Kirche bringt Marie in Sicherheit

Ermittlungen wegen Steuer- und Kapitalflucht: Die Vatikanbank in Rom, das Geldinstitut des Papstes, steht erneut unter Geldwäscheverdacht

Hunderte Millionen Euro sollen in den vergangenen zwei Jahren von italienischen Bankkonten stillschweigend nach Deutschland transferiert worden sein. Die Staatsanwaltschaft in Rom hat dabei die Vatikanbank IOR (Istituto per le opere di religione) in Verdacht, Drahtzieher der Operation zu sein. Nachdem die Staats- anwaltschaft gegen Vatikanbank, IOR-Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi und vier Priester wegen Beihilfe zur Geldwäsche ermittelt, seien die Mittel nach Deutschland transferiert worden, berichtet La Repubblica.

Nun sollen neuerlich Ermittlungen wegen Steuer- und Kapitalflucht eingeleitet worden sein. Es handelt sich nicht um die erste Ermittlung dieser Art gegen das Geldinstitut des Papstes. Das IOR war in der Vergangenheit wiederholt wegen undurchsichtiger Geschäfte in den Schlagzeilen. Laut Medienberichten haben die Fahnder italienische Steuerzahler im Verdacht, unter dem Deckmantel des "Instituts für Religiöse Werke" Steuerbetrug und Unterschlagung zu begehen. Vor einem Jahr gab es Berichte über ähnliche Ermittlungen wegen undurchsichtiger Konto-Verbindungen der IOR-Bank zu Bankfilialen in Rom. Nun soll von diesen Banken, unter anderem der Bank-Austria-Mutter UniCredit, Geld abgezogen worden sein. "In Deutschland wird noch nicht ermittelt", versuchte ein Banker den Transfer zu legitimieren.

Laut Repubblica sind die Ermittler seit Jahren auf den Spuren der IOR-Konten. Über ein Konto seien binnen weniger Monate 180 Millionen Euro geflossen. Auch das organisierte Verbrechen sei involviert. Der Vatikan weist jede Schuld von sich. Es handle sich um alte, aufgewärmte Anwürfe.(Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10.2.2012)

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