Hoffnung im Alzheimer-Kampf

9. Februar 2012, 20:05
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Wirkstoff ließ bei Mäusen die charakteristischen Plaques, die im Hirn für die Störungen sorgen, in kurzer Zeit zum Großteil verschwinden

Washington/Wien - Das Problem ist groß und drängend. Dennoch sorgte die Ankündigung für einiges forschungspolitisches Aufsehen, dass US-Präsident Barack Obama nächste Woche noch einmal extra 50 Millionen Dollar für die Alzheimerforschung in diesem Jahr und 80 Mio. für 2013 lockermachen möchte.

Weltweit leiden knapp 15 Millionen Menschen an der unheilbar fortschreitenden neurodegenerativen Krankheit. Bis 2050 könnten es allein zehn Millionen US-Amerikaner sein, sagen Studien voraus - wenn es nicht zu einem Durchbruch in der Forschung kommt.

Zumindest bei Mäusen scheint nun ein solcher gelungen zu sein, berichtet zumindest ein Forscherteam in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science. Dem Team um den Neurowissenschafter Gary Landreth von der Case Western Reserve University in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) gelang es, die charakteristischen Plaques, die im Hirn für die Störungen sorgen, in kurzer Zeit zu einem Gutteil zum Verschwinden zu bringen.

Die Substanz, die zumindest im Mäusehirn für diese erfreulichen Ergebnisse sorgte, heißt Bexaroten. Besser bekannt ist sie unter dem Markennamen Targretin, das seit einigen Jahren als Krebsmedikament zugelassen ist, unter anderem gegen das sogenannte T-Zell-Lymphom.

Landreth hatte 2008 entdeckt, dass das Eiweiß Apolipoprotein E (ApoE), ein wichtiger Cholesterin-"Transporter", die Entfernung von jenen Plaques im Hirn begünstigt, die aus fehlerhaft gefalteten Beta-Amyloid-Peptiden bestehen und für die Alzheimer-Symptome verantwortlich sind. Bexaroten wiederum sorgt für eine verstärkte Produktion von ApoE, und das scheint sich positiv auf Alzheimer-befallene Mäusehirne auszuwirken.

Binnen 72 Stunden hatten sich die Plaques nach Behandlung mit Bexaroten, das relativ geringe Nebenwirkungen hat, um mehr als 50 Prozent zurückgebildet. Letztlich waren es mehr als 75 Prozent. Landreths "weit hergeholte Idee" sei bisher kaum gefördert worden. Mit dem Ergebnis und Obamas Initiative kann er wohl auf mehr Forschungsgelder und womöglich klinische Studien hoffen. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 10.02.2012)

  • Das Bild zeigt ein Mäusehirn mit rot eingefärbten Alzheimer-Plaques. US-Forscher haben nun mit Bexaroten gute Resultate bei der Behandlung erzielt: Mehr als die Hälfte der Plaques haben sich binnen 72 Stunden zurück gebildet.
    foto: science/aaas

    Das Bild zeigt ein Mäusehirn mit rot eingefärbten Alzheimer-Plaques. US-Forscher haben nun mit Bexaroten gute Resultate bei der Behandlung erzielt: Mehr als die Hälfte der Plaques haben sich binnen 72 Stunden zurück gebildet.

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