Verschlusssache Parlament

  •  Expertengruppe Docomomo Austria: "Der geplante Radikalumbau überschreitet die Grenzen der akzeptablen Veränderung bei weitem."
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    foto: stefan olah

    Expertengruppe Docomomo Austria: "Der geplante Radikalumbau überschreitet die Grenzen der akzeptablen Veränderung bei weitem."

Docomomo Austria präsentiert kritische Studie zur Sanierung des Plenarsaals - Parlament will Entwurf noch "optimieren"

Wien - Die geplante Sanierung des Plenarsaals sowie die umfassende Generalsanierung des Parlaments in der Höhe von 300 Millionen Euro stößt bei Fachleuten auf Kritik. Am Donnerstag lud die Expertengruppe Docomomo Austria, offizieller Berater der Unesco für Baudenkmäler der Moderne, zu einer Pressekonferenz. Präsentiert wurde ein Gutachten der Universität für angewandte Kunst, Institut für Konservierung und Restaurierung. Obwohl schon im September 2010 fertiggestellt, hielt das Parlament die Studie bis vor kurzem unter Verschluss.

"Der Plenarsaal zeichnet sich durch Detailgenauigkeit und hohe Verarbeitung aus", zitierte Docomomo-Präsident Norbert Mayr aus der knapp 170-seitigen Studie. "Natürlich sind einige Dinge wie etwa Dach, Lüftung und Elektroinstallationen dringend sanierungsbedürftig, doch der geplante Radikalumbau überschreitet die Grenzen der akzeptablen Veränderung bei weitem." Docomomo plädiert für eine "weitaus denkmalverträglichere Sanierungsvariante".

Auch Wilfried Lipp, Präsident des Österreichischen Nationalkomitees im Internationalen Rat für Denkmalpflege, Icomos Austria, sprach sich für die Publikation der Angewandten aus: "Ich habe selten so eine präzise Studie wie diese gesehen. Es ist dringend nötig, die Ergebnisse in die Planung miteinfließen zu lassen."

Das Linzer Büro Heidl Architekten, das im August 2008 als Sieger aus einem internationalen Wettbewerb hervorging und eine "lyrische, feine" (Juryprotokoll) Sanierung in der Höhe von 17 Millionen Euro vorschlug, wehrt sich gegen diese Aussagen: "In der Haltung von Docomomo und Icomos werden einige wichtige Planungskriterien wie etwa Brandschutz und Barrierefreiheit völlig ignoriert", erklärt Andreas Heidl. "Mit einer einfachen Reparatur des Nationalratssaals sind diese Dinge nicht in den Griff zu kriegen."

Aus dem Parlament heißt es dazu: "Noch ist es zu früh für eine endgültige Entscheidung, wie es weitergehen wird. Aber wir werden den Entwurf mit den Architekten und Generalplanern sicher noch optimieren." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)
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