ÖGB-Präsident zu Sparpaket

"Das ist nur die zweitbeste Lösung"

Interview | 9. Februar 2012, 19:10
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    foto: apa/hochmuth

    Foglar: "Wir wollen keine Massensteuern, weil das die Kaufkraft reduziert und den Konsum schwächt."

ÖGB-Präsident Erich Foglar drängt nach wie vor auf eine Erbschafts- und Schenkungssteuer und warnt vor einer Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters

STANDARD: Fühlen Sie sich von der Regierung über das Sparpaket ausreichend informiert?

Foglar: Die Information könnte besser sein. Aber wir haben Verständnis dafür, dass man nicht in der Öffentlichkeit verhandeln kann. Wir erwarten uns als ÖGB aber dort, wo vor allem Arbeitnehmer betroffen sind, dass wir entsprechend informiert werden und dann vor allem noch die Möglichkeit haben, in Verhandlungen zu treten. Wir gehen davon aus, dass wir kein fertiges Paket vorgesetzt bekommen.

STANDARD: Glauben Sie tatsächlich, dass Sie beim Ergebnis noch mitreden können?

Foglar: Selbstverständlich. Wir gehen davon aus, dass wir noch Verbesserungen anbringen können und Punkte, die unzumutbar sind, abwenden können.

STANDARD: Wie sehr wurde die Gewerkschaft in das Schnüren des Sparpaketes eingebunden?

Foglar: Wir sind partiell eingebunden worden. Auch die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst redet mit.

STANDARD: Die Beamtengewerkschaft ist ja nicht gerade begeistert.

Foglar: Was ich verstehe und nachvollziehen kann. Ich glaube, an ihrer Stelle wäre niemand begeistert. Die öffentlich Bediensteten sind ja nicht nur vom Verdienst her betroffen, sondern auch von der Pensionsregelung.

STANDARD: Haben Sie den Eindruck, dass insgesamt ein Paket herauskommt, das in Ihren Augen fair und gerecht ist?

Foglar: Noch kann man das nicht abschließend bewerten, weil ja noch kein Gesamtpaket am Tisch liegt. Und mit einzelnen partiellen Themen ist eine Gesamtbewertung nicht möglich. Jetzt wäre es Zeit, das Gesamtpaket auf den Tisch zu legen, damit man das bewerten kann.

STANDARD: Offenbar soll die Budgetkonsolidierung zu 30 Prozent über Einnahmen und 70 Prozent über das Sparen erfolgen.

Foglar: Letztendlich geht es um die Maßnahmen. Wir haben uns immer dagegen gewandt, dass man das Budget rein ausgabenseitig konsolidiert. Wir haben als Gewerkschaft immer gesagt, die Einnahmenseite muss einen wesentlichen Beitrag leisten.

STANDARD: Sieben bis acht Milliarden sollen über zusätzliche Steuereinnahmen reinkommen. Reicht das?

Foglar: Unsere Vorstellungen sind hinlänglich bekannt. Wir wollen vermögensbezogene Steuern als deutlichen Beitrag zur Konsolidierung haben. Wir wollen keine Massensteuern, weil das die Kaufkraft direkt reduziert und den Konsum schwächt. Wir sind also strikt gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, zum Beispiel.

STANDARD: Mineralölsteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer?

Foglar: Das sind keine Massensteuern, das sind sogenannte Public Bads. Wir sind gegen Massensteuern. Auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer würde die untersten Einkommensschichten am massivsten treffen. Die müssen 80 Prozent ihres Einkommens für das tägliche Leben aufwenden, während die obersten und reichsten zehn Prozent nur 40 Prozent ihres Einkommens für das Leben aufwenden. Eine Erhöhung der Mineralölsteuer wäre natürlich auch schlimm, wenn ich an die Pendler denke und an die Millionen, die das Auto für die Fahrt zur Arbeit brauchen. Wichtig wären vermögensbezogene Steuern, dass da noch etwas passiert. Bei Erbschafts-, Schenkungssteuer, Gruppensteuer.

STANDARD: Erbschafts- und Schenkungssteuer scheinen definitiv vom Tisch zu sein.

Foglar: Schauen wir einmal. Ich kann das erst bewerten, wenn das Gesamtpaket am Tisch liegt. Wichtig ist auch die Umwidmungssteuer oder die Besteuerung der Verkaufserlöse bei Wertpapieren. Wenn man die Gewinne bei Wertpapieren einer Steuer unterzieht, muss das natürlich auch für den Verkauf von Immobilien oder Grundstücken gelten.

STANDARD: Beschlossen wird offenbar auch eine höhere Besteuerung des 13. und 14. Gehalts bei Spitzenverdienern. Zufrieden?

Foglar: Lieber wäre uns, wenn man bei vermögensbezogenen Steuern etwas macht, weil das genau die Schieflage in unserem System ist. Mit Maßnahmen beim 13. und 14. Gehalt ist man wieder bei den Arbeitnehmern. Auch wenn es in diesem Fall die Gutverdiener betrifft. Das ist nur die zweitbeste Lösung. Wir wollen bei den vermögensbezogenen Steuern was machen und nicht auf der Lohnsteuer-Einkommensseite. Aber wenn es nicht anders geht, kann man denen, die gut verdienen, durchaus einen fairen Beitrag abverlangen.

STANDARD: Findet die Erhöhung des Pensionsalters Ihre Zustimmung?

Foglar: Wir unterstützen alles, was das Anheben des faktischen Pensionsantrittsalters ermöglicht. Das Prinzip Rehabilitation vor Pension ist absolut richtig. Und es braucht ein Bonus-Malus-System. Aber wenn ich nur das Pensionsalter hinaufsetze, habe ich halt in bestimmten Bereichen mehr Arbeitslose. Da verschiebe ich die Leute nur von der Pensions- in die Arbeitslosenversicherung.

STANDARD: Soll auch die Arbeitgeberseite in die Pflicht genommen werden, wenn sie Mitarbeiter vorzeitig in Pension schickt?

Foglar: Wir haben die paradoxe Situation, dass gerade die Arbeitgeberseite das Anheben des Pensionsantrittsalters fordert und gleichzeitig dem Betriebsrat Listen von 55-Jährigen gibt, die man aus dem Unternehmen rausbringen will. Dem gehört ein Riegel vorgeschoben. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)

ERICH FOGLAR (56) ist seit 2008 ÖGB-Chef als Nachfolger von Rudolf Hundstorfer. Der gelernte Werkzeugmacher kommt aus der Metaller-Gewerkschaft.

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S(ie) P(lündern) Ö(sterreich)
 
41
10.2.2012, 13:35
die herren von ögb und ak sind nicht lernfähig!

der überbordende sozialstaat gehört endlich abgespeckt!

klar, "wohlerworbene" rechte sind von interessenvertretungen zu verteidigen - aber: wenn das wasser bis zum halse steht, werden diese herren bei uneinsichtigkeit schon bald von der (schulden)flut weggespült werden!

Stbo
 
00
10.2.2012, 14:41

Meinten Sie wirklich den Sozialstaat, oder den Beamtenstaat (da Sie von "wohlerworbenen Rechten" schreiben, die hs.die Beamten missbrauchen), oder vom überbordenden Verwaltungsaufwand?
Das mit dem Sozialstaat hat Ihnen ja schon Lionel Cosgrove erklärt.

RegR Borromäus Maschitz
00
11.2.2012, 07:19
stichwort TRANSPARENZDATENBANK

warum wehrt sich die spö nach wie vor gegen diese über sozialtransfers klarheit bringende maßnahme???

erklären sie mir DAS einmal!

Lionel Cosgrove
01
10.2.2012, 14:10
blödsinn

von dem "überbordenden Sozialstaat" profitierten auch Sie durch:

Familienbeihilfe
Kinderbetreuungsgeld
Wochengeld
Arbeitslosengeld
Notstandshilfe
Krankengeld
kostenlose Schule
kostenloses Studium
usw.

zuerst das Hirn einschalten und dann posten

the falling man
13
10.2.2012, 12:30
ein reines mogelpaket..

das wieder die wichtigsten punkte (erbschaften, grundbesitz, vermögen) völlig außer acht lässt und dafür wieder bei den leistungseinkommen (und später sicher auch massensteuern) ansetzt. die sogenannten "einsparungen" werden lange nicht das bringen was budgetiert ist.

Chien de Pique
01
10.2.2012, 23:03

In welcher Welt ist die Erbschaftssteuer einer der wichtigsten Punkte?

Chris Quast
02
10.2.2012, 14:46

ist falling man auf kopf gefallen ?
diese lächerliche doppel/dreifachbesteuerung (erbschaftssteuer) brachte doch eh weniger als alle maßnahmen die jetzt bei den bessergestellten erwogen wurde. (zB solidarabgebe, zB abschaffung der spek.frist bei immobilien, zB umwidmungsabgabe (obwohl die eher die bauern trift, aber da da manche wirklich hohe gewinne erzielen, ist es vertretbar), auch eine mögliche fts bringt mehr als diese kindische erbschaftssteuer.

alles ein blöder fetisch nicht mehr.

Stbo
 
00
10.2.2012, 14:45

Von Verwaltungsvereinfachung wieder keine Rede. Aber das Dumme ist ja, dass wir dieses Sparpaket rasch unter Dach und Fach bringen müssen, um von diesen unseligen Rate-Agenturen Ruhe zu haben.
Das Umkrempeln dieses riesigen Bürokratie-Wahnsinns wird für uns noch eine harte Nuss sein.
Fay und Spindi packen das bestimmt nicht, vom HC ganz zu schweigen (auch die Eva G. nicht)

Ohr O Pax
31
10.2.2012, 12:27
Die Zeiten der Gewerkschaften gehen

dem Ende zu. Und sie sind selbst schuld!!

Gobi Todic
01
10.2.2012, 12:37

Ich hab den Metallerstreik im Herbst recht erfrischend gefunden - die Auswirkungen der Lohnerhöhung merke ich seit Dezember am Konto.

Ohne Gewerkschaft wären die Gewinne zu 100% in Stiftungen oder auf Managerkonten gelandet.

Stbo
 
10
10.2.2012, 14:47
Oder die Firma wandert ins Ausland, dann Job ade.

Gobi Todic
00
11.2.2012, 14:03

das höre ich schon seit 20 jahren.

Kubaner
00
10.2.2012, 11:27
ergo

Unterm Strich hat die Politik in den letzten 20 Jahren vieles falsch gemacht!
Wo ist die Verantwortung?

Mr. Creosote
 
12
10.2.2012, 10:56
"die reichsten zehn Prozent nur 40 Prozent ihres Einkommens für das Leben aufwenden."

Na servas, was ißt so ein Bezieher von 100T Euro, dass er 40T Euro zur Abdeckung seiner Lebenshaltungskosten benötigt?

Ich würde den Solidarbeitrag übrigens schon ab 75T Euro einführen. Hierbei handelt es sich in Schilling gerechnet nämlich bereits um Einkommensmillionäre. Die aktuelle Mehr-Besteuerungsgrenze nährt den Verdacht, dass die Gewerkschaftsbosse gerade noch ausgenommen bleiben.

Chris Quast
00
10.2.2012, 14:53

es handelt sich hierbei in schilling inflationsbereinigt um 800k oder weniger.
es handelt sich also um das gros der akademiker, höheren angestellten, beamte, freiberufler, etc.
alles in allem 235000 menschen.

Takeshi Kovacs
00
10.2.2012, 14:00
allerdings gibts den schilling

nicht mehr..

chebyshev
00
10.2.2012, 10:50
Abgeltungssteuer von 25% gerecht?

Wenn man jetzt die Lücke bei Immobilien schließt, dann geht das sicherlich in die richtige Richtung von Vermögensbesteuerung, nämlich im Sinne einer Besteuerung von tatsächlichen Veräußerungsgewinnen. Bin aber noch gespannt, wie die Ausnahmen sind (sonst bäuchte es keine Umwidmungssteuer, die nur bei Realisierungen greift). Zu diskutieren wäre jedoch wohl auch die Höhe des pauschalen Abgeltungssteuersatzes von 25%, gerecht???

Bergdolm
01
10.2.2012, 08:45
Aus der Krise noch immer nichts gelernt

.
ÖGB-Präsident Foglar weiß schon, dass das "Sparpaket" in die falsche Richtung geht, weil die Reichen und Superreichen, deren Vermögen auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung immer weiter anschwillt, weiterhin unversteuert bleiben.

Höhere Steuern für Einkommen ab 10.000/Monat gehören mehr, und "Supereinkommen" a la Treichl (einige Millionen Jahresgehalt) bis zu 90% besteuert.

Anhebung des "realen" Pensionsalters - wenn es allgemein zu wenige Jobs für Junge und Alte gibt - ist eine weitere Umverteilung Richtung "Kapital". Da wird gar nichts gespart. Das ist "linke Tasche - rechte Tasche", weil die Arbeitslosigkeit signifikant steigen wird.

Aber für den Polit-Clown Faymann gilt nur eines: "Kanzler bleiben".
Aber das sollte Foglar wissen.

MALDONADO
11
10.2.2012, 07:49
Geht die Sprache den Bach hinunter, ist die Kultur auch beim Teufel.

Was hat das sogenannte "Sparpaket" mit sparen zu tun. Da wird etwas eingespart und nicht gespart. Leute, die vorgeben, das Volk vertreten zu können, sollten vor Amtsantritt einen Sprachkurs absolvieren müssen, am besten in den Verfassungsrang.

Sollte es aber Absicht sein, uns mit dem positiv besetztem "Sparen" mit Methoden der Waschmittelwerbung unsere Denkkategorien zu manipulieren, dann fehlt mir der Aufschrei aller jener, die den PISA-Test bestanden haben.

Eigentlich würde ich mir von der vierten Staatsmacht, den Medien erwarten, dass sie sich Sprachpolizisten halten, die den Spindoktoren und ihren Auftraggebern kräftig auf die Finger klopfen.

GivePeaceAChance
01
10.2.2012, 03:13
zu den Vermögenssteuern

ich habe den Verdacht, die wurden dadurch unpopulär gemacht, daß die Grenze bei 500.000 in die Diskussion gestreut wurde. Wenn ich jetzt lese, daß 13./14. erst ab 180.000 Euro Jahresverdienst stärker besteuert werden sollen, dann ist das ein extremes Mißverhältnis dieser beiden Größen. Beide Steuern sind akzeptabel, aber Vermögen erst über 1 Mio. und 13./14. über 100.000 (= ca. 7000 Brutto * 14). Und wenn schon Steuern: JEDER ("arbeitslos erwirtschaftete") Kapitalertrag gehört mit 33 Prozent besteuert...
Trotz alledem werden die ganzen Sparpakete nichts nützen... Das "Spielgeld" gehört aus dem System genommen...

somussesnichtsein
32
das problem ist unser wahlsystem

jeder ahnungslose vollid.......t darf wählen!

und jedes unmoralische arsc....och hat beste chancen als politiker karriere zu machen!

Lucien de Rubempre
01
10.2.2012, 05:38
wenn man genau hinsieht

hat man eigentlich manchmal das gefühl, das anscheinend nur bauern, beamte und pensionisten wählen gehen..

stop-making-sense
01
10.2.2012, 12:11
Sie haben die ÖBB´ler vergessen.

Gemeinsam mit den von Ihnen genannten Gruppen bilden Sie das Rückgrat für den Machterhalt von Rot und Schwarz.
Gegen diese Gruppen gibt es keine Entscheidungen die dort auch spürbar sind.
Vorher geht der Staat unter. Oder es gibt eine kleine Revolution.

GivePeaceAChance
04
10.2.2012, 03:16
aber

hat das für Dich nicht den Vorteil, daß AUCH DIR beide Möglichkeiten offen stehen ?

somussesnichtsein
29
dieses paket herr folgar

belastet in erster linie asvg-arbeitnehmer und pensionisten.

wenn auch die gewerkschaft kampflos umfällt, so wie die spö werden viele keine veranlassung mehr sehen gewerkschaftsbeiträge zu bezahlen.

man wird beobachten wie die gewerkschafter unter den nationalräten abstimmen.

danach wird man handeln!

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