Er ist 43 und steht einem Kabinett vor, dessen Altersdurchschnitt bei
45 Jahren liegt. Der neue rumänische Premier, der parteilose Diplomat
Mihai Razvan Ungureanu, trägt damit, wie er selbst betont, nicht nur die
Verantwortung für einen politischen Generationenwechsel, sondern will
"eine grundlegende Erneuerung" erwirken.
Einen Jugendrekord hat Ungureanu bereits seit 2004 inne, als er mit 36,
damals als Mitglied der Nationalliberalen Partei (PNL), zum jüngsten
Außenminister Rumäniens ernannt wurde. 2007 musste er jedoch auf dieses
Amt verzichten, weil er den damaligen Premier Calin Popescu-Tariceanu
nicht rechtzeitig über einen Vorfall im Irak informiert hatte - zwei
Rumänen waren der Spionage angeklagt worden, nachdem sie in einem
US-Militärlager gefilmt hatten. Dass er über diesen Spionageskandal
stolperte, werteten Beobachter jedoch als Vorwand, um ihn loszuwerden.
Denn Ungureanu hatte sich eher Staatschef Traian Basescu als seiner
eigenen Partei gegenüber loyal gezeigt.
Er verzichtete daraufhin auf die PNL-Mitgliedschaft, um in Wien seine
diplomatische Tätigkeit wieder aufzunehmen - ab 2007 war er, wie schon
2003 bis 2004, Vize-Koordinator für Rumänien bei der
Südosteuropa-Kooperationsinitiative (SECI). 2001 bis 2003 hatte er
bereits in Wien als Gesandter für den südosteuropäischen Stabilitätspakt
gedient.
Als er 1998 zum Staatssekretär im Außenministerium ernannt wurde, hatte
er sich bereits als Historiker einen Namen gemacht. Ungureanu, der aus
einer jüdischen und intellektuellen Familie stammt, studierte in seiner
Heimatstadt Iasi und hält ein Masterdiplom in Jüdischen Studien von der
Universität Oxford. Als Schüler war er - nach eigenen Angaben nur
aufgrund seiner guten Lernerfolge - Mitglied der kommunistischen
Jugendorganisation und soll Medienberichten zufolge in den Tagen der
Revolution 1989 im Auftrag der Partei jene Studenten beobachtet haben,
die in den Studentenheimen in Iasi antikommunistische Manifeste
verteilten.
Die vergangenen vier Jahre leitete er recht diskret den rumänischen
Außengeheimdienst. Ungureanu ist verheiratet und hat ein Kind. Wie aus
seiner Vermögenserklärung hervorgeht, hat seine Ehefrau Daniela, die als
Angestellte des Klinischen Instituts für Verdauungskrankheiten und
Lebertransplantationen tätig ist, mit der OMV Wien einen Vertrag über
80.000 Euro für eine "medizinische Beratungstätigkeit" abgeschlossen. (DER STANDARD Printausgabe, 10.2.2012)