Österreich

Rohstoff-Reisediplomatie à la Merkel gefordert

9. Februar 2012, 18:09

Der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenländer hat zu einem Nachfrageboom bei Rohstoffen geführt, in Österreich wird von der Politik Unterstützung gefordert

Wien - Eine ähnlich proaktive Politik, wie sie derzeit Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel für die industrielle Rohstoffsicherung ihres Landes betreibt, wünscht sich die österreichische Industriellenvereinigung. "Unsere Politiker sollten nicht nur zur Großen Mauer fahren, sondern auch Kupferminen besuchen", sagte Peter Untersperger, Generaldirektor der Lenzing AG bei Präsentation der Initiative "Rohstoffsicherheit" der Industriellenvereinigung (IV).

Bekanntlich hat die deutsche Kanzlerin bei ihrer Reise nach Kasachstan mit dem autoritären Regime einen politisch umstrittenen Rohstoffsicherungspakt abgeschlossen. Dieser soll künftig die Abhängigkeit der deutschen Industrie von chinesischen Rohstoffen, vor allem seltenen Erden, verringern.

Auch Österreich müsse bei der Nachschub-Absicherung von Rohstoffen für die Industrie (im Wesentlichen Metalle und Industrieminerale) aktiver werden, so Peter Koren, Vize-Generalsekretär der IV. Dazu müsse ein ganzer Maßnahmenmix in Angriff genommen werden, der allerdings nicht nur bei rohstoffreichen Ländern wie Kasachstan oder der Mongolei ansetzt. Auch in der EU gebe es viel zu tun. Die Industrie fordert, dass Genehmigungsverfahren für den Abbau von Rohstoffen sowohl auf europäischer als auch nationaler Ebene vereinfacht und behördliche Genehmigungsverfahren harmonisiert werden. Das Aufsuchen und die Exploration von Lagerstätten gehörten als Forschungsausgabe steuerlich begünstigt. Außerdem wird in dem IV-Papier zur Rohstoffsicherheit eine MÖSt-Befreiung für im Bergbau eingesetzte Treibstoffe gefordert - "analog zur Begünstigung von Agrardiesel". Allerdings steht diese Steuerbegünstigung für Bauern anlässlich des Sparbudgets auf dem Prüfstand.

Eigenversorgung stärken

Die Überlegungen der Industriellen werden dabei stark von der Rolle Chinas beeinflusst, das bekannterweise zur Werkbank der Welt aufgestiegen ist und rund um den Globus Rohstoffe aufkauft. So werden beispielsweise mittlerweile 50 Prozent der globalen Eisenerzproduktion im Reich der Mitte benötigt. Angesichts dieser aggressiven Rohstoffaufkäufe Chinas spricht Untersperger gar von einer Art "Rohstoff-Krieg".

Zunehmend wichtig wird, dass bestehende Bergbau-Kapazitäten in Europa ausgebaut werden und die Konzerne ihre Rohstoffeigenversorgung erhöhen, erklärte RHI-Vorstand Manfred Hödl. Der Feuerfest-Konzern hat deswegen zwei neue Rohstoffquellen für Magnesia in Europa zugekauft; die RHI-Werke in China würden bei den lokalen Zuteilungen nicht benachteiligt.

Auch Recycling und Ressourceneffizienz werden wegen gestiegener Nachfrage und einer möglichen Verknappung wichtiger. Hans Roth, Aufsichtsratsvorsitzender von Saubermacher, plädiert dafür, die stoffliche Verwertung auszubauen - dazu bedürfe es aber viel Forschung.

Insbesondere bei den Abfällen aus Industrie und Gewerbe, die in großen Mengen anfallen, sei simple Verbrennung viel zu schade, erläuterte er - auch wenn dies in einer Anlage geschehe, die Fernwärme in die Haushalte bringe. "Verbrennen ist immer ein Verlust von Rohstoffen." (ruz, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10.2.2012)

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12 Postings
Seria
00
29.2.2012, 18:51

vor so einer Reise sollten erst UVSs durchgeführt werden. Kann ja sein, daß in solchen Ländern die Auflagen nach österr Standards nicht reichen. Dann wäre es natürlich falsch von dort zu importieren.

Anaxagoras
00
10.2.2012, 12:20
WEnn unser Kanzler den Ausdruck "seltene Erden" hört,.....

...vreseht der nur Bahnhof.

Ja bitte
00
20.2.2012, 11:18
Kein Wunder.

Im Gegensatz zu den angeblichen Atomgefahren steht davon auch nicht täglich was in der Kronenzeitung...

José Atento
01
10.2.2012, 09:39
Wer die Rohstoffe hat,

hat in Zukunft auch noch realen Wohlstand.

Das wissen die Kanadier, die Australier, die Russen, die Amerikaner, einige Afrikaner, die Chinesen,...

Ja bitte
00
20.2.2012, 11:42
Eisenerz,...

Lithium, Gold, Silber, Kupfer, Wolfram, Molybdän,...
Ich finde es auch im Sinne der Arbeitsmarktpolitik und der Selbstversorgung sehr schade, dass wir nicht mehr unserer Rohstoffe selber abbauen.
Da wäre ja einiges...
z.b. auch http://www.silbermine.at/index.php... 6sterreich

Leider machen wir keine Sinnvolle Energie und Klimapolitik, deshalb haben wir auch keine CO2 Zertifikate für die schon geplante(und dann abgesagte) Erzpelletieranlage am Erzberg.
http://stmv1.orf.at/stories/480875

Hofer1002
01
10.2.2012, 07:53
Besser

würde mir gefallen wenn wir führend im Recycling und Energie und Rohstoffsparen würden und nicht den Wettlauf mitmachen noch mehr Unwiderbringliche Rohstoffe für unsere Wegwerf und Überflussgesellschaft zu nutzen.

gomaxgo
 
02
10.2.2012, 07:11
wien soll schoen lagsam den dimplomaten beamtenschlaf

aufgeben und z.B. fuer rohstoffe in myanmar sondieren, oder wollt ihr alles den chinesen und indern ueberlassen ? bis vor ein paar jahren war eine der groessten auslaendischen firmen dort eine oesterreichische das war ein ableger der voest. da ist mit sicherheit noch wissen vorhanden um das anzupacken. diese leute da in wien die nur auf die pension warten um dann auszusteigen sollen mal aufstehen und etwas TUN ! den koreanern gehoehren schon riesenlaenderein dort, ebenso chinesen, thailaendern, singaporeanern und malaysischen firmen . die EU leute schlafen wieder mal den schlaf der arroganten im elfenbeinturm.

José Atento
01
10.2.2012, 09:47
Die EU wird weiter Geld drucken

und versuchen denen dann die Rohstoffe mit wertlosem Geld abzukaufen.

Doch die sind auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen, leider. Schon im letzten Jahrzehnt haben sich die meisten Rohstoffe im Preis stark erhöht (siehe z.B. Kupfer), weil die Währungen entwertet werden.

Wir haben doch sehr gute Geologen und Ingenieure.
Aber leider hat diese Regierung das Risikokapital aus dem Land geekelt. Und Exploration in fernen Ländern ist eben ein ziemlich rikantes und kapitalintensives Geschäft.

Von der Suche bis zum rentablen Betrieb einer Mine dauert es nicht selten 10 Jahre. Da benötigt man mutige und fähige Geldgeber!

gomaxgo
 
00
10.2.2012, 12:01
da ham'se recht

unsere laender werden von einer kleinen polit und beamtenclique miserable verwaltet (nicht regiert), die die steuergelder verbrennen und um dies zu kaschieren andauernd neue kredite aufnehmen um die alten zu bedienen. das disaster, das kommen wird !, versuchen diese leute immer weiter hinauszuschieben mit der ueberlegung sollen doch die naechsten generationen die zeche bezahlen, wird boese enden und nicht nur in griechenland.

nestrus
12
Warum fordert die IV eigentlich immer, dass die Politik mehr Rohstoffe oder gar Aufträge organisiert?

Ansonsten wollen sie doch auch ohne irgendwelche Regeln tun und lassen was sie wollen!

Das Kapital ist die wahre Macht
03
Gute Idee!

Schicken wir die österr. Politiker in die Wüsten der Welt.

Erwin Wolfram
00
...

nach dem motto: ich dir bringen gewerkschaft du mir geben kupfer...

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