Demokratiereform

Schluss mit dem Länder-Bashing!

Kommentar der anderen | Peter Bußjäger, 9. Februar 2012, 18:46
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    foto: standard/newald

    Vorrevolutionäre Episode aus der Geschichte der Grünen: Maria Vassilakou bei der Stimmabgabe für die Wiener Landtagswahl.

Warum die unlängst an dieser Stelle empfohlene "kleine Revolution" im Kontext der Debatte um Sparpaket und Demokratiereform ("Weg mit den Landtagen") eher kurios als zukunftsweisend ist - Eine Replik auf Volker Plass

Die Diskussion um die Verwaltungsreform in Österreich trägt teilweise kuriose Züge: Während einige Intellektuelle, wie etwa Robert Menasse, schon von der Abschaffung des Nationalstaates träumen, überschlagen sich auf politischer Ebene die Ideen zur Abschaffung aller möglichen Institutionen im Föderalismus, vom Bundesrat angefangen über die Landtage, die Bezirkshauptmannschaften oder die Gemeinden. Den Vogel abgeschossen hat nun allerdings der Grüne Volker Plass in seinem "Kommentar der anderen" vom 7. Februar, wo er die Abschaffung der Landesregierungen und Landtage als Großtat im Dienste der Demokratie hinstellt.

Ein wenig erinnert mich das an die Worte des Wiener Dichters Josef Weinheber: "Wann i, verstehst, wos z' reden hätt, i schoffert olles o. Is eh gnua do."

Der Dichter Weinheber schlug sich dann übrigens auf die Seite der Nazis, die nach dem März 1938 tatsächlich alles abschafften, neben der Menschlichkeit unter anderem auch die Länder und viele Gemeinden. Als kriegswichtiger Poet vom Einsatz an der Front freigestellt, beging Weinheber angesichts der heranrückenden Russen Selbstmord.

Es ist ja nachvollziehbar, dass Plass über die Zustände in den Ländern, wo die Wählerinnen und Wähler in ihrer deutlichen Mehrheit seit Jahren unbeirrt die aus seiner Sicht falschen Parteien wählen, frustriert ist. Aber dass er deshalb die Organe, die sich im Gegensatz zu ihm erfolgreich allgemeinen Wahlen stellen, abschaffen will, ist schon ein starkes Stück. Und dass ausgerechnet ein Grüner regionale Demokratie - und damit demokratische Kontrolle - beseitigen will, ist von einer sogar für österreichische Verhältnisse erstaunlichen Skurrilität. Da wäre es eigentlich nur konsequent, dass Plass seine Kollegen in den Landtagen (und auch Landesregierungen!) auffordert, diese aus seiner Sicht unsinnigen Institutionen zu verlassen und sich an keiner Wahl für solche mehr zu beteiligen.

Eine bessere Idee, als demokratische Institutionen abzuschaffen, was im Übrigen politisch und verfassungsrechtlich völlig unrealistisch ist, wäre aber, aktiv an sinnvollen Reformen mitzuwirken: Vielleicht wäre der Wirtschaft, die Plass angeblich vertreten will, bspw. mit der Verankerung einer Schuldenbremse in der Verfassung doch gut gedient gewesen.

Mit vernünftigen Reformvorschlägen setzt sich Plass jedenfalls nicht auseinander. Er will vielmehr den Nationalrat wie das Europaparlament ohne Regionalwahlkreise (warum eigentlich?) wählen lassen, womit er sich über die Grenze zur Lächerlichkeit begibt. Wenn man die Latte so tief legt, dass es ausreicht, wenn überhaupt irgendwer noch zur Wahl geht und irgendwer schließlich gewählt ist, dann haben die Europawahlen tatsächlich "bestens funktioniert". "Bestens funktioniert" hat es jedenfalls, dass Parteien (unter ihnen die Grünen) kritische Geister auf unwählbare Stellen gereiht haben.

Mit "alles abschaffen" wird man in Österreich sicherlich keine zukunftsfähigen Strukturen schaffen. Wie wäre es stattdessen mit einer dem Subsidiaritätsprinzip entsprechenden Verteilung von Aufgaben und einem Ausbau demokratischer Mitwirkungsrechte der Bürgerinnen und Bürger auf allen Ebenen des Staates? Wie wäre es mit klaren Verschuldungsgrenzen und Reformen bei Verwaltungsapparaten, von A wie Arbeitsinspektorat bis Z wie Zentralanstalt für Meteorologie, wo es unzählige Vorschläge des Rechnungshofes und der Länder für sinnvolle Straffungen und Bereinigungen gibt?

Auch wenn Länder- und Landeshauptleute-Bashing hohe mediale Aufmerksamkeit garantieren mag, Sachpolitik wäre letztlich doch die bessere Alternative. (Peter Bußjäger, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)

Der Autor, Jg. 1963, ist Universitätsdozent für Verwaltungsrecht und Leiter des Instituts für Föderalismus in Innsbruck.

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Rosa Grün
 
00
13.2.2012, 17:08

dass der leiter des instituts für föderalismus nicht gegen die abschaffung dieser staatsorganisation ist, verwundert nicht. er verrät aber nicht, was dafür spricht.
föderalismus ist nicht mehr zeitgemäß und geschichtlich auf den ruinen der monarchie gewachsen. fort mit ihm und der selbstherrlichkeit der landeskaiser, landesamtsdirektoren reichen vollauf! weiters könnte man dieses institut gleich miteinsparen.

Erich Ledersberger
00
12.2.2012, 21:39
Kontrolle durch Landtage?

Ein kurioser Gedanke - ist etwa Landesfinanzrat Switak zurückgetreten oder gar aus seinem Amt entlassen worden? Das entspräche doch einer regional funktionierenden Demokratie!

Ein Politiker, der von einem befreundeten Unternehmer eine Wohnung zu einem Preis mietet, der um mindestens die Hälfte günstiger ist als für "normal Sterbliche". Das wäre überregional ein Skandal - regional scheint es niemanden zu stören.

Christian Peter1
 
00
12.2.2012, 14:09
Kein Länder - Bashing

Es geht bei dieser Diskussion allenfalls um "Politiker - Bashing," mit den Bundesländern hat diese überhaupt nichts zu tun.

Für die Bundesländer würde sich bei Beseitigung der Landesparlamente im Prinzip kaum etwas ändern.

Vitaminbombe
00
12.2.2012, 11:11
als aller erstes

sollte man die Landtagsdirektoren abschaffen!

und dann sieht man weiter ...

Der Waehlerwille
 
02
11.2.2012, 17:18
Und das Argument pro Länder war jetzt ..... ?

Idefix der zweite
 
00
11.2.2012, 16:35

"Vielleicht wäre der Wirtschaft, die Plass angeblich vertreten will, bspw. mit der Verankerung einer Schuldenbremse in der Verfassung doch gut gedient gewesen."

Thema verfehlt, setzen.

Idefix der zweite
 
01
11.2.2012, 16:32
Leiter des Instituts für Föderalismus

Was will man von so einem schon erwarten...

J R
02
10.2.2012, 18:43

Bravo, mit dem Verfasser hat man sozusagen den Bock zum Gärtner gemacht.

karl radek1
02
10.2.2012, 18:40
"Länder-Bashing",

in diesem Diktum jammern alle Opfer.
Warum fordert der Arme jetzt Mitleid ein?
Hat er Angst um seine Pfründe?

Dieses seltsame Institut wird niemand vermissen.
Solche Beiträge auch nicht.

Christian Peter1
 
12
10.2.2012, 18:19
Es existiert kein Föderalismus in Österreich

Föderalismus setzt wirtschaftliche Unabhängigkeit einer Verwaltungseinheit voraus, was etwa in den USA und der Schweiz der Fall ist, aber keineswegs in Österreich.

Außerdem wurden durch den EU - Beitritt Österreichs die ohnehin schon bescheidenen Rechte der Landesparlamente weiter ausgedünnt, sodass deren Weiterführung nicht sinnvoll erscheint.

Selbst Vertreter aus den Bundesländern, wie etwa der steirische Landesrat Gerhard Hirschmann betonten bereits 1997, dass die "Bundesländer in der heutigen Form nicht sinnvoll seien".

Idefix der zweite
 
00
11.2.2012, 16:34

Naja, stellen Sie sich vor, die würden wirklich abgeschafft - Wo soll dann für einen Föderalismusprofessor die Existenzberechtigung sein?

3ch0
00
10.2.2012, 17:55

geh bitte, die vielbeschworene "demokratische Kontrolle durch regionale Demokratie" geht doch nur soweit, dass 'demokratisch' kontrolliert wird ob eh ein jeder seinen fairen Anteil an der Beute (Steuern als Gehalt & zur Vetternwirtschaft & corpus corrupti als persönlichen Bonus) erhält!

Ich vermisste übrigens das Argument der "Bürgernähe" im Artikel...

Kahuna
02
10.2.2012, 17:43
Ein Mann der Verwaltung verteidigt halt die Pfruende

Retep1
00
10.2.2012, 17:39
Argumente

dürftige Argumente.Warum brauchen wir 9 verschiedene Landesgesetzt in den verschiednesten Bereichen?? wir fahren alle nach der gleiche STVO etc. Tierschutz,Fürderungen ,Jugendschutz,Pflege, Krankenkassen etc etc. Die Verwaltung sollnicht dezimiert aber optimiert werden, zum sinnvollen Ganzen. Weg mit Kleinkariertem. Regionalpolitik mit Freiräumen ja. Selbstverständlich.

Christoph Karl Steininger
03
10.2.2012, 17:35
Ist ja klar daß jemand mit dieser Keule hausieren geht!

Man darf vor allem nicht bei Politikern sparen. Oh nein!
Wir haben 9 Landtage. Dort wird über so wichtige Materien wie Hundesteuer abgestimmt. Das ist zu wichtig um ersatzlos gestrichen zu werden!!
Zuzüglich haben wir auch Landesregierungen, Landeshauptleute, Vize-Landeshauptleute, Landesstatthalter.
In den Gemeindestuben sitzen immens wichtige Volksvertreter die alle hoch bezahlt werden. Sitzungsgelder, Zulagen, jede Handreichung wird bezahlt.
Warum nicht ein bissl rationalisieren? Das wär kein Angriff auf die Demokratie.

public observer
 
12
10.2.2012, 16:32
typisch, dass immer die profiteure des nazi-systems

ihren - in der staatspolitischen hierarchie unbedeutenden - kritikern vorwerfen, in deren historischer tradition der NS-diktatur zu stehen.

wenn das wohl für eine berufsgruppe gilt, dann für die im staatsdienst befindlichen juristen. wenn sich herr Bußjäger schon mit der NS-zeit beschäftigt und kritikern an der überregulierten länder- und verwaltungsebene dieses juristischen bürokratiemonsters Österreich nähe zu deren gedankengut unterstellt, dann sollte er doch gefälligst mal überlegen, was das anno 33 eingeführte berufsbeamtentum in dieser deutschsprachigen, katholischen kultur strukturell bewirkte? - lauter in den staatsdienst strebende, antidemokratische juristen, deren nachwuchs heute besitzstände wahrt und die politik blockiert.

Josef Malik
08
10.2.2012, 16:05

Der Artikel könnte mit Ing. Breitfuss gezeichnet sein...

Idefix der zweite
 
00
11.2.2012, 16:37

Leider kann man nicht mehrfach grün vergeben. Danke!

loundy
 
08
10.2.2012, 15:56
was für ein sinnloses gebrabbel...

fängt der mann ernsthaft damit an, die idee von der abschaffung unnötiger verwaltungsebenen, mit sympathie für die nazis gleichzustellen, wuselt sich dann argumentfrei durch irgendwelche nicht zum thema gehörenden unsinnigkeiten von schuldenbremsen um dann wirklich mit "...Sachpolitik wäre letztlich doch die bessere Alternative." zu enden...?

einsparungsvorschlag 600: peter bußjäger feuern.

Archi
03
10.2.2012, 15:52
selten schlechter artikel!

und keinerlei vernüftige argumentation für dass beibehalten der derzeitigen strukturen...

anscheinend reichts beim autor gerade mal dazu, auf einen grünen hinzuhacken, mehr ist wohl nicht drin! und so jemand ist tatsächlich dozent?? kein wunder, das die österreichischen uni bei internationalen rankings so schlecht abschneiden...

desteufelsbeitrag
21
10.2.2012, 15:50

Von de scheiß Kchommunischtennazis losch i mir nit dreiredn. Homsch eh scho mei Schuldnbremsche kchfladat! Sackchradeix!

Stbo
 
00
10.2.2012, 16:15

Bitte, um eine Übersetzung aus dem Tirolerischen.

desteufelsbeitrag
22
10.2.2012, 16:38

Nachdem die verdammten, linkslinken Nazis mit angeblichem Umweltschwerpunkt schon die Lösung für all unsere Probleme, namentlich "Schuldenbremse", verhindert haben, sollen sie es nicht einmal im Traum wagen, eine Strukturreformdebatte vom Zaun zu brechen. Tirol den Tirolern. Unabhängigkeit noch heute.

desteufelsbeitrag
00
10.2.2012, 18:29
lol

Ein derart jenseitiger Kommentar des Herrn Bußjäger, dessen Interessen aufgrund seiner Tätigkeit wohl offensichtlich sein sollten, bedarf keiner weiteren Diskussion.

Ob Tirol unabhängig wird oder nicht, ist mir als Nicht-Tiroler herzlich egal. Angesichts eines Vergleichs von grünen (!) Standpunkten mit Nazimethodik, und des Lobpreisens einer Schuldenbremse in Verfassungsrang, habe ich lediglich meine Lesart der Bußjägerschen Platzverschwendung niedergeschrieben. Also kommen Sie wieder runter und werden sich dessen bewusst, dass auch der von Ihnen zur Schau gestellte Regionalpatriotismus genauso kontraproduktiv ist, wie des Bußjägers Landesfürstenverehrung.

Stbo
 
00
10.2.2012, 17:15
Tirol den Tirolern

Bis auf die Reichen aus dem Ausland, die sich bei euch eingekauft haben. Die dürfen bleiben!
Und ihr gehört genau so zur EU wie der Rest von Österreich, sollten Sie das noch nicht gemerkt haben.
Also so ganz stimmt es wohl nicht mehr.

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