Kompromiss

Regierung bringt Sparpaket unter Dach und Fach

9. Februar 2012, 19:22

Heute, Freitag, will die rot-schwarze Koalition ihr 27 Milliarden schweres Steuer- und Sparpaket vorlegen - Doch die Beamten leisteten bis zuletzt Widerstand - Auch über Fahnenfragen wurde gestritten

Wien - Die Verhandlungen enden, wie üblich, mit einem Kraftakt: Donnerstag war eine Nachtschicht angesetzt, am Freitag will die Koalition - so der Stand bei Redaktionsschluss am Donnerstagabend - das Spar- und Steuerpaket fertig haben. Für den Nachmittag haben SPÖ und ÖVP ihre Parteigremien einberufen, danach soll der Ministerrat in einer Sondersitzung das Konzept, das in fünf Jahren 27 Milliarden (kumuliert gerechnet) einspielen soll, absegnen.

Bereits getan haben das die Länder - die Einsparungen von 5,2 Milliarden akzeptieren sie aber nur unter Bedingungen. Den größten Widerstand leisteten die Beamten, die für 2,7 Milliarden geradestehen sollen. Zwischen dem Kanzleramt und jenen Salzburger Loipen, auf denen Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer urlaubt, wurde eifrig hin- und hertelefoniert.

Untereinander stritten die Koalitionäre über Fahnenfragen. Den Solidarbeitrag für Besserverdiener etwa will die ÖVP nur befristet akzeptieren. Auf SPÖ-Seite gab es Bedenken, überhaupt am Steuervorteil für das 13. und 14. Monatsgehalt zu rütteln - weil dieser à la longue dann ganz fallen könnte.

Punkto Steuererhöhungen sind außerdem noch eine Abgabe auf Immobiliengewinne sowie eine Einschränkung der Gruppenbesteuerung geplant - die rote Basis hatte sich mehr erwartet. Wolfgang Katzian, Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten, lobt zwar die Immobiliensteuer, fordert aber "weitere Schritte für mehr Gerechtigkeit" - etwa die Finanztransaktionssteuer: "Ich erwarte mir da eine Festlegung."

Kritik gibt es auch in der ÖVP. Das Paket sei insofern eine Mogelpackung, als Strukturreformen zu kurz kämen und neue Einnahmen als "Einsparungen" verkauft würden. Beispiel: Die Höchstbeitragsgrundlage, bis zu der Pensions- und Krankenversicherungsbeiträge zu zahlen sind, soll 2013 um 180 Euro, also doppelt so stark wie üblich, erhöht werden. Derzeit liegt sie bei 4230 Euro.

Verworfen wurde offenbar der Plan, Pensionisten höhere Krankenversicherungsbeiträge abzuknöpfen - dafür sollen die jährlichen Pensionserhöhungen umso magerer ausfallen. Insgesamt will die Regierung bei den Senioren rund sieben Milliarden Euro herausholen. Andere große Brocken sollen auf die ÖBB (1,4 Milliarden), das Gesundheitssystem (1,8 Milliarden) und das Fördersystem (800 Millionen) entfallen.

Was am Freitagabend liegt, soll auch picken, heißt es aus der Koalition. Anders als beim letzten Sparpaket dürfe nicht nachträglich begonnen werden, "Ecken und Kanten abzuschleifen". (Gerald John, Verena Langegger, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)

visio551
32
ÖGB hat nun

....seine Mitglieder "bestens vertreten", oberster Beamtenchef hat wärend des härtesten Sparpaketes geurlaubt und die ÖVP hat ihre Beamten verraten und vergessen. Die Belegschaft wird ihr das bis zur nächsten Wahl nicht vergessen.. Dafür werden sie die Rechnung präsentiert bekommen, denn ein Sparpaket ohne Verwaltungsreform ist halbherzig und nicht zukunftsfähig. Demotivation der Bediensteten ist schon jezt sehr hoch, wie schon lange nicht - aber dir Politiker müssen mit den Beamten leben. Vor allem arbeiten sie, dass das Geld auch im Topf landet wo die Politiker es wieder raus nehmen.

perdolfo
02

Eine "vollherzige' Verwaltungsreform würde aber heißen Beamte einsparen, sei es in Verwaltung oder bei Dienstleistungen.
Wäre daß in ihrem Sinn?

Negue
02
10.2.2012, 12:25
Verwaltungsreform

Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst hat die 599 Empfehlungen des Rechnungshofes geprüft. 300 Vorschläge würden den öffentlichen Bereich betreffen. 94% dieser Vorschläge könnten sofort verhandelt und sinnvoll umgesetzt werden. Das wäre eine Verwaltungsreform die sich "gewaschen" hätte. Dass dadurch nachhaltig auch Personal eingespart würde liegt auf der Hand. Jetzt immer nur Personal zu sparen ohne Strukturanpassungen ist einfach nur "dumm"

van-man
01
10.2.2012, 13:37

Stimmt! Es klingt zwar immer sehr schön, wenn man Beamte einspart, aber keiner denkt daran, die von den Beamten zu erledigenden Arbeiten "auszumisten". Völlig sinnlose Drei- und Vierfachkontrollen von jedem Arbeitsschritt, undurchlässige Hierarchien, die gut ausgebildete Menschen zu Deppen degradieren usw. DA müsste angesetzt werden, dann kann man auch Personal reduzieren!

good night austria
00
alles schön und gut was sie da schreiben...

aber wo wäre die alternative?

wenn ich mir viel vorstellen kann in diesem land, nur eines nach jahrzehnten von zig solcher strukturell völlig inhaltslosen sp-vp-aktionen nicht (mehr):
"dafür werden sie die Rechnung präsentiert bekommen"
leider.
für uns alle.

Wer will das wissen?
02

Würde mich nicht überraschen wenn in ein paar Wochen wieder alles offen ist.

Zuerst bremsen die Beamten und die werden dann mit ein paar Goodies ruhiggestellt die das ganze Beamtenpaket ad absurdum führen. Dann kommen die Länder drauf dass das so nicht geht, dann die Pensionisten...

Wird aber gar nicht so tragisch sein, da einiges ohnehin nach heisser Luft klingt. Echte Strukturreformen: Fehlanzeige. Das einzige was wieder mal tadellos funktioniert ist der Steuererfindungs- und Erhöhungsteil.

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