Samstag: Weekender Club in Innsbruck, Plattenpräsentation von Colette & Rose in Wien
Gesunde Ernährung, Rauchverbote und nun auch noch das: Im Innsbrucker
Weekender Club wird das Publikum um die Lautstärke gebracht. Silent
Disco nennt sich die bereits seit langem in London gepflogene Praxis,
die statt Boxen auf Funkkopfhörer setzt, um angesichts des durchwegs
bescheuerten Anblicks das Publikum zu belustigen und Anrainer zu
besänftigen. Hierzulande seit den frühen Nullerjahren eine gängige
Praxis, um im Kunstzusammenhang die Beschallung des öffentlichen Raums
behördlich erst zu ermöglichen (Oliver Hangls Gehsteigdisco), ist die
Sause ausschließlich als der technischen Möglichkeit geschuldete
Bespaßungsaktion zu verstehen. Nicht mal der Nachbarn wegen müssen die
Boxen verstummen. Das lässt an ein Vollbad im Neoprenanzug,
Schattenboxen und Elektrozigaretten denken. Schließlich ist die
physische Erfahrbarkeit von Sound eine Grundkomponente dessen, was Club
Culture ausmacht: Ja, Musik kann dort kitzeln, wo man sich gut waschen
soll ... Und das funktioniert nun mal nicht mittels Kopfhörer.
Um den
Sound of Silence geht es am Samstag vermehrt auch in der Roten Bar des
Volkstheaters - jedoch ohne die Möglichkeit zum Ausdruckstanz. Colette &
Rose laden zur Plattenpräsentation. Mélodie démolie hält inhaltlich, was
der Titel verspricht. Basierend auf fragilen Chansons, birgt der
Longplayer mit Klang-Collagen und elektronischen Einsprengseln eine
destruktive Ader, lieblich naht die Apokalypse. Die Gesangsparts muss
man zwar mögen, doch baut sich hier ein eigenwilliges Spannungsfeld auf.
Davor und danach beschallt DJ Bernhard Tobola. (lux / DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)
11. 2.
Weekender, Tschamlerstraße 3, Innsbruck, 22.00
Rote Bar / Volkstheater, 22.00