Arbeiten bis jenseits der 70

Hackeln ohne Horror

Kommentar | Josef Kirchengast, 9. Februar 2012, 18:35

Es geht um mehr als die finanztechnische Beherrschung des Problems: um ein neues Konzept der Lebensarbeitszeit

Arbeiten bis jenseits der 70: eine Horrorvorstellung nicht nur für jene, die die Tage bis zu ihrer Pensionierung schon ab 50 zählen (und das sind nicht wenige). Der konservative schwedische Premier Fredrik Reinfeldt und die EU-Kommission denken laut über etwas nach, das jedem, dem die Zukunft des Wohlfahrtsstaates nicht egal ist, ein fundamentales Anliegen sein muss.

Dass das derzeitige Pensionssystem bei steigender Lebenserwartung und damit immer längerer Lebenszeit im bezahlten Ruhestand nicht mehr finanzierbar ist, weiß jeder, der addieren und multiplizieren kann (viele Politiker aber offensichtlich nicht, oder sie geben sich aus wahltaktischen Gründen noch ahnungsloser, als sie sind).

Aber es geht um weit mehr als die finanztechnische Beherrschung des Problems: um ein neues Konzept der Lebensarbeitszeit, neue Verteilung und Gewichtung der Arbeit unter Nutzung der jeweiligen Stärken der jüngeren und der älteren Generationen (Dynamik, Belastbarkeit, Erfahrung etc. etc.), eine Balance zwischen reiner Erwerbsarbeit und sinnerfüllter Betätigung. Denn dass man einem Fließbandarbeiter oder einer Kassiererin nicht zumuten kann, diese Tätigkeit bis über 70 auszuüben, ist klar.

Die Neuregelung der Lebensarbeit ist eine notwendige, gewaltige, aber auch äußerst spannende Aufgabe. Das Kreativpotenzial, das unsere Gesellschaft dafür aufbringt, entscheidet über ihre Überlebensfähigkeit. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)

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Posting 1 bis 25 von 101
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dakakadu
00
13.2.2012, 21:25
in wahrheit stören euch die vielen menschen auf der welt, nicht wahr ?

dakakadu
00
13.2.2012, 21:24
es ist DIE GIER DER BANKEN UND DER UNTERNEHMER

diese leute haben es mit ihrer unendlichen gier bewirkt das

ARBEITEN DIE HÖLLE ist

die sollen auch dafür zahlen

eumouse
20
12.2.2012, 18:42
bei beibehaltung des jetzigen antrittsalters - verkürzt sich die lebensarbeitszeit: das ist gerecht und angemessen!

ich traue diesen diskussionen nicht mehr.

sie tun so, als wäre es heute nicht möglich, bis 70 zu arbeiten: keine sorge, es ist möglich!

so wird das, was eigentlich als positive errungeschaft im sinne der lebensqualität erfunden wurde, zum fluch und vorwand, die gesellschaft armeeartig zu organisieren. es erinnert mich an die sozialabsicherung in der udssr, nur dass es keine pflicht-industrie gibt.

dass das einer abschaffung der pensionen gleichkommt - und einem willkürlichen einheben irgendwelcher beiträge, die dann aber eigentlich steuern sind - braucht man, hoffentlich, niemandem zu erklären.

auch nicht: dass es einem eingeständnis der politik gleichkommt, nichts mehr für die menschen tun zu können bzw. zu wollen.

dakakadu
00
13.2.2012, 21:26
bei beibehlatung der jetzigen ausbeutung verkürzt sich die lebenszeit

Trichogramma
01
10.2.2012, 19:02
Finanzierbar durch Änderung der Beitragsgrundlage!

Der deutsche Kabarettist Volker Pispers hat im Vorjahr in einem seiner Programme erläutert, wieso das Umlagesystem in der Schweiz im Gegensatz zu Deutschland (gilt auch für Österreich) bestens funktioniert: weil dort Beiträge von ALLEN Einkommen bzw. steuerlich relevanten Einkunftsarten ohne Deckelung erhoben werden (ich will das ohne Überprüfung als gegeben annehmen, aber es leuchtet ein) und das System damit gut dotiert wird. Und weil es EIN EINHEITLICHES SYSTEM gibt und nicht diverse abweichende Pensionssysteme (für Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte, Beamte usw.)

Beiddenker
00
10.2.2012, 17:53
Bla, bla, bla - Es geht einzig darum, Leistungen für einbezahlte Pensionsbeiträge zu kürzen und ...

... dafür andere Budgettöpfe (Arbeitslosengeld, Sozial-/Notstandshilfe) abzugreifen, natürlich mit dem Endziel, weniger auszugeben.

Ein "neues Konzept zur Lebensarbeitszeit" können sich vermutlich ein paar Prozent der Bevölkerung "zulegen", der Rest, wird wie eh und je einfach schon mit 60 körperlich nicht mehr fit sein können. Aber um das gehts eh nicht - siehe oben.

1116er
00
10.2.2012, 16:43
dringende bitte um nachhilfe.

der stets präsente pensions'experte' marin hat kürzlich im tv gemeint "eine anhebung des pensionsalters hat keine auswirkungen auf die beschäftigungsquote bei den jüngeren...das sind keine kommunizierenden gefäße..."

näher erklärt hat er das nicht.
mir ist das nicht erklärlich:
der alte bleibt auf seinem arbeitsplatz und der junge hat dennoch eine hackn...
aber vielleicht schafft es einer von euch, licht in dieses dunkel meines verstandes zu bringen.

Beiddenker
00
11.2.2012, 07:22
Ich denke, er meinte es eher umgekehrt ...

... verliert der "Alte" seinen Job, gibt es noch lange keinen Job für den "Jungen".

D. C.
01
10.2.2012, 16:34
Eine Verlängerung der Schulzeit

wäre auch dringend notwendig. Den Jugendlichen weiterhin schon mit 15 eine Karriereentscheidung aufzubürden, noch dazu für die nächsten 55 Jahre, ist sowieso eine Zumutung.

Christoph Karl Steininger
25
10.2.2012, 14:40
Seit 30 Jahren lese ich daß unser Pensionssystem nicht mehr finanzierbar ist.

Und es ist seither nicht wahrer geworden als damals! Natürlich ist unser Pensionssystem finanzierbar denn wir tun es ja!
Die ASVG Pension ist sogar zu mehr als 3 Viertel von den Werktätigken selbst finanziert. Man bräuchte nur die Beiträge ein klein wenig anheben und die Beitragsdeckelung aufheben dann wäre die PVA vollständig selbstfinanziert.
Doch das ist ja nicht gewünscht. Die Parteien wollen die Pensionsversicherung als politische Manövriermasse. Aufgrund der in Österreich vorherrschenden Neiddebatte kann man die Volksteile so schön gegeneinander aufhetzen um damit ideologische Programme durchsetzen zu können.

Penelope11
10
10.2.2012, 14:15

LehrerInnen sind schon mit 60 zu alt für den Job - für die Kinder sind sie wie Urgroßeltern...

Fritz Meyer
12
10.2.2012, 14:14
Ist doch ganz einfach...

alle, die das befürworten, dürfen zunächst einmal selber bis zum 72. Lebensjahr arbeiten - natürlich unter denselben Bedingungen und der gleichen Entlöhnung, wie der Rest der Bevölkerung.

Dann, wenn's damit auch nachweisbar zufrieden sind, kann man's für die Allgemeinheit in Erwägung ziehen.

amused8
06
10.2.2012, 13:59
Es braucht eine andere Art des Wirtschaftens. Wirtschaften im Dienste des Menschen und nicht des Profits.

Sie sind schon direkt nervtötend, diese dauernden Versuche, dem Publikum ein Pensionsantrittsalter jenseits von Gut und Böse schmackhaft zu machen.
Seit 1980 ist in der neoliberalen Phase eine Art Feudalisierung des Kapitalismus eingetreten. Enorm viel Vermögen wurde zu den Wohlhabenden umverteilt. Das Weltvermögen, im Vergleich zur Anzahl der Weltbevölkerung in der Hand weniger, ist zwei- bis dreimal so groß wie das weltweite Sozialprodukt (BIP). Da ist es schwierig geworden, die von den Vermögensbesitzern erwarteten Profite zu erwirtschaften.Hier entsteht enormer Arbeitsdruck, der Wunsch nach Mehrarbeit und die Meinung, dass jene, die nicht am Arbeitsprozess teilnehmen auch kein Recht an Anteilnahme haben.

mein Nick: O´laus!
00
18.2.2012, 14:57
Wirtschaften im Dienste des Menschen und nicht des Profits.

Nun, der Unternehmer wird Ihnen sagen, er ist auch ein Mensch, nur halt einer der es menschlich findet, Profit zu erwirtschaften. Somit ist die Wirtschaft schon im Dienste des Menschen. Des einen halt. Und vielleicht noch des anderen. Aber nicht für alle.

bingoX
01
10.2.2012, 13:47
Kreativität wäre auch anderswo gefragt

Zum Beispiel diskutiert niemand darüber ob bei einem Pensionsnatrittsalter von 72 ein oder zwei Jahre auszeit (auch Sabbatical genannt) bezahlt von der Pensionsversicherungsanstalt im Alter zwischen 45 und 50 gerechtfertigt wären. Oder eine Anhebung des Urlaubsanspruchs auf 7 Wochen ab 60. Oder 35 Stunden woche für alle über 60 jährigen, oder....

geht natürlich nur wenn man ähnlich wie bei der frauenquote bei den betrieben auch eine zwingende altersquote einführt.

Dann kann man VIELLEICHT über eine derartige Anhebung diskutieren.

Minister der Ökomonie
00
10.2.2012, 13:43
Eine interessante Frage.

Vor einigen Jahren (und Aktuell?) gab es ja diesen Hype der Privatpensionen. Jeder der "vorsorgend denkt" schloss eine private Vorsorge ab, um zu den Pensionen, die damals schon als Verarmung dargestellt wurden, etwas dazuzubekommen.

Wenn man nun mit 70 oder 75 in Pension geht, werden diese Einzahlungen dennoch bereits ab 65 ausbezahlt? Oder auch erst zehn Jahre später. Hat die Versicherung zehn Jahre mehr Einzahlungen, aber deutlich weniger Herausgaben?

Inwiefern stehen also Verischerungen (und damit ja anicht selten auch Banken) wiederum als Lobby fest hinter solchen hirnverbratenen Unsinn?

G. B. Corner
00
10.2.2012, 17:48

Wenn Sie eine private Versicherung haben, dann hat diese eine gewisse Laufzeit - das ist komplett unabhängig von gesetzlichen Regelungen. Wenn Ihre Erlebensversicherung laut Vertrag 2025 ausläuft, dann läuft sie 2025 aus. Und nicht 2026. Oder 2027.

Minister der Ökomonie
00
10.2.2012, 13:50

Denn logisch ist dieser Vorschlag nicht. Immerhin wird damit die Arbeitslosigkeit steigen, was ja auch nicht gerade gübstig ist. Statt zehn Jahre Pension gibt es dann eben zehn Jahre Arbeitslosigkeit.
Diese wiederum senkt den Lohn, denn längere Arbeitslosigkeit schlägt sich auf Lohnforderungen. Das bedeutet, die Menschen verdienen immer weniger. Geringere Gehälter = geringere Steuerabgaben (alleine schon, weil man sich nix "leisten" kann).

Wie viel bleibt, ehrlich betrachtet, über? Besser wäre eine Obergrenze. Was weiß ich, nicht mehr als 2.000,- Netto Pension, nicht weniger als 1.000,-. Ich glaube, das tät schon einiges ändern.

Raul First
01
10.2.2012, 13:27

was spricht gegen eine dreitage-woche oder halbzeit als allgemeine anstellungsarbeitszeit (dann könnten auch mehr leute angestellt werden)? bitte um aufklärung. denn mir scheint, der eigentliche horror ist die 5-tage woche. am freitag nach arbeitschluss dran zu denken, dass man übermorgen schon wieder früh ins bett muss um für eine weitere monsterwoche fit zu sein, ist das eigentliche grauen.

Christoph Karl Steininger
01
10.2.2012, 14:44
Das wäre dann die vielgeschmähte Altersteilzeit.

Das ist eine intelligente Lösung die aus ideologischen Gründen nicht durchgeführt wird.

Raul First
00
10.2.2012, 15:08

welche sind diese ideologischen (und praktischen) gründe?

Christoph Karl Steininger
01
10.2.2012, 15:59
Wie wärs mit dem:

Wenn es keine oder nur eine eingeschränkte Möglichkeit einer Altersteilzeit gibt dann zwinge ich die Menschen zuzüglich zu ihren Pensionsbeiträgen noch eine Zusatzpension abzuschließen. Verlieren die Leut dann ihren Job weil sie "unflexibel" oder so sind so müssen sie ein schlecht bezahlten Prekariats-Job annehmen und die Differenz aus ihren Ersparnissen auszugleichen.
So haben gleich 2 Wirtschaftsteilnehmer gewonnen. Die Versicherer und der Prekariatsarbeitgeber der sagt ich brauche nur Teilzeitkräfte. Beispiele fallen mir genug ein. Ich sage nur: Callcenter

Raul First
01
10.2.2012, 17:03

klingt auf grausame weise so vernünftig wie die wirtschaft nun mal ist. danke für die ausführung.

anspieltipp: „jo guten tag hier spricht dolly greisinger vom fessel & knebelinstitut, ich würd sie gern ein paar kurze fragen fragen weil i hab nimmer viel zeit (zu leben). äh, was?... sie müssen ein bisserl lauter redn, i hear eana so schlecht.”

Pyrrhon von Elis
02
10.2.2012, 13:25

Man sollte hier das Kind beim Namen nennen. Wenn von höherem Pensionsantrittsalter die Rede ist, ist nichts anderes gemeint als reale Pensionskürzungen - da aus heutiger Sicht die wenigsten bis 70 erwerbstätig sein können (ob aus gesundheitlichen oder "betriebswirtschaflilchen" Gründen).

Hansi Berghammer
02
10.2.2012, 12:57
Alles Klar

Ich kann mir schon gut vorstellen, daß die Herren und Damen auf ihren Politikerhockern sich gut vorstellen können noch ein paar Jahre länger auf ihren Sesseln sitzen zu bleiben oder noch in einen Aufsichtsrat zu wechseln zwecks Pensionsaufbesserung.

Wie schauts aber mit Bauhacklern aus, die mit 50 körperlich fertig sind oder denen, die ab 50 keinen Job mehr bekommen - von 50 bis 70 Notstandshilfe und dann umsoweniger Pension. Das haben die sich ja gut ausgedacht, die perfekte Sparmaßnahme!

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