Die Kälte und die Hitze des Fußballs

9. Februar 2012, 15:22
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Es ist nicht einfach, den Start der Frühjahrssaison zu promoten. Zu­mal zwei Spiele ab­gesagt werden mussten. Die zehn Trainer gaben sich aber trotzdem Mühe

Wien - Die Fußballbundesliga ist in erster Linie super. Vorstand Georg Pangl sagte dann in zweiter Linie, dass die Infrastruktur verbesserungswürdig sei. Gedacht hat er: "Sie ist eine Katastrophe, es gibt in den meisten Stadien keinen Wohlfühlfaktor." Und in fünf von zehn keine Rasenheizungen, obwohl sie in den Statuten vorgeschrieben sind. "Fußball soll trotz Schnee Spaß machen", sagte und dachte Pangl. "Aber wir sind erst am Beginn eines langen, mühsamen Weges, der Zuschauerschnitt könnte höher sein."

Alle zehn Trainer hatten sich am Donnerstagvormittag im Wiener Haus der Lotterien versammelt, um den tief winterlichen Frühjahrsauftakt zu bewerben. Das zeugt von Interesse, Einigkeit und Pflichtbewusstsein. Sie schafften es gar, für ein gemeinsames Foto zu posieren, das war eine organisatorische Sternstunde.

In erster Linie ist alles super. Pangl begründete diese These nachvollziehbar, sein Präsident Hans Rinner nickte. Die ersten sechs Klubs liegen innerhalb von fünf Zählern. "Spannender geht es nicht." In Deutschland kicken bereits 18 österreichische Legionäre, das ist das zweitgrößte Kontingent nach Brasilien. In der tipp3-Bundesliga wiederum fiel der Legionärsanteil auf 30 Prozent, 2004 betrug er noch 44 Prozent. 78 aktuelle Ligaspieler haben ihre Karrieren in den Akademien begonnen, die Nation hat sich offensichtlich zu einer Nachwuchsförderung entschlossen. In der Uefa-Fünfjahreswertung ist man von Rang 22 auf 15 gestiegen. Die zehn Oberhausklubs haben eine positive Bilanz vorzuweisen, Griechenland frisst förmlich der Neid.

In zweiter Linie ist es bitterkalt. Dietmar Kühbauer, der Trainer von Admira, hält die Ausübung des Sports zum jetzigen Zeitpunkt für sinnlos bis riskant: "Fußball gehört auf Rasen." Rieds Paul Gludovatz tritt für eine Reduktion des Spielplans ein. "32 Runden reichen vollauf, 36 sind zu viel. Man kann sich ja Playoffs überlegen." Peter Stöger (Wiener Neustadt) lähmt diese Diskussion. "Weil sie seit 20 Jahren geführt wird. Wir sind immer überrascht, dass es im Februar kalt ist."

Die zehn Vereine haben sich natürlich super vorbereitet. Sogar Schlusslicht Kapfenberg. Ungefähr 27 neue Spieler wurden verpflichtet, sie haben keinen Euro Ablöse gekostet, Gehalt bekommen sie laut Trainer Thomas von Heesen schon. Die Obersteirer haben sieben Punkte Rückstand auf Mattersburg. Von Heesen: "Das Brett, das wir durchbohren müssen, ist sehr dick." Sein "Geheimfavorit" auf den Titelgewinn ist übrigens Red Bull Salzburg.

Verdammte Pflicht

Im Fußball geht es um Trophäen, Franco Foda hat mit Sturm Graz die wichtigste geholt, die Meisterschale. "Wir wollen unter die ersten drei kommen, da ist Platz eins angedacht." Trotz des Wechsels von Roman Kienast zur Austria. Die hat einen neuen Coach, Ivica Vastic war zum ersten Mal im Gruppenbild. Er glaubt trotz der Abgänge von Nacer Barazite und Zlatko Junuzovic an keinen Qualitätsverlust. Wer Meister wird? Antwort Vastic: "Ich will durch Worte nicht die Spannung nehmen." Antwort Stöger: "Es gibt wenige Dinge, die mich weniger interessieren." Der arme Salzburger Ricardo Moniz muss die Favoritenrolle akzeptieren, zumal er von Kühbauer unter Druck gesetzt wurde. "Mit dem Budget ist der Titel verdammte Pflicht." Moniz: "Die anderen erhöhen uns."

Mattersburgs Franz Lederer will "die Großen ärgern", Walter Kogler möchte sich mit Wacker Innsbruck "eher nach oben" orientieren. Tabellenführer ist bekanntlich Rapid, Peter Schöttel schließt den Verbleib an der Spitze nur dann nicht aus, "wenn sich bei uns kein Schlüsselspieler verletzt und die anderen patzen." Die Trainer sind mehrheitlich der Überzeugung, dass die Entscheidung in der letzten Runde fällt. In erster und auch in zweiter Linie.

Da es bitterkalt ist, mussten die für Samstag angesetzt gewesenen Partien zwischen Admira und Kapfenberg sowie Innsbruck und Salzburg abgesagt werden. Die Salzburger luden die Innsbrucker stattdessen zu einem Test nach Salzburg ein. Der österreichische Fußball ist in erster und in zweiter Linie manchmal skurril.  (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 10. Februar 2012)

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    Bundesliga-Trainer-Auflauf in Wien. Gekommen sind sie alle und somit auch Schöttel (li), Vastic ...

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    Gludovatz (li), Moniz und Co...

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