Schulsystem

OECD empfiehlt Österreich Neue Mittelschule für alle

9. Februar 2012, 14:42
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    foto: standard/cremer

    Die OECD plädiert für eine Schule für alle.

Bildungslaufbahn soll weniger vom sozialen Hintergrund abhängen

Wien - In Österreich hängt die Bildungslaufbahn überdurchschnittlich stark vom sozialen Hintergrund ab. In dem am Donnerstag präsentierten Bericht "Equity and Quality in Education: Supporting Disadvantaged Students and Schools" appelliert die OECD an Österreich, bereits begonnene Reformen voranzutreiben und benachteiligte Schüler stärker zu unterstützen, um für mehr soziale Fairness zu sorgen. Die konkreten Empfehlungen der Studie: Neue Mittelschulen für alle, kein Sitzenbleiben mehr, Abschaffen der freien Schulwahl durch die Eltern und Ausbau der Bildungs- und Berufsberatung.

In Österreich gebe es zwar relativ wenige Personen, die die Schule abbrechen. Die meisten kommen laut OECD aber aus armen oder bildungsfernen Familien oder haben Migrationshintergrund. "Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen gehen zudem häufiger in Schulen, die nur über geringe Mittel verfügen. Hinzu kommt, dass sich die Eltern private Nachhilfe oft nicht leisten können", beschreibt die OECD die aktuelle Lage.

AHS beeinträchtigen Chancengleichheit

Als einen Grund für die soziale Ungleichheit nennt die OECD die Selektion der Schüler bereits mit zehn Jahren, was bei jenen, die in eine weniger angesehene Schulform eingeteilt werden, zu Demotivation führe. Die Einführung der Neuen Mittelschule, die die Hauptschule flächendeckend ersetzen soll, sei "ein erster Schritt" in Richtung eines längeren gemeinsamen Lernens. "Die Reformen lassen allerdings die allgemein bildende höhere Schule außen vor, was die Chancengleichheit an österreichischen Schulen weiterhin beeinträchtigt."

Lob für Modulare Oberstufe

Zu Verbesserungen würde laut OECD auch das Abschaffen von Klassenwiederholungen beitragen, bei dem sozioökonomische Unterschiede noch stärker ins Gewicht fallen. Derzeit ist der Anteil der 15-jährigen Österreicher, die mindestens eine Klasse wiederholt haben, etwa doppelt so hoch wie im OECD-Schnitt. Lob gibt es deshalb für die geplante deutliche Verringerung von Klassenwiederholungen im Rahmen der Modularen Oberstufe. "Diese Entwicklung ist vielversprechend und sollte auch auf andere Jahrgangsstufen ausgeweitet werden."

Mehr Information für Eltern

Die soziale Trennung wird laut OECD auch dadurch verstärkt, dass Eltern die Schule für ihre Kinder wählen können. Die Folge: Gerade in Großstädten würden Kinder häufig in Privatschulen geschickt. Die OECD plädiert stattdessen für Auswahlverfahren, die Elternwünsche und soziale Aspekte miteinander vereinbaren. Alternativ könnten Anreize für Schulen geschaffen werden, die benachteiligte Schüler aufnehmen. Sozial schwache Familien könnten zudem besser über die schulischen Möglichkeiten ihrer Kinder informiert werden, ebenso sollten Jugendliche dabei unterstützt werden, die passende (Berufs-)Ausbildung zu wählen.

Lob gibt es von der OECD auch für den kostenlosen verpflichtenden Kindergartenbesuch für Fünfjährige, allerdings wäre es gerade bei sozial schwachen Familien wichtig, dass auch Kinder unter drei Jahren schon außer Haus betreut werden. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 168
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mountaineer
00
15.2.2012, 19:15
Aussichten, Aussichten!

Dieser Herr OECD (komischer Name, aber bitte) hat wohl noch nie eine österreichische Schule von innen gesehen.
Sonst müsste er ohne Umschweife das Gymnasium für alle fordern.

P. S.:
Schmied stellt sich die neue Gesamtganztagsschule für alle folgendermaßen vor: während zwei Stützlehrer einen Verhaltenskreativen daran hindern, das Waschbecken aus der Verankerung zu reißen, schreibt der Primus die Relativitätstheorie an die Tafel, während der Rest diese sonderbare Freakshow lauthals bejubelt, bejohlt und bebuht.

Kino vom Feinsten, Frau Schmied, ich habe es bereits tatsächlich so ähnlich in einer NMS (nein, keine Krankheit, oder doch?) erlebt!

mountaineer
11
14.2.2012, 18:17
Orwell lässt grüßen:

Dass alle Kinder die gleichen (nämlich gleich schlechten) Chancen bekommen sollen, muss für jeden vernünftig denkenden Menschen wie eine Horrorvorstellung klingen.

Alle sind gleich, nur manche sind "gleicher".
Man fühlt sich in den leider einmal real existiert habenden Sozialismus a la DDR zurückversetzt.
Nicht zufällig ist die Ministerin eine Rote (wenngleich verzerrt durch ihre turbokapitalistische Fratze).

denkreal
02
13.2.2012, 19:42
human Ressources

Fassen wir doch die Fakten der österreichischen Schullandschaft zusammen: I) Es gibt leistungsstarke und leistungsschwache SchülerInnen. II) Die gibt in der Austrian Edition und als Migranten. III) Das System funktioniert nicht mehr – liegt danieder. IV) Unterricht in der HS kann man in Gymnasiumnähe nicht mehr als solchen bezeichnen, daran ändert auch das neue Schild NMS nix.
V) Folge: Flüchtlingsstrom ins Gymnasium, daher schaut auch dort nimmer viel raus. VI) Es gibt ausgezeichnete Schulabsolventen, aber jetzt ehrlich: Die hätten unserer Schulsystem nicht dazu gebraucht. Ich schätze, dass wir durch diese Starrheit ca. 30%-40% human Ressources im qualifizierten Bereich verlieren!

metalwoman
00
13.2.2012, 19:21

Mein Buchtipp: Ausgebremst. Warum das Recht auf Bildung nicht für alle gilt. von Katja Urbatsch

metalwoman
00
13.2.2012, 19:03

Bildung in At hängt von Einkommen und Bildungsniveau der Eltern ab - für uns nichts neues:
www.arbeiter-kind.at

Vorstadtmama
 
01
13.2.2012, 12:09
OECD empfiehlt Österreich den Zugang zur Bildung von der Geldbörse der Eltern abhängig zu machen.

Wäre genauso richtig.... Wenn die Eltern der Neuen Mittelschule nicht vertrauen und in die Privatschulen flüchten, gibt es erst wieder eine Zweiklassenbildung.

mountaineer
03
11.2.2012, 10:39

P.S.

Außerdem wurde ich nicht selektiert, sondern entschied als 9-Jähriger selbst, dass ich das Gymnasium besuchen wolle.

mountaineer
16
11.2.2012, 10:37

Meine Mutter ist Putzfrau, ich bin doppelter Akademiker.
Ja: ich wurde selektiert und bekam die Chance, ins Gymnasium zu gehen.
Dafür danke ich Bruno Kreisky.
Auf die OECD lasse ich einen fahren.

metalwoman
02
13.2.2012, 19:36

Ok, Sie hatten anscheinend das Glück, so überdurchschnittlich begabt zu sein, dass jeder eingesehen hat, dieses Kind gehört ins Gymnasium.
Studien aus D haben gezeigt, dass "bildungsferne" Kinder deutlich bessere Leistungen bringen müssen, um die Gymnasialempfehlung zu erhalten, als ihre "bildungsnahen" Kollegen.
Ein durchschnittlich begabtes Kind A aus einer bildungsnahen Familie kommt immer noch problemlos ins Gymnasium, doch ein gleichermaßen begabtes Kind B aus bildungsfernem Hintergrund wird wahrscheinlich in der HS landen. Wenn A Probleme mit dem Stoff hat, schickt man es zum Nachhilfeunterricht. Wenn B Probleme hat, wird es halt eine Leistungsgruppe abgestuft.

vincent preis
00
15.2.2012, 15:45
in der nms

gibt es keine leistunggruppen mehr.

GoodieGoodie
05
10.2.2012, 23:47

Und was macht man dann in ein paar Jahren, wenn man draufkommt, dass die Kinder aus Familien, in denen Bildung nichts zählt, auch in der NMS nicht zu Wunderwuzzis geworden sind? Wenn man erkennt, dass 8 Jahre neben einem guten Schüler zu sitzen, nicht ausgleicht, dass es zuhause außer dem Telefonbuch keine Bücher gibt, dass die Eltern Schule - auch "Neue Mittelschule" - nicht interessiert, dass 6 Jahre vor der Schulpflicht nichts gefördert wurde,...?

Das einzige, das sich ändern wird, ist das Niveau derer, die maturieren und studieren wollen - es wird deutlich tiefer sein als nach Absolvierung einer AHS.
Aber dafür haben sie 8 Jahre Hilfslehrer für schwache Schüler gespielt und sicher enorm davon profitiert.

metalwoman
00
13.2.2012, 19:39
Warum sollen die Kinder wegen der Defizite ihrer Eltern bestraft werden?

Soll man sie nicht eher mehr fördern z.B. durch Ganztagesbetreuung, damit sie den Rückstand aufholen können?

GoodieGoodie
00
15.2.2012, 22:45

Warum sollen Kinder wegen der Defizite von Eltern der anderen bestraft werden?

metalwoman
00
16.2.2012, 11:33

Mit anderen Worten: "Ach wie gut, dass MEINE Kinder keine böösen Proletenkinder ohne Zukunft sind. Die anderen sind mir eh egal, denn mit so ordinärem Gesindel hab ich NIE etwas zu tun." >Nase rümpf<

GoodieGoodie
00
18.2.2012, 13:24

Nein!
Wie gut, dass meine Kinder derzeit mit Kindern des gleichen intellektuellen Niveaus egal aus welcher sozialen Schicht, gemeinsam in der Klasse sitzen!
Wie gut, dass derzeit die von Ihnen verächtlich als Proletenkinder bezeichneten Schüler, die intelligent sind und gut lernen, die GLEICHEN Chancen haben, wie Kinder von Generaldirektoren.
Wie gut, dass derzeit NICHT sozial selektiert wird und reiche Kinder in Privatschulen und arme Kinder in Gesamtschulen gehen.
Wie gut, dass Kinder, die lernen wollen und gute Leistungen bringen - egal aus welcher sozialen Schicht! - nicht von uninteressierten und unbegabten Kindern in ihrem Fortkommen gehindert werden.

Un veistu
04
10.2.2012, 12:19
OECD, eine unabhängige Institution?

Wenn aus dem Ministerium, nicht zum ersten Mal, unvollständige oder falsche Angaben kommen, kann die OECD zu keinem anderen Urteil kommen - und das ist beabsichtigt!
Auf den Vorhalt, es würde die weitere Schullaufbahn von Hauptschülern NICHT berücksichtigen (viele besuchen HTLs, HAKs, ORGs..), antwortete d. Ministerium, es habe darüber keine Zahlen!
Wenn man die Anzahl von Maturanten und Uni-Absolventen mit HS-Vorbildung nicht berücksichtigt, kann man zu keinem anderen Urteil kommen als die OECD: In Ö. komme es zu einer zu frühen und zu einseitigen Selektion.

D/E
03
12.2.2012, 07:06
Genau da liegt ja der Hund begraben:

Die Daten für die OECD stammen aus Österreich, die Schlüsse sind de facto vorgefertigt, u. a. weil wesentliche Informationen einfach nicht gegeben werden (etwa der weitere Bildungsweg von Hauptschüler/inne/n).

Wer das österreichische Schulwesen kennt, weiß, dass die NMS eine Chimäre ist. Einem Mythos kann man leicht jede Eigenschaft andichten, auch die einer inklusiven Gesamtschule.

Anaxagoras
61
10.2.2012, 11:51
Es ist offenbar unser Schicksal, alles was aus Deutschland kommt,......

....reflexartig ablehnen zu müssen. So auch die Mittelschule.

HU
 
04
10.2.2012, 12:10
Und ist DE ein PISA Spitzenland?

Nein? Merkwürdig.

und dort sind sogar die Länder besser im PISA Ranking die ein differnziertes Schulsystem haben.

Ist aber jetzt schon böse, abzulehnen was im Nachbarland nicht funktioniert - weil man muss ja jeden Fehler selbst machen - stimmts.

leckfettn
01
10.2.2012, 17:43

sch..... auf pisa is ja nicht unser turm!

S(ie) P(lündern) Ö(sterreich)
 
11
10.2.2012, 11:41
die oecd kennt ja ganz genau

die probleme des heimischen schulwesens.

"gratulation" zu dieser "analyse"!

die einzigen, die von einer einheitsschule profitieren, sind die privatschulbetreiber.

Stbo
 
00
10.2.2012, 16:10
Sie Plündern Österreich = SPÖ plündert Österreich oder wer?

Sie haben einen merkwürdigen Poster-Namen und auch Ihre Meinung ist komisch.
Wenn die Privatschulen dieselben Voraussetzungen erfüllen, wie die öffentlichen Schulen, wird das nicht so lange sein, dass sie profitieren.
Es gibt auch genug Klagen über Privatschulen, vor allem Klosterschulen.

Anaxagoras
11
10.2.2012, 11:53
Können Sie mir wenigstens ein Wort aus Ihrem Posting sagen,...

....das das Attribut "konstruktiv oder sachlich" verdienen würde?

verinus
00
10.2.2012, 12:27

sie meinen so wie ihre "argumente" im posting weiter oben mit der ablehnung von allem was aus deutschlad kommt?

jaja sehr sachlich und konstruktiv ;)

stall
22
10.2.2012, 11:23
die nms ist ein betrug an der jugend

mit 25 kommen sie, wenn überhaupt, erst drauf, was ihnen da angetan wurde. die verantwortlichen haben sich dann alle aus dem staub gemacht bzw. in die pension vertschüsst.

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