Wirkstoff ließ bei Mäusen die charakteristischen Plaques, die im Hirn für die Störungen sorgen, in kurzer Zeit zum Großteil verschwinden
Washington/Wien - Das Problem ist groß und drängend. Dennoch sorgte die
Ankündigung für einiges forschungspolitisches Aufsehen, dass US-Präsident Barack
Obama nächste Woche noch einmal extra 50 Millionen Dollar für die
Alzheimerforschung in diesem Jahr und 80 Mio. für 2013 lockermachen möchte.
Weltweit leiden knapp 15 Millionen Menschen an der unheilbar fortschreitenden
neurodegenerativen Krankheit. Bis 2050 könnten es allein zehn Millionen
US-Amerikaner sein, sagen Studien voraus - wenn es nicht zu einem Durchbruch in
der Forschung kommt.
Zumindest bei Mäusen scheint nun ein solcher gelungen zu sein, berichtet
zumindest ein Forscherteam in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins
Science. Dem Team um den Neurowissenschafter Gary Landreth von der Case
Western Reserve University in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) gelang es, die
charakteristischen Plaques, die im Hirn für die Störungen sorgen, in kurzer Zeit
zu einem Gutteil zum Verschwinden zu bringen.
Die Substanz, die zumindest im Mäusehirn für diese erfreulichen Ergebnisse
sorgte, heißt Bexaroten. Besser bekannt ist sie unter dem Markennamen Targretin,
das seit einigen Jahren als Krebsmedikament zugelassen ist, unter anderem gegen
das sogenannte T-Zell-Lymphom.
Landreth hatte 2008 entdeckt, dass das Eiweiß Apolipoprotein E (ApoE), ein
wichtiger Cholesterin-"Transporter", die Entfernung von jenen Plaques im Hirn
begünstigt, die aus fehlerhaft gefalteten Beta-Amyloid-Peptiden bestehen und für
die Alzheimer-Symptome verantwortlich sind. Bexaroten wiederum sorgt für eine
verstärkte Produktion von ApoE, und das scheint sich positiv auf
Alzheimer-befallene Mäusehirne auszuwirken.
Binnen 72 Stunden hatten sich die Plaques nach Behandlung mit Bexaroten, das
relativ geringe Nebenwirkungen hat, um mehr als 50 Prozent zurückgebildet.
Letztlich waren es mehr als 75 Prozent. Landreths "weit hergeholte Idee" sei
bisher kaum gefördert worden. Mit dem Ergebnis und Obamas Initiative kann er
wohl auf mehr Forschungsgelder und womöglich klinische Studien hoffen.
(tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 10.02.2012)