Neustart in der Ärztekammer

Mehr als Dagegen-Sein

Kommentar | Andrea Heigl, 9. Februar 2012, 18:37

Dorners Nachfolger täte gut daran, die Ärzte als konstruktive Partner zu positionieren

Der Seufzer der Erleichterung in der Ärztekammer war am Donnerstag deutlich vernehmbar. Präsident Walter Dorner tritt in der Wiener Landes- sowie in der Bundeskammer in die zweite Reihe zurück und macht damit den Weg frei für einen längst überfälligen Neustart.

Dass im Präsidium der Bundesärztekammer nicht eine einzige Frau sitzt, ist nur ein Beispiel für viele Schieflagen innerhalb der Standesvertretung. Da wird um Privilegien für gut situierte Mediziner gekämpft, während Turnusärzte sich für wenig Geld abstrampeln; die Jungen kommen zu kurz - ein Problem übrigens, das die Ärztekammer mit der Lehrergewerkschaft teilt. Der Interessenausgleich innerhalb der extrem heterogenen Ärzteschaft wird eine der wichtigsten Aufgaben für einen neuen Präsidenten sein.

Im politischen Tagesgeschäft sind die Ärzte vor allem eines: dagegen. Dabei gerieren sie sich gern als Patientenvertreter, zuletzt bei drohenden Einsparungen im Wiener AKH oder bei der Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte. Damit verschaffen sie sich zwar immer wieder Gehör, schließlich will sich kein Politiker vorwerfen lassen, Patienteninteressen zu ignorieren. Oft schießen die Kammerfunktionäre dabei aber übers Ziel hinaus, etwa als sie im AKH Patienten aufforderten, für die Medizinergehälter zu spenden. Wer immer Dorners Nachfolger wird - er täte gut daran, die Ärzte als konstruktive Partner statt als kategorische Neinsager zu positionieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)

O5
10
10.2.2012, 15:45

Das Problem ist dass die Ärztekammer mit ihrem Radikalkurs bisher sehr gut gefahren ist - Einsparungen gibts keine, und die lästige Kontrollmöglichkeit Elga ebenfalls nicht.

Solange sich die Allgemeinheit von der Ärztelobby erpressen lässt wird diese von ihrem Radikalkurs nicht abrücken - denn dieser "funktioniert" ja bestens, er schlägt das Maximum für die Ärzte raus.

OL-Doc
01
10.3.2012, 21:54
Wer lässt sich da von wem erpressen?

Ausgebrannte OberärztInnen, die wegen personalkürzungen Dauerdienste machen müssen, TurnusärztInnen, denen nicht einmal die Überstunden ausbezahlt werde, 50-60 Wochenstunden arbeitende Allgemeinmediziner, die sich sagen lassen müssen, sie seien nicht erreichbar und die um 30,- € eine Visite machen. KeinSzenario aus einem rückständigen Nicht-EU-Land sondern bei uns in der Halawachei gang und gäbe. Die Kammerführung mag rethorisch radikal sein. Die ÄrztInnen selbst sind es sicher viel zu wenig.

rosebud2
11
10.2.2012, 08:29
elga finde ich sehr sinnvoll

....und die werbung mit der nackten aelteren frau fand ich ausserst geschmacklos.

Herzerzog Johann
01
10.2.2012, 08:29
Konstruktive Partner?

Das wird nicht stattfinden. Von den Ärztekammerfunktionären könnte selbst der Herr Neugebauer noch was lernen.

aflen
00
Der Konjunktiv ist angebracht ...

"Wer immer Dorners Nachfolger wird - er täte gut daran, die Ärzte als konstruktive Partner statt als kategorische Neinsager zu positionieren. "

Dann dürfte aber nicht J. Steinhart zum Nachfolger gewählt werden ...

blablabla blablabla
00
J. Steinhart immer noch besser,

als der Reisner. Gegen ELGA ist er auch.

Den Dorner hat der Reisner unterstellt er ist Pro-ELGA. Darauf wollte Reisner seinen Wahlkampf aufbauen. Das fällt jetzt weg.

Also kann sich Reisner eine Kanditatur in Wien ersparen. :)

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