Voestalpine studiert Installation eines Lichtbogenofens

9. Februar 2012, 17:37
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Schadstoffarme Ergänzungen zum Hochofen in Prüfung - Aber kein Neubau, nur Bestandserneuerung

Wien - Der Stahl- und Verarbeitungskonzern Voestalpine fährt nicht nur einen Auslandsexpansionskurs mit Autoherstellern in den USA und in China - der jüngste Auftrag für Automobilkomponenten hat ein Volumen von 700 Millionen Euro -, sondern rechnet laut Brancheninsidern auch für Österreich einige spannende Investitionsprojekte durch. Konkret geht es laut Standard-Recherchen um Lichtbogenöfen für die Standorte Linz und/oder Donawitz.

Mit wechselstrombetriebenen Elektroöfen kann Schrott und anderes direktreduziertes Material verarbeitet werden. Dieses Verfahren zur Erzeugung hochwertigen Stahls spart Kohlendioxid, weil bei der Schmelze kaum verunreinigend wirkende Verbrennungsgase entstehen wie im mit Koks betriebenen Hochofen. Die Energie wird durch einen zwischen drei Elektroden überspringenden Lichtbogen erzeugt, Schwefel, Phosphor und Kohlenstoff verbrennen dabei. Danach kommen Legierungen hinein.

Der Nachteil dieser Kapazitätsausweitung abseits des klassischen Hochofens: Der dafür notwendige hochwertige Stahlschrott ist nicht in ausreichenden Mengen vorhanden, und die Energiepreise sind hoch. Die Kosten pro Lichtbogenofen samt Halle taxieren Metallurgen auf 80 bis 100 Millionen Euro. Wer den Lichtbogenofen zuerst bekommen könnte, ist offen: die Stahldivision in Linz oder der auf Schienen spezialisierte Teilkonzern Bahnsysteme in Leoben-Donawitz. Rein ökonomisch müsste Donawitz die besseren Karten haben, die Bahn-Division habe derzeit den stabileren Auftragseingang, wie es heißt. Auch sei dort in den nächsten Jahren eine "Zustellung", also eine Art Renovierung des Hochofens zu erwarten.

Bei der Voestalpine winkt man ab. In den nächsten fünf Jahren sei definitiv kein Neubau eines Hochofens oder einer anderen Technologie geplant - weder für Linz noch für Donawitz. Die eine oder andere "Zustellung" sei aber sicher nicht ausgeschlossen, räumt Voestalpine-Sprecher Peter Felsbach auf Nachfrage ein.

Schadstoff-Killer

Stahl-Insider sehen in Sachen Autonomie vom Hochofen offenbar noch einen zweiten Handlungsstrang: die Errichtung eines DRI-Turms in Linz. Direct Reduced Iron (DRI) ist ein mit Reduktionsgas befeuertes Verfahren, bei dem aufgrund des hohen Wasserstoffgehalts beim Schmelzen der Ausstoß von CO2 reduziert wird. Das ersparte den Kauf von Schadstoffemissionszertifikaten gemäß Kiotoprotokoll. Verarbeitet werden dabei stark eisenhaltige Rohqualitäten, die zugekauft werden.

Der Nachteil: Der Erdgaspreis ist hoch, was DRI in Europa unattraktiv macht. Als Standort für einen Reduktionsturm würde sich daher eher eine Region mit Erdgasvorkommen empfehlen. Branchenkenner nennen Venezuela, Mexiko oder den Nahen Osten. Billig ist auch eine DRI-Anlage nicht, sie wird von Anlagenbauern auf "ein paar hundert Millionen Euro" taxiert. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10.2.2012)

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