"Jeanne d'Arc der Anden"

Das Gesicht der chilenischen Rebellion

Erhard Stackl aus München, 9. Februar 2012, 18:16

Camila Vallejo, 2011 Anführerin der chilenischen Bildungsproteste, will ihr Land umkrempeln

Bei der Frage, wie es ihr dabei gehe, mit Che Guevara und Jeanne d'Arc verglichen zu werden, verfinstern sich die Züge der 23-jährigen Geografiestudentin. "Unbehagen" verursache das, sagte Camila Vallejo, 2011 die Anführerin chilenischer Massendemonstrationen für eine Bildungsreform, Mitte dieser Woche vor Journalisten im DGB-Haus in München, wo ihre Tour durch übervolle europäische Uni-Hörsäle und Gewerkschaftszentralen Station machte.

"Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber allen anderen, die für grundlegende Veränderungen in Chile arbeiten." Die Personalisierung der Medien führe zu Oberflächlichkeit. "Deshalb sind wir hier: um zu erklären, worum es geht. Unsere Bewegung war keine spontane Explosion, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses." Nach den vorjährigen Demos gegen das Bildungswesen gehe es nun gegen das gesamte neoliberale System, "das die Ungleichheit in Chile nicht nur aufrechterhält, sondern noch vertieft".

Bewunderung für Morales

Tatsache ist aber, dass Vallejo selbst wegen ihres Charismas für internationale Medien wie den Guardian die "Person des Jahres 2011" war. Vor wenigen Tagen sprach sich in Havanna auch Fidel Castro dafür aus, die chilenische Kommunistin im Kampf um Bildung für alle zu unterstützen.

Vom STANDARD gefragt, welches Modell ihr für Chile vorschwebe, gab sie sich bedeckt: "Solche Prozesse lassen sich nicht von einem Land auf andere übertragen." In El País meinte sie, Kuba sei wohl nicht das beste Modell, und drückte Bewunderung für Boliviens Präsident Evo Morales aus.

In einem von Studenten überrannten Saal der Münchner Uni erklärte sie nun mit zwei Mitstreitern Ursachen und Ziel ihrer "sozialen Bewegung". Obwohl die Militärdiktatur Augusto Pinochets vor mehr als zwanzig Jahren zu Ende ging, sei das damals eingeführte, extrem marktorientierte System, ob in der Bildung, im Gesundheitssystem oder im Wohnbau, noch überall gültig. Um Studieren zu können, müssten sich Jugendliche oder deren Eltern verschulden (ein Studium kostet umgerechnet bis zu 50.000 Euro).

Trotz des "Triumphalismus" der Regierung, die Chile als Vorzeigeland, als "Jaguar des Südens", darstelle, sagten 84 Prozent der Bürger, dass sie vom makroökonomischen Wachstum nichts spürten. Ähnlich hoch war die Zustimmung zur Protestbewegung. Die Popularität des Präsidenten und Multimillionärs Sebastian Piñera sank dagegen auf 23 Prozent.

Die Systemkritiker bekennen, noch wenig erreicht zu haben, weil das Bildungssystem allein nicht zu ändern sei. Deshalb hätten mit den Studenten auch deren Eltern demonstriert, Arbeiter hielten einen zweitägigen Generalstreik ab, und auch Umweltschützer schlossen sich an. Jetzt arbeite man an einem Förderungsprogramm, das eine Steuerreform, ein gerechteres Wahlgesetz und eine neue Verfassung enthalte. "Nach zwanzig Jahren ,Übergang zur Demokratie' wollen wir jetzt echte Demokratie", sagte Vallejo. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)

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Der Rettungsschirmspringer
13
11.2.2012, 01:26

Keine Ahnung, worum es hier geht, aber ich bin auf jeden Fall dafür.

Reinhold Loecker
10
10.2.2012, 18:24
Wo sind die Zeiten ...

... als südamerikanische Revolutionäre lange Bärte und eine Zigarre im Mundwinkel hatten.

Das Ohr
00
11.2.2012, 02:41
Die ist aber hübscher als Fidel, ihr würde ich überall hin folgen.

U-Bahn Steuer
11
13.2.2012, 23:18

wart ma, bis sie sich einen vollbart stehen lässt, dann red ma weiter!

Allesodanix
01
10.2.2012, 17:51
Hola!

Sehr sympathisch ...

Berthold Goergens
 
56
10.2.2012, 16:09
Der Neoliberalismus ist ein Verbrechen an den Völkern - er begann in Chile 1973

Der "Geist Salvator Allendes" lebt und es muss das erste neoliberale Experiment - nach dem Pinochet-Putsch 1973 - bei dem die ganze Daseinsvorsorge dem kapitalistischen Markt ausgeliefert wurde - was die Thatcher, der Reagan, der Blair und der Schröder auf die Führungsstaaten der "westlichen Welt" übertrugen - beendet werden. Das ist eine der Ursachen der Verschärfung der kapitalistischen Krise, die Krise des Finanzkapitals. Wie heisst es so schön und richtig in dem vereinigenden Song:
«El Pueblo unido, jamás será vencido»
„Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden“
Die Geschichte wird uns Recht geben,
es grüßt Euch Berthold Goergens, Frankfurt am Main

Medicus58
03
10.2.2012, 16:56
Das andere 9/11

Am 11.September 2012 jährt sich die Ermordung Allendes zum 38.mal ....
Es bleibt zu hoffen, dass diese Aktivität in Chile erfolgreich wird, denn zu viele sind in diesem wunderbaren Land dem Junktim aus Neoliberalismus und Militärdiktatur zum Opfer gefallen ...

Walter KURTZ
 
22
10.2.2012, 15:00

Jeanne d'Arc? Eine geistig verwirrte, die Stimmen hört? Paßt wohl wie die Faust aufs Aug...

Berthold Goergens
 
22
10.2.2012, 17:24
Der Neoliberalismus ist ein Verbrechen an den Völkern - er begann mit dem Pinochet-Putsch 1973

Ihr werdet Euch wundern - beim 9/11 Anschlag - dachte ich spontan an den Putsch in Chile am 11.09.73 und war eigentümlicher weise froh - als sich eine Ursache dieser Art nicht herausstellte. Was der Bush daraus machte war grauenvoll und geschah im Interesse der USA - Öl- und Rüstungsindustrie und belastet heute noch die "westliche Welt" - siehe Irak und Afganistan, das Chaos des Finanzkapitals hängt mit der exobertianten Verschuldung der USA zusammen.
Mit freundlich-solidarschen Grüßen
Berthold Goergens, Frankfurt am Main

byron sully
01
10.2.2012, 14:56

solche engagierten leute hätte auch europa bitter nötig...

Avicenna
 
111
10.2.2012, 11:59
Camila Vallejo

Im Gegensatz zu uns Grant- und Mieselsüchtigen, die gerne im Kaffeehaus schwadronieren oder allenfalls ein wenig sudern und kritisieren, um dann erschöpft in die Sessel zu sinken, hat diese junge Dame dazu beigetragen Hunderttausende auf die Strasse zu bringen. Bis zu 80% (!) der Bev. Chiles erklärten sich in Umfragen einverstanden mit den Zielen der Jugendbewegung. Unvorstellbar in Österreich! Der Protest gegen das teuerste Bildungssystem der Welt und die immer noch nicht aufgearbeitete Vergangenheit der Diktatur sind notwendig. Obwohl Kommunistin scheint sie einen gemäßigten, intelligenten Kurs des Dialogs zu verfolgen. Dass sie Frau, klug und schön ist, führt natürlich zum Medienhype. Warum nicht? Es sind lohnenswerte Ziele.

SchneeFee
10
14.2.2012, 13:52

"die immer noch nicht aufgearbeitete Vergangenheit der Diktatur"

geht das jetzt schon wieder los?

Avicenna
 
00
17.2.2012, 12:26
Nice try, but sensless

"Indem wir die Geschichte ignorieren, verleumden wir gleichzeitig unsere eigene Zeit. Aber die Menschen haben es nie anders vermocht."
Gustave Flaubert

Berthold Goergens
 
01
17.2.2012, 14:02
Offen auftreten ist eine Lehre aus der Geschichte

Ich habe mein Berufsverbot 1988 meinem offenen Auftreten zu verdanken aber es war - trotz des Verfassungsbruchs - ein Gewinn für meine Entwicklung. Ich konnte noch ein zweites Mal studieren und den Beruf ergreifen, der mir "auf den Leib geschneidert" war, ich kann heute noch daran gewinnen, nicht im materiellen Sinn, sondern in meiner persönlichen Entwicklung, "trotz alle dem".
Berthold Goergens, Frankfurt am Main

Berthold Goergens
 
02
14.2.2012, 14:07
Die Vergangenheit wird wieder lebendig - wenn sie nicht aufgearbeitet ist

Die Geschichte des chilenischen Faschismus ist bis heute lebendig, siehe deren Folgen im Bildungs-, Renten- und Gesundheitssystem. Die totalitäre Vergangenheit darf nie vergessen werden.
Wie wir menschenfeindliche Verhaltensweisen produktiv und verändernd aufarbeiten, das wäre die Frage ?
Berthold Goergens, Frankfurt am Main

Avicenna
 
00
17.2.2012, 12:24

Danke!

Berthold Goergens
 
01
17.2.2012, 13:44
Der Name Avicenna erinnert mich

Dein Tarnname "Avicenna" erinnert mich an einen Philosophen, den ich sehr bewundere, 1982 war ich in seinem Heimatand. Ich kenne seine Gedanken über den von mir verehrten linken Philosophen Ernst Bloch. Ich habe seine Vorlesungen im schönen Tübingen im Jahr 1968 besucht und viel von ihm gelernt.
Viele Grüsse aus Frankfurt am Main
Berthold Goergens

Avicenna
 
01
18.2.2012, 12:07

Auch ich schätze Ernst Bloch, aber weniger weil er "links" ist, sondern weil er klug, prägnant und doch sehr menschlich war. Wenn sie den Vgl. erlauben, liegt mir z.B. auch Albert Camus mehr als Sartre, da mir letzterer zu strikt war. Da ich erheblich jünger bin, blieb es mir leider versagt, ihn und manche andere Größe des Geistes persönlich zu hören.
Interessant für mich, dass es offensichtlich noch andere gibt, die den Namen Avicennas schätzen. Eine Wiederentdeckung oder "Renaissance" erlebte er ja erst wieder durch den "Medicus".
Ein wunderbares Werk ist "Im Haus des Geistes" von Jim Al-Khalil, die arab. Wissenschaften als Fundament unserer Kultur. Hochinteressant! Übrigens: Nick-name, nicht Tarnname :-)

WillyMcBride
05
10.2.2012, 13:29

Richtig,
Ich finde man darf die Tatsache ihrer Schönheit nicht zu sehr hypen, aber ebenso wenig herunterspielen.
Eine schöne, kluge Frau ist nunmal etwas wunderbares, das kann man nicht leugnen.. deswegen kann sie auch so viel bewegen!

Vera Rschung
 
100
10.2.2012, 13:38
schöne + kluge Frau = WUNDER-bares

Dass dein Kommentar sexistisch ist, ist Dir aber schon klar, oder?

WillyMcBride
01
12.2.2012, 13:49
am boden bleiben ?

Nashwin_Fuller
 
12
10.2.2012, 16:59
Richtig!

Es hätte natürlich wundSIEbares heißen müssen.

Medicus58
00
10.2.2012, 16:59
Bist es Du, Andreas (Kohl)?

Nach der Glawischnig schon wieder eine "schöne Marxistin", die auch außerhalb des Verfassungsbogen anzuhimmeln ist?

domanz
05
10.2.2012, 16:02

Ich hab schon Angst vor dem Tag, wo ich wegen höflichem Tür-Aufhaltens wegen sexueller Belästigung angezeigt werde.

Avicenna
 
02
10.2.2012, 15:41

Eine schöne kluge Frau ist wunderbar! Und nein, ich finde seinen Kommentar nicht sexistisch. Mann/Frau kann es auch übertreiben (weiter oben habe ich etwas über mieselsüchtig gepostet...).

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