Mehr als Dagegen-Sein

Kommentar9. Februar 2012, 18:37
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Dorners Nachfolger täte gut daran, die Ärzte als konstruktive Partner zu positionieren

Der Seufzer der Erleichterung in der Ärztekammer war am Donnerstag deutlich vernehmbar. Präsident Walter Dorner tritt in der Wiener Landes- sowie in der Bundeskammer in die zweite Reihe zurück und macht damit den Weg frei für einen längst überfälligen Neustart.

Dass im Präsidium der Bundesärztekammer nicht eine einzige Frau sitzt, ist nur ein Beispiel für viele Schieflagen innerhalb der Standesvertretung. Da wird um Privilegien für gut situierte Mediziner gekämpft, während Turnusärzte sich für wenig Geld abstrampeln; die Jungen kommen zu kurz - ein Problem übrigens, das die Ärztekammer mit der Lehrergewerkschaft teilt. Der Interessenausgleich innerhalb der extrem heterogenen Ärzteschaft wird eine der wichtigsten Aufgaben für einen neuen Präsidenten sein.

Im politischen Tagesgeschäft sind die Ärzte vor allem eines: dagegen. Dabei gerieren sie sich gern als Patientenvertreter, zuletzt bei drohenden Einsparungen im Wiener AKH oder bei der Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte. Damit verschaffen sie sich zwar immer wieder Gehör, schließlich will sich kein Politiker vorwerfen lassen, Patienteninteressen zu ignorieren. Oft schießen die Kammerfunktionäre dabei aber übers Ziel hinaus, etwa als sie im AKH Patienten aufforderten, für die Medizinergehälter zu spenden. Wer immer Dorners Nachfolger wird - er täte gut daran, die Ärzte als konstruktive Partner statt als kategorische Neinsager zu positionieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)

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