Wir wollen nicht dafür betteln müssen, dass wir Konsumenten schützen dürfen."

Abos gehen zurück

Daneben hat der VKI noch mit rückläufigen Abo-Zahlen zu kämpfen. Pro Jahr gehen diese laut Geschäftsführung jährlich um 2 Prozent zurück, momentan steht man bei 58.000 Printabonnements und 9.000 zahlenden Onlinenutzern. Als Grund für den Rückgang machen die VKI-Chefs das Internet aus: Im Web würden Inhalte meist gratis erwartet. Dies mit der Hereinnahme Inseraten zu kompensieren, kommt für den VKI nicht infrage, würde dies doch die Unabhängigkeit gefährden. Laut Statuten darf der VKI keine Gelder von einzelnen Firmen annehmen und im "Konsument" keine Anzeigen schalten.

Die vom VKI durchgeführten Tests sind mitunter sehr teuer, sagten Docekal und Jungwirth. Oft würden Produkte in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Konsumentenschutzorganisationen geprüft. "Es ist wichtig, dass der VKI hier mitmacht, denn Kosmetika oder Lebensmittel haben in Österreich oft eine eigene Zusammensetzung, die würden sonst nicht getestet."

Gegen die Einsparungen beim VKI "schreien wir schon seit einiger Zeit auf". Jetzt sei das Maß aber voll. Werden noch weniger Stellen nachbesetzt, könne der VKI seine Leistungen nicht mehr in gewohnter Qualität erbringen. "Bei uns arbeiten großteils Idealisten. Wir würden gerne noch mehr testen, mehr beraten", meinte Docekal. Anlässlich der 50-Jahre-Feier wollen die Betriebsrätinnen nun unter anderem eine Unterschriftenaktion starten. Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise komme dem Konsumentenschutz eine immer wichtigere Aufgabe zu, denn es sei zu befürchten, dass sich in Hinkunft weniger Menschen den Zugang zum Recht selbst leisten können. Der VKI sorge mit seinen Klagen gegen Finanzberater, Banken oder Handyfirmen dafür, dass Verbraucherrechte nicht totes Recht bleiben. Wobei die Verbandsklagen des VKI meist im Auftrag des Konsumentenschutzministeriums durchgeführt werden, das dafür laut Geschäftsführer Franz Floss auch entsprechende Rücklagen bildet, falls die Prozesse verloren werden.

Mehr Geld vom Konsumentenschutzministerium soll es indes nicht geben. In Zeiten, in denen "an allen Ecken und Enden gespart werden muss", sei es bereits schwierig, die derzeitige Basissubvention von 1,6 Mio. Euro im Jahr zu erhalten, sagte Ministeriumssprecher Norbert Schnurrer. Auch die Umwandlung des VKI in eine Stiftung nach dem Vorbild der deutschen Stiftung Warentest stehe nicht zur Debatte, so Schnurrer. Das Ministerium sei darauf bedacht, die momentane Subvention beizubehalten und dem VKI weiterhin Aufträge zu erteilen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 33
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NicoPelikan
00
11.2.2012, 07:23
und wie finanziert sich Stiftumg Warentest in Deutschland ?

koennte man das als Modell nehmen ?

violavioletta
 
00
17.2.2012, 09:37
die stiwa

wird vom staat finanziert

NicoPelikan
00
11.2.2012, 07:21
und wie finanziert sich Stiftumg Warenzes

R., der Hundefreund
01
10.2.2012, 20:04
Ja,ja, die WK - hunderte Millionen für WK-Pensionisten

... verzocken, aber andere schurigeln. Das machen´s gerne die Damen und Herren Kämmerer.

das ist fix
00
10.2.2012, 19:22
Zwangsbeiträge

Der VKI wird also von den AK+WK-Zwangsbeiträgen finanziert.

R., der Hundefreund
01
10.2.2012, 20:03
Und? Sie sind wahrscheinlich der Erste, der bei

... einer abgewiesenen Reklamation zum VKI flennen geht.

good vibration
00
10.2.2012, 17:41
Der VKI solls machen wie die Netzbetreiber: 10 € jährliches Service-pauschale...

... eigentlich umgerechnet auf die Leistung der Netzbetreiber eher 50 € ... da hört man die Leute kaum jammern.
Ich finde den Konsumentenschutz eigentlich systemrelevanter als z.B. die Banken, aber die sitzen - ungerechterweise - auf einem anderen Ast

thatslife
02
10.2.2012, 15:53
der arme vki

"heisst noch weniger tests", welche tests? werden eh nahezu alle von der stiftung warentest übernommen, wobei eigene tests vielleicht sogar billiger kämen als die ergebnisse von dort zu kaufen.
ausserdem bietet die stiftung warentestsowieso weitaus mehr, noch dazu haben die ältere tests gratis, während man beim vki für jeden müll zahlen müsste.

bula sagt
01
10.2.2012, 15:41
wenn ich mich nicht irre,

ist der vki einmal mit nur einem geschäftsführer ausgekommen.

haywood jablome
01
10.2.2012, 15:30
die österreichische farbenlehre...

wozu brauchen die bei 80 hanseln eigentlich 2 geschäftsführer???

Doc Steel
13
10.2.2012, 15:24
ist ja rührig, der vki.

konsumentschutz, aber nicht im stande, auf sich selbst aufzupassen.....

ohne denen nahetreten zu wollen, aber in diesem biotop riechts nach privilegien.

binnenischmarrn
 
71
10.2.2012, 13:53

soviel innenschmarrn ist uns erspart geblieben...
danke:
konsumentinnenschützer
konsumentinneninformation
verbraucherinnenschützerinnen
kosumentinnen
konsumentin
mitgliederinnenbeiträge
mitgliederinnenschaft
konsumentinnenschutz
sozialpartnerinnen
trägerinnen
arbeiterinnenkammer

das hat man nicht vergessen:
d e r wko, d i e zweitgrößte beitragszahlerin...lol,

mitarbeiterinnen
anlegerinnen
verbraucherinnen
onlinenutzerinnen
konsumentinnenschutzorganisationen
idealistinnen
menschinnen
finanzberaterinnen
verbraucherinnenrechte
konsumentinnenschutzministeriums

O5
30
10.2.2012, 13:38

Selbst schuld wenn man seine Einnahmen nicht der Inflation angepasst. Die Stadt Wien hat den richtigen Weg eingeschlagen.

Calimero22
33
10.2.2012, 13:37
teure sesselkleber

der ruf nach öffentlichen geldern und einer regelmäßigen valorisierung in sparpaketzeiten ist schon sehr mutig. das ganze klingt sehr nach beamtenmentalität: wir wollen nix ändern und dafür auch noch mehr geld. vielleicht sollte man sich mal überlegen, ob man in der jetzigen struktur noch zeitgemäß ist.

lustig find ich's auch, über die awd-klage zu jammern und zu verschweigen, daß die eh von foris finanziert wird, die dafür von den konsumenten 30% kassieren, falls die klage gewonnen wird. die übrigen klagen werden ja, wie am ende steht, vom bmask finanziert.

ad idealismus, heft 1/12: 5,5 mio f. 80 vzä. ohne dg-anteil: rd 4000€/vzä/monat: da wär ich auch gern idealist!

savasana
11
10.2.2012, 14:34

weil in Firmen die Angstellten immer alle gleich viel verdienen..

Erwin Wolfram
33
10.2.2012, 12:41
...

niemand interessiert sich fuer die hautfarbenclique die dort arbeitet, sie ist auch unwillig und eigentlich zu faul und zu blind eine aufgabe zu sehen... das ist meine erfahrung...

Franz Weinpolter aka Franz Ehm
34
10.2.2012, 12:06
na sehr sympathisch - die wkö...

...offenbar ist ihnen der konsumentenschutz blunzn.

der kasperlsprecher haberson nimmt sich eh kein blatt vor den mund: "Von der WKÖ jedenfalls gibt es sicher keinen höheren Beitrag".

ein ungustlverein sondergleichen.

r.bf
05
10.2.2012, 11:49
Die Wirtschaftskammer kürzt?

Kein Wunder, ihr Interesse ist auch nicht der Konsument sondern der Produzent!
Eigentlich sollte die Regierung eine offzielle Forschungsstätte einrichten, die den Staatsbüger vor gesundheitsschädlichen, überteuerten oder sonstwie nachteiligen Produkten schützt. Oder die Zeitschrift KONSUMENT beschränkt sich auf Preisvergleiche.

grimsvotn eyjafjallajökull
00
10.2.2012, 17:18

Natürlich ist der WKÖ der Produzent lieber, der kauft ja die eigenen Waren.

r.bf
00
11.2.2012, 14:52
Na geh, die WiKa ist die Interessensvertretung der Wirtschaft!

Für den Konsumentenschutz ist vielleicht das Wirtschaftsministerium zuständig, oder? Weil nach meinem Verständnis das Wirtschaftsministerium kein Lobbyist für die Wirtschaft und Industrie sein sollte (obwohl der derzeitige Eindruck genau das Gegenteil bestätigt) sondern ebenso für den Menschen in der Wirtschaft. Oder gehört der Konsumentenschutz ins Sozialressort? Oder ins landwirtschaftsministerium? Oder das Gesundheitsministerium? Wer weiß? Die AK kümmert sich jedenfalls um Rechtliches.

zeekaa
01
10.2.2012, 11:32
Geschäftsidee...

...machts doch eine Smartphone-App mit Barcodescanner, die gleich das gekürzte Testergebnis eines Produkts auswirft. Würd ich kaufen.

Bilderrahmen
27
10.2.2012, 10:42

Wie wäre es wenn die AK endlich mit ihren unsäglichen Konsumenteninformationen aufhört und die dort freiwerdenden Gelder in die ordentliche Konsumenteninformation à la Konsument überführt?

Ich als Zahler sehe es nicht ein, warum ich dort und da Strukturen bezahlen soll ohne Mehrwert.

Dominik Klinger
24
10.2.2012, 10:42
Das Magazin "der Konsument"...

...ist einfach nicht mehr zeitgemäß gestaltet. Die Testergebnisse werden tlws. in unübersichtlichen Tabellen ausgewertet und der Fließtext schafft es oft nicht, sich auf Tendezen und Besonderheiten des Testergebnisses zu konzentrieren. Ich vermute, dass das auch ein wichtiger Grund für die rückläufigen Verkäufe ist, denn das Konsumentenbewusstsein für gute Ware nimmt ja (trotz dem "bösen" Internet) eher zu als ab.

tom2312
01
10.2.2012, 15:09

Der Konsument ist eine gute Zeitschrift, die mir fehlen würde.

Die Gestaltung ist allerdings wirklich schlimm, und da ich den „Konsument“ nun schon seit über 20 Jahren lese, darf ich auch unterirdisch dazu sagen.

Es bietet sich an, den „Konsument“ mit dem deutschen „Test“ zu vergleichen, teilweise beruhen die Artikel auf gemeinsamen Tests.

„Test“ ist in jeder Hinsicht informativer und lesefreundlicher gestaltet. Das einzige, was ihm der „Konsument“ voraushat, ist die witzige Grasböck-Kolumne.

Ich habe beide Zeitschriften im Abo UND checke auch die Produkttests im Internet. Wenn ich mich für eine entscheiden müsste, wäre das sicher nicht der „Konsument“.

Dorian Gray
00
10.2.2012, 12:52
Ja genau so wie diese Sendungen in RTL,VOX & CO!

Pseudowissenschafliches Gewäsch, gesponsert von Multi Konzernen in maximal 90 sec, den länger kann sich eh keiner mehr auf ein Thema konzentrieren.

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