Die Russen überraschen

  • Melzer: "Ich habe mit allem gerechnet, nur nicht, dass ich morgen gegen Kunizyn spiele."
    foto: apa/ neubauer

    Melzer: "Ich habe mit allem gerechnet, nur nicht, dass ich morgen gegen Kunizyn spiele."

Juschnij entgegen den Erwartungen nicht im Einzel aufgeboten - Melzer eröffnet gegen Kunizyn - Haider-Maurer startet ge­gen die russische Nummer eins

Wr. Neustadt - Der langjährige russische Davis-Cup-Kapitän Schamil Tarpischew hat am Donnerstag bei der Auslosung für das Weltgruppen-Treffen Österreich-Russland für eine Überraschung gesorgt. Anstelle des erwarteten Michail Juschnij bietet er in Wr. Neustadt den in der Weltrangliste nur auf Platz 79 liegenden Igor Kunizyn als Nummer zwei seines Teams auf. Jürgen Melzer eröffnet am Freitag (14.00 Uhr/live ORF Sport plus) gegen Kunizyn, gegen den er zuletzt bei den US Open 2011 in der ersten Runde mit 6:7 im fünften Satz verloren hat.

Marach/Peya spielen Doppel

Im Anschluss trifft Andreas Haider-Maurer, der seine Österreich-Premiere in dem prestigeträchtigen Mannschaftsbewerb feiert, auf die russische Nummer 1 Alex Bogomolow jr. Für das Doppel am Samstag hat Neo-ÖTV-Kapitän Clemens Trimmel vorerst Oliver Marach und Alexander Peya nominiert, bei den Russen stehen Juschnij und Nikolaj Dawydenko vorläufig auf dem Programm. Die Teams können die Aufstellung allerdings noch bis eine Stunde vor Spielbeginn ändern.

"Wir waren alle ein bisserl überrascht, man hat auch ein kurzes Raunen in der Menge gehört. Aber wir kennen alle vier Spieler und sind auf alle vorbereitet. Kunizyn war sicher einer, mit dem wir vielleicht am wenigsten gerechnet haben", sagte Kapitän Trimmel und Melzer konnte ihm da nur beipflichten. "Ich habe mit allem gerechnet, nur nicht, dass ich morgen gegen Kunizyn spiele. Das ist aber okay. Wenn man beide Spieler in Topform hernimmt, dann spielt man lieber gegen Kunizyn als gegen Juschnij", sagte der 30-jährige Niederösterreicher.

Juschnij mit Schulterproblemen

Juschnij hatte am Dienstag von Schulterproblemen gesprochen, die ihn aber keinesfalls daran hindern müssen, vielleicht am Sonntag eingesetzt zu werden. Der gefinkelte Tarpischew hat sich möglicherweise auch für Kunizyn entschieden, weil Melzer gegen den Weltranglisten-79. erst vor rund fünf Monaten eine schmerzhafte Erstrunden-Niederlage bei den US Open erlitten hatte. Mit 6:7 im fünften Satz hatte der ehemalige Weltranglisten-Achte damals sein Major-Jahr im Einzel beendet.

Melzer will sich darauf nicht einlassen. "Ich nehme die Niederlage (von damals, Anm.) auch gerne mit, weil wenn ich gut gespielt habe, habe ich ihn gut kontrollieren können. Dass ich dann 6:7 im Fünften verliere, war bitter, aber ich war über weite Strecken der bessere Spieler." Sollte es auch am Freitag in einen fünften Satz gehen, dann habe er sicher andere Sorgen, als daran zu denken, was vergangenen September gewesen ist.

Premiere für Doppelstaatsbürger Bogomolow

Österreichs Nummer 1 und aktuelle Nummer 40 der Welt hat beide bisherigen Duelle mit Kunizyn verloren, zuletzt aber ansteigende Form bewiesen. Er wünscht sich natürlich eine 1:0-Führung. "Wenn ich vorlegen kann, dann kann ich Bogomolow mehr Druck geben", hofft Melzer. Bogomolow, der übrigens US-amerikanischer und russischer Doppelstaatsbürger ist, spielt erstmals Davis Cup für sein Geburtsland und feiert seine Premiere gleich als Nummer 1. Ein Faktor, der möglicherweise eine Rolle spielen könnte.

Der gebürtige Moskauer ist jedenfalls erster Gegner von Andreas Haider-Maurer bei dessen erstem Heim-Match für Österreich. "Bogomolow ist ein Spieler, der sich im letzten Jahr extrem gesteigert hat. Ich kenne ihn noch von früher, der war vor eineinhalb Jahren wesentlich weiter hinten", erinnerte sich Haider-Maurer, der weder gegen ihn noch gegen Kunizyn bisher gespielt hat. "Er ist sicher gefährlich, sehr solide, macht wenig Fehler, hat aber nicht die großen Waffen. Ich denke, er liegt mir schon vom Spielertyp her", meinte der Niederösterreicher.

Möglich, dass Haider-Maurer länger wird warten müssen, denn Melzer erwartet gegen Kunizyn ein längeres Match. Melzer beschrieb seinen ersten Gegner als einen mit viel Spielverständnis: "Er weiß, wo er hin spielen muss, damit es wehtut." Als Schwäche ortete Melzer vor allem Kunizyns zweiten Aufschlag.

Trainerfuchs Tarpischew

"Ich werde nach dem Spiel erklären, warum. Vor dem Spiel kann man nicht alles sagen", war die kryptische Erklärung von Trainerfuchs Tarpischew zur Nichtaufstellung von Juschnij. Der von ihm berücksichtigte Kunizyn prophezeit ein "hartes Match", wird Melzer trotz einer 2:0-Bilanz aber nicht unterschätzen. "Er war erst vor kurzem Top Ten im Einzel und Doppel. Aber er hat auch den Druck, weil er der Leader seines Teams ist", sagte der 30-Jährige aus Wladiwostok.

Dass Tarpischew sicher genau weiß, was er tut, davon zeugt auch seine langjährige Erfahrung als Fed-Cup- und Davis-Cup-Kapitän seines Landes. Wie aus der Pistole geschossen kommt die Antwort nach seiner persönlichen Erfolgsbilanz: "47 Partien bei den Damen und vier Titel, im Davis Cup ist es mein 77. Länderkampf mit bisher zwei Titeln", sagte Tarpischew. Dieser Mann liebt wohl Statistiken. (APA)

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