Jörg Baberowski in der Sachbuch-Kategorie ausgezeichnet, Christina Viragh für ihre Übersetzung der "Parallelgeschichten"
Leipzig - Der Berliner Autor Wolfgang
Herrndorf ist Träger des Leipziger Buchpreises 2012. Er erhält die
mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Kategorie Belletristik
für den Roman "Sand" (Rowohlt Berlin), teilte die Jury am
Donnerstag auf der Leipziger Buchmesse mit. Herrndorf nahm wegen
seiner schweren Krebserkrankung an der Preisverleihung nicht teil. "Sand" ist ein Thriller, ein Spiel um Gewalt, Verfolgung,
Selbstsuche und Tod. In der Begründung der Jury hieß es: "Was diesen
Roman so einzigartig macht, ist, mit welcher Leichtigkeit, welcher
Eleganz im Ton und welchem Sinn von Komik Wolfgang Herrndorf diese
absolute Alptraumszenerie erzählt."
Für den 1965 in Hamburg geborenen Autor, der seit 2010 an einem unheilbaren Hirntumor leidet, bedeutete der
Leipziger Preis auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Lange
war unsicher, ob er seinen nun prämierten Agententhriller "Sand"
überhaupt noch fertigbekommen würde. Im Vorjahr hatte er bereits mit
seinem Bestseller "Tschick" auf der Nominierungsliste des Buchpreises
gestanden. "Keine Anfragen, keine Interviews, keine Lesungen", steht auf der
Internetseite www.wolfgang-herrndorf.de. Nur in seinem
Blog "Arbeit und Struktur" gibt er Auskunft über den Fortgang der
Krankheit. Der aus einem "sehr kleinbürgerlichen Haushalt" stammende
Herrndorf hatte ursprünglich in Nürnberg Kunst studiert und zunächst
als Illustrator gearbeitet, unter anderem für das Satiremagazin
"Titanic". Sein erster Roman "In Plüschgewittern" (2002) fand wenig
Aufmerksamkeit. Doch schon beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2004
konnte er als Newcomer mit einer Kurzgeschichte aus dem Stand den
Publikumspreis einheimsen.
Sachbuch-Preis an Stalin-Studie
In der Kategorie Belletristik waren auch der Philosoph und
Schriftsteller Jens Sparschuh mit der Gesellschaftssatire "Im
Kasten" vertreten, der Deutsch-Iraker Sherko Fatah mit "Ein weißes Land", dern Augsburger Autor und Regisseur Thomas von Steinaecker mit "Das
Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu
träumen", sowie die Stuttgarter Autorin Anna Katharina
Hahn mit "Am Schwarzen Berg" den Bewerberkreis.
Die Auszeichnung in der Kategorie Sachbuch/Essayistik ging an Jörg
Baberowski für "Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt" (C.
H. Beck). Nominiert waren auch Carolin Emcke ("Wie wir begehren"),
Manfred Geier ("Aufklärung"), Lothar Müller ("Weiße Magie") und
Wilfried F. Schoeller ("Alfred Döblin"). Christina Viragh wurde für ihre Übersetzung aus dem
Ungarischen von Peter Nadas' "Parallelgeschichten"
(Rowohlt) ausgezeichnet. Nominiert waren zudem Nikolaus Stingl,
Caroline Vollmann, Hans Pleschinski und Thomas Frahm
Der mit insgesamt
45.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wurde zum achten Mal verliehen.
Die Jury unter Vorsitz der Publizistin Verena Auffermann bestand aus Johanna Adorján (Frankfurter
Allgemeine Zeitung), Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung), Martin Ebel
(Tages-Anzeiger, Zürich), Adam Soboczynski (Die Zeit) sowie die
freien Literaturkritiker Eberhard Falcke und Ingeborg Harms. 2011 war der Österreicher Clemens J. Setz der
Belletristik-Preisträger. (APA, 15.3.2012)