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Wien - Wie die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle am Donnerstag mitteilte, ist die Zahl der Kinobesucher ist in Europa im Vorjahr nur minimal gesunken. Die Gesamtzahl der verkauften Kinokarten in der EU lag 2011 bei rund 960 Millionen nach einem Wert von 964 Millionen für 2010, was einem Minus von 0,4 Prozent entspricht. Das Ergebnis für 2011 lag damit aber jedenfalls über den Zahlen für die Jahre 2005 bis 2008, als zwischen 899 und 932 Millionen Karten gelöst wurden.
Hinsichtlich des Gesamt-Bruttoeinspielergebnisses an den Kinokassen seien Einschätzungen noch zu früh, betonte die Informationsstelle, allerdings könne vorläufig in neun von 17 Ländern, für die entsprechende Zahlen vorliegen, ein Anstieg festgehalten werden. Dass dieser Anteil geringer ausfallen wird als in den vergangenen Jahren, liege vor allem an der Schwierigkeit, mehr "Premium Ticketpreise" zu erlösen. Der 3D-Anteil am Bruttoeinspielergebnis scheint in einigen Märkten einen Sättigungsgrad erreicht zu haben, in Großbritannien ging dieser etwa von 24 auf 20 Prozent zurück.
Auffälliges Plus für nationale Produktionen
Die Bilanz der einzelnen Länder präsentiert sich recht unterschiedlich: Für 22 Märkte liegen bisher provisorische Daten vor, wobei 12 Länder steigende und 10 Länder rückläufige Zahlen verzeichneten. Allen voran das starke Kinojahr in Frankreich wird von der Informationsstelle als Grund für die einigermaßen stabile Lage in Europa angeführt, wofür wiederum besonders lokale Filme den Ausschlag gaben. In absoluten Zahlen verzeichnete Frankreich den größten Anstieg der Besucherzahlen auf insgesamt 215,6 Mio., was einem Plus von 9,3 Mio. Besuchern bzw. 4,2 Prozent entspricht. Damit erzielte man das beste Ergebnis seit 1966.
Markant sind die Anteile einheimischer Produktionen an den Besucherzahlen: In 14 der 22 EU-Mitgliedstaaten, für die die Zahlen vorliegen, stieg der entsprechende Marktanteil, in acht Fällen sogar auf den Höchstwert der letzten fünf Jahre. Hinter Frankreich (41,6 Prozent) rangieren in dieser Liste Italien (37,5 Prozent), Großbritannien (36,2 Prozent) sowie Polen (30 Prozent).
Auch der deutsche Kinomarkt hat durch den deutschen Film wieder zugelegt. Besucherzahlen und Umsatz sind 2011 gestiegen. 27,9 Millionen Besucher sahen einen deutschen Film - das sind 7 Millionen mehr als im Vorjahr, wie die Filmförderungsanstalt (FFA) am Mittwoch in Berlin mitteilte. Zugleich sank der Anteil der US-Produktionen um 5,1 Millionen auf 77,2 Millionen Kinogäste. Der Marktanteil des deutschen Films kletterte im Vergleich zum Vorjahr deutlich auf 21,8 Prozent. Insgesamt gab es 129,6 Millionen Besucher, ein Plus von 2,3 Prozent. "Nach einem starken Rückgang der Besucherzahlen im Jahr davor ist dies unter dem Strich ein freundliches - aber noch kein sehr gutes Jahr", erklärte FFA-Vorstand Peter Dinges einen Tag vor Beginn der Berlinale. Acht deutsche Filme knackten die Millionen-Marke. Am erfolgreichsten war Til Schweigers "Kokowääh" mit 4,3 Millionen Besuchern. Die Komödie rangiert damit auf Platz drei der Jahres-Charts, hinter den neuen Abenteuern von Harry Potter und den Piraten der Karibik.
Faktor Wirtschaftskrise
Während Großbritannien mit 1,4 Prozent ein leichtes Plus verzeichnen konnte, mussten die von der Wirtschaftskrise stark betroffenen Länder Spanien und Italien Rückgänge von 7,9 bzw. 7,1 Prozent hinnehmen. Den stärksten prozentuellen Zuwachs verzeichnete Bulgarien, wo die Kinobesucher von 3,96 auf 4,72 Mio. bzw. um 19,2 Prozent gestiegen sind. Österreich muss nach dem Minus von 6 Prozent für 2010 auch im Vorjahr einem Rückgang hinnehmen. 15,76 Mio. Besucher bedeuten eine um 4,2 Prozent schlechtere Bilanz. Angaben zum Bruttoeinspielergebnis, das 2010 bei 130,4 Mio. Euro lag, liegen derzeit noch nicht vor. Der nationale Marktanteil liegt provisorischen Daten zufolge bei etwa 3,5 Prozent (2010: 4,2 Prozent).
Das Wachstum außerhalb der EU ist ebenfalls leicht ins Stocken geraten. Konnte in Russland für das Jahr 2010 noch ein Plus von 19,5 Prozent verzeichnet werden, stagnierten die verkauften Karten im Vorjahr bei 165 Millionen (2010: 165,5 Mio.). Der Rang als drittgrößter Kinomarkt Europas nach Frankreich und Großbritannien konnte damit allerdings gefestigt werden. Ein leichter Anstieg war in der Türkei bemerkbar, wo mit einem Plus von 3 Prozent und 42,3 Mio. gelösten Tickets der höchste Stand seit zehn Jahren verzeichnet wurde. Mehr als die Hälfte davon fielen auf nationale Produktionen. (APA)
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