Kabarett

Kein Mitleid mit den "Juden von heut'"

9. Februar 2012, 19:06
  • Artikelbild
    vergrößern 600x400
    foto: apa/ingo pertramer

    Perfekt aufeinander eingespielt: Thomas Maurer, Florian Scheuba und Robert Palfrader (v. li.).

Erst im Rabenhof, dann auf Österreich-Tournee: "Wir Staatskünstler" mit Thomas Maurer, Florian Scheuba und Robert Palfrader

Der Rahmen ist seit der Premiere im November 2011 tatsächlich gleich geblieben: Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba machen es sich in der Staatskünstler-Villa gemütlich - und sie erfüllen am Tag der offenen Tür brav alle Pflichten: Nest beschmutzen, Bürger beschimpfen, Champagner schlürfen und die Hand, die einen füttert, beißen. Perfekt aufeinander eingespielt, gelingt den drei Hofnarren das Intro mittlerweile hervorragend.

Ungleich staatstragender sind jene Teile von Wir Staatskünstler, die im Fernsehen ausgestrahlt werden. Am Donnerstag stand auf ORF eins um 23.45 Uhr die neunte und zunächst vorletzte Folge auf dem Programm. Wütend stellen Maurer, Scheuba und Palfrader fest, dass sie die Einzigen sind, die kein Geld von der Telekom erhalten haben. Sie ziehen über Alfons Mensdorff-Pouilly her, outen Herbert Scheibner als ehemaligen Notstandshilfe-Empfänger und delektieren sich an den irren Kosten für die Radmuttern des Eurofighters. Aber auch auf jüngste Ereignisse wird eingegangen: Die drei zitieren die Standard-Reportage vom WKR-Ball, und Maurer, ein Burschenschaftler-Käppi am Kopf, rappt zur Musik von Falco: "Wir sind die Juden von heut'." Scheuba und Palfrader agieren, Hitler imitierend, bitterböse im Hintergrund: "Wir haben Mitleid - mit den Juden von heut'."

Im Finale, am 23. Februar im Fernsehen, vermögen sich die Staatskünstler noch einmal zu steigern. Das FPÖ-Bashing ist hochkonzentriert. Als freiheitlicher Thinktank erfinden die Staatskünstler Slogans wie "Sangria statt Scharia", bemerken aber, dass es ohne Mastermind Herbert Kickl nicht geht. Ihm die Aufwartung zu machen misslingt - zum Brüllen komisch. Den definitiven Höhepunkt steuern Claudia Kottal als Laura Rudas und Nicholas Ofczarek bei. Gab er in Folge neun noch einmal den Ersatzmann Dietmar Hoscher, ist er zum krönenden Abschluss wieder der kleine Niko Pelinka: In der Zuspielung verkünden er und Laura als ZiB -Moderatoren stolz, dass Faymann die Themenführerschaft bei sozialer Gerechtigkeit errungen hat. Und was macht ein Büroleiter? Faxen! (trenk / DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012) 

15. 2., 9., 10., 15., 16. und 17. 3., 20.00, im Rabenhof, danach Österreich-Tournee

gimme hope
00
16.2.2012, 12:54
Humorfreie Zone

Den Staatskünstlern muss man zugestehen, dass sie staatstragend und weitgehend humorfrei agieren. Ob dies eine Ausstrahlung ihrer in Worte gefassten Gedanken im ORF rechtfertigt, sei dahingestellt.

ichwillandieburg
00
13.2.2012, 11:32
palfrader bald als "baron" im geldstück?

mehr auf www.facebook.com/ichwillandieburg

Michi- Alex B.
01
10.2.2012, 13:28
Kritik?

So stellt man sich künstlerische Kritik vor: Wer dem empathischen Massen Mainstream brav beipflichtet und schön weiter pauschalisiert wird gefeiert. Von kritischer Reflexion ist nichts weiter entfernt. Was hier betrieben wird, was die Foren wie die Berichte atmen und nur auf zaghaften Widerstand stößt, das ist Propaganda. Allerdings in einer interessanten Form, denn wenn man davon ausgeht, dass in totalitären Systemen diese Art der Meinungsmache durch äußere Gewalt und Drohung aufoktroyiert wird, so äußern sich viele hier wegen ihres puren Glaubens an ihre moralische Überlegenheit, wegen des Gefühls endlich handeln zu müssen weil man das System durchschaut habe und die Gegner erkennt. In Wahrheit ist man nicht weiter als Ende der 20er.

rr772
00
10.2.2012, 17:55
Du hast recht!

Die realen Auftritte der FPÖ bedürfen eigentlich keiner weiteren Aufarbeitung, sie sprechen für sich...

Generell müssten Kabarettisten in Österreich arbeitslos sein, einfach die Realität geniessen.

sawi48
00
10.2.2012, 12:12
Den Falco-Rap

hab ich mir schon 3 x angeschaut :-))))))

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.