Disco mit Neoprenanzug

9. Februar 2012, 17:03
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Samstag: Weekender Club in Innsbruck, Plattenpräsentation von Colette & Rose in Wien

Gesunde Ernährung, Rauchverbote und nun auch noch das: Im Innsbrucker Weekender Club wird das Publikum um die Lautstärke gebracht. Silent Disco nennt sich die bereits seit langem in London gepflogene Praxis, die statt Boxen auf Funkkopfhörer setzt, um angesichts des durchwegs bescheuerten Anblicks das Publikum zu belustigen und Anrainer zu besänftigen. Hierzulande seit den frühen Nullerjahren eine gängige Praxis, um im Kunstzusammenhang die Beschallung des öffentlichen Raums behördlich erst zu ermöglichen (Oliver Hangls Gehsteigdisco), ist die Sause ausschließlich als der technischen Möglichkeit geschuldete Bespaßungsaktion zu verstehen. Nicht mal der Nachbarn wegen müssen die Boxen verstummen. Das lässt an ein Vollbad im Neoprenanzug, Schattenboxen und Elektrozigaretten denken. Schließlich ist die physische Erfahrbarkeit von Sound eine Grundkomponente dessen, was Club Culture ausmacht: Ja, Musik kann dort kitzeln, wo man sich gut waschen soll ... Und das funktioniert nun mal nicht mittels Kopfhörer.

Um den Sound of Silence geht es am Samstag vermehrt auch in der Roten Bar des Volkstheaters - jedoch ohne die Möglichkeit zum Ausdruckstanz. Colette & Rose laden zur Plattenpräsentation. Mélodie démolie hält inhaltlich, was der Titel verspricht. Basierend auf fragilen Chansons, birgt der Longplayer mit Klang-Collagen und elektronischen Einsprengseln eine destruktive Ader, lieblich naht die Apokalypse. Die Gesangsparts muss man zwar mögen, doch baut sich hier ein eigenwilliges Spannungsfeld auf. Davor und danach beschallt DJ Bernhard Tobola. (lux / DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2012)

11. 2.
Weekender, Tschamlerstraße 3, Innsbruck, 22.00
Rote Bar / Volkstheater, 22.00

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