STANDARD-Interview: Axel Bogocz über die Veröffentlichungspflicht der Politik, Romantik, Lähmung, Digitalpläne und eine Überraschung: Die News-Gruppe meldete der ÖAK über Jahre zu hohe Verkäufe, was er nun abstellt
"Politiker haben tatsächlich eine Veröffentlichungspflicht": Bogocz über das Positive an der Transparenz, verkannte Auswirkungen und spürbare Verunsicherung öffentlicher Werbekunden
STANDARD: Sie sind seit einem knappen halben Jahr an der Spitze der österreichischen Verlagsgruppe News - ein Kulturbruch zu ihren rund 25 Jahren Erfahrung in der deutschen Medienbranche?
Bogocz: Ich komme aus einem vertriebsorientierten Marktsegment in Deutschland, wo rund 70 Prozent der Einnahmen von Magazinverlagen aus Verkaufserlösen stammen. Die Verlagsgruppe News ist viel stärker werbeorientiert, mit grob 70 Prozent der Umsätze aus diesem Bereich. Das ist ein Wechsel der Perspektive.
STANDARD: Womöglich auch ein Wechsel zwischen nationalen Mentalitäten.
Bogocz: Die zu beurteilen reichen fünf Monate nicht. Ich habe auf die Frage, wann ist man angekommen, gescherzt: vielleicht in drei Jahren.
STANDARD: Da läuft ihr heutiger Vertrag wohl schon wieder aus.
Bogocz: Da darf ich Sie beruhigen. Das ist weder für mich noch für die Firma ein Stichtag. Aber eines kann ich vielleicht schon sagen: In Österreich ist es sicher einfacher, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, auf allen Ebenen. Nicht nur in der Werbekundschaft, ich habe sehr viele persönliche Gespräche auch mit Ministern geführt.
STANDARD: Apropos: Gespräche mit Ministern über Werbeschaltungen?
Bogocz: Das war nicht der Gegenstand von Kennenlern-Gesprächen.
STANDARD: Das würden manche andere Verleger aus Österreich vielleicht anders sehen. Deshalb gibt es nun ja auch ein sogenanntes Transparenzgesetz, das öffentliche Stellen und Firmen verpflichtet, ihre Schaltungen ab Herbst offenzulegen.
Bogocz: Für uns hat das eine untergeordnete Bedeutung. Wir partizipieren nicht so sehr an diesem Werbekuchen wie vielleicht einige andere Marktpartner.
STANDARD: Nach unserem Eindruck spielt oder zumindest spielte einmal politiknahe Werbung eine wesentliche Rolle in Ihrer Verlagsgruppe.
Bogocz: Im Vergleich aller Medien ist das sehr überschaubar.
STANDARD: Dann könnte Ihnen das Transparenzgesetz relativ egal sein.
Bogocz: Das Bestreben des Zeitungsverbandes, für Transparenz zu sorgen, ist anzuerkennen. Schließlich geht es darum, was mit Steuergeld passiert. In Deutschland prüft der Bundesrechnungshof genau, wie Werbegelder öffentlicher Institutionen vergeben werden. Ich glaube aber, der Zeitungsverband hier hat sich in den Auswirkungen verschätzt. Ziel dürfte gewesen sein, dass die Politik ihre Werbeausgaben nicht alleine auf einige Boulevardmedien konzentriert. Aus der Perspektive von Entscheidern ist es aber leichter zu rechtfertigen, sie müssten Menschen in der Masse erreichen, und da bieten sich reichweitenstarke Medien an. Zudem beobachten wir gerade eine gewisse Zurückhaltung und Unsicherheit der Entscheider. Sie wissen nicht, wie sie mit dem Gesetz und seinen Auswirkungen umgehen sollen. Werbung ist in diesem Zusammenhang in ein schlechtes Licht geraten. Ich bin völlig gegenteiliger Meinung: Politiker haben tatsächlich eine Veröffentlichungspflicht, was da passiert und was sie eigentlich tun.
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