Afghanischer Präsident fordert Aufklärung nach Luftangriff
Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat
einen NATO-Luftangriff, bei dem mindestens acht Kinder getötet worden
sein sollen, heftig verurteilt. Karzai habe bereits eine Untersuchung
eingeleitet, teilte sein Büro am Donnerstag mit. Der Angriff
ereignete sich den Angaben zufolge am Mittwoch im Dorf Geyawa in der
Provinz Kapisa nordöstlich der Hauptstadt Kabul. Ein NATO-Sprecher
bestätigte den Vorfall. Die Umstände müssten aber noch geklärt
werden, sagte er.
Ein örtlicher Polizeichef sagte, der Luftangriff sei gegen ein
Haus in dem Dorf Geyawa geflogen worden, nachdem Spezialkräfte der
NATO-Truppe ISAF in der Nacht zuvor in dem Dorf einen Einsatz gehabt
hätten. Es seien sieben Kinder zwischen sieben und 15 Jahren und ein
geistig behinderter 20-Jähriger getötet worden. Kommandanten des
französischen Kontingents, das in der Region im Einsatz ist, hätten
angegeben, Taliban-Unterstützer ins Visier genommen zu haben. Es habe
in der Gegend aber keine Taliban gegeben, sagte der Polizeichef.
Zivile Opfer in Afghanistan führten in der Vergangenheit bereits
mehrfach zu schweren Verstimmungen zwischen der NATO und der
Regierung in Kabul. Nach Angaben der Vereinten Nationen war 2011 das
tödlichste Jahr für afghanische Zivilisten in dem seit zehn Jahren
währenden Konflikt. 77 Prozent der insgesamt 3021 zivilen Opfer
gingen demnach auf das Konto der Taliban oder anderer Aufständischer,
14 Prozent wurden von afghanischen oder NATO-Soldaten getötet. Bei
NATO-Luftangriffen starben demnach 187 Zivilisten. (APA)