Bildung

Jugendliche Migranten leiden häufiger an Bildungsarmut

9. Februar 2012, 16:55
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    "Die Bildungsarmut soll nicht von Generation zu Generation weitergegeben werden", sagt Alev Korun, Integrationssprecherin der Grünen.

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Grüne wollen Sonderschulen abschaffen und fordern Kindergartenpflicht ab zwei

"Diejenigen, die unser Bildungssystem früh verlassen, sind die Arbeitslosen von morgen", sagte die grüne Integrationssprecherin Alev Korun bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Denn Jugendliche mit Migrationshintergrund sind in Österreich überproportional oft von Bildungsarmut betroffen: Sie verlassen das Schulsystem häufiger ohne weiterführenden Schulabschluss als Schüler mit österreichischen Eltern und fallen bei der Bildungsstudie PISA öfter unter die Gruppe jener Schüler, die mit einfachsten Lese- und Rechenaufgaben Probleme haben. "Das ist ein soziales und bildungspolitisches und nicht ein migrantisches Problem", betont Korun.

Die Integrationssprecherin fordert von der Bundesregierung eine politische Strategie zur Verringerung der Zahl früher Schulabgänger, um zu verhindern, dass die Bildungsarmut von Generation zu Generation weitergegeben wird. Geldstrafen für Schulabbrecher einzuführen wäre definitiv der falsche Ansatz, so Korun. In Österreich fehle ein integratives Bildungssystem. "Es gibt zwar Durchlässigkeit, aber nur von oben nach unten." Deswegen seien die Grünen auch für die Abschaffung der Sonderschulen. "Aus der Sonderschule gibt es praktisch kein Zurück mehr."

Handlungsbedarf bei PISA-Risikoschülern

Im europäischen Vergleich steht Österreich beim Anteil der frühen Schulabbrecher (Early School Leavers, ESL) gut da: Nur 8,3 Prozent der 18- bis 24-Jährigen haben maximal Pflichtschulabschluss und befinden sich nicht mehr in Ausbildung, das EU-Ziel liege bei zehn Prozent bis 2020. Doch der geringe Anteil "schmeichelt Österreich mehr, als es der Problemlage im Land geschuldet wäre", betont Mario Steiner vom Institut für Höhere Studien (IHS). Die problematische Folge: Die Angelegenheit bekomme nicht die nötige Aufmerksamkeit. Ziehe man etwa die Risikoschüler bei PISA als Indikator heran, zeige sich mit 27,5 Prozent Risikoschülern ein ganz anderer Handlungsbedarf. "Bildungsarmut ist unter Jugendlichen auch in Österreich ein quantitatives Problem, und dementsprechend groß ist der Handlungsdruck."

Stadtkinder sind gefährdeter als Kinder vom Land

Steiner macht auf den Unterschied zwischen urbanen und ländlichen Gebieten aufmerksam. Die Jugendlichen aus der Stadt seien weitaus mehr gefährdet als jene vom Land, früh aus dem Bildungssystem auszuscheiden. Generell sei das Risiko eines frühzeitigen Bildungsabbruchs in Österreich sozial ungleich verteilt. Bei Jugendlichen, deren Eltern eine niedrige Bildung genossen haben, ist das Risiko stark erhöht. Sind die Eltern arbeitslos, ist das Risiko für Bildungsarmut dreimal so hoch, wie wenn die Eltern beschäftigt sind. Haben die Eltern wenig Bildung, sind die Kinder fünfmal mehr gefährdet, die Schule frühzeitig zu verlassen, als bei Eltern mit hohem Bildungsabschluss.

Die Folgen von Bildungsarmut sind dramatisch: Die Gefahr, arbeitslos zu werden, ist doppelt so hoch wie bei Jugendlichen mit Abschluss der Sekundarstufe zwei (berufsbildende mittlere Schule, Lehre, Matura). Das Risiko, mehr als zwei Jahre mit Jobsuche zu verbringen beziehungsweise nur eine Hilfstätigkeit auszuüben, ist viermal so hoch. Jenes, gar nicht im Erwerbsleben zu landen (Frühpension, Karenz, ausschließliche Tätigkeit im Haushalt), ist fünfmal so hoch wie für Maturanten und Co.

Grüne gegen Sonderschulen

Was braucht es nun, um die Bildungsarmut in Österreich zu bekämpfen? "Wir wollen das Ende des selektiven Schulsystems", sagt Korun. Das beinhalte auch die Abschaffung der Sonderschulen. Außerdem solle eine gemeinsame Schule für die Sechs- bis 15-Jährigen eingeführt werden. Das würde Kindern aus bildungsbenachteiligten Kreisen zugutekommen. Zusätzlich fordern die Grünen eine Kindergartenpflicht für Kinder ab zwei Jahren - und das für alle Kinder. Schließlich will Korun die Eltern mit Informationen für den Berufsweg ihrer Kinder versorgen. Das soll im Zuge einer systematischen Bildungs- und Berufsberatung erfolgen. (wik, derStandard.at, 9.2.2012)

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eze eze
 
11
12.2.2012, 18:46

http://www.gruene.at/menschenr... sen/78315/ - Hier, in dieser doch recht aktuellen Selbstdarstellung ist von einer "zweijährigen Kindergartenpflicht" die Rede, detto im schon älteren Grundsatzprogramm der Grünen aus dem Jahr 2009, dort wird das spezifiziert und klar, dass das 4.+5. Lebensjahr gemeint sind damit: http://www.gruene.at/uploads/m... 009_01.pdf

Wie wik daraus plötzlich eine Kindergartenpflicht "ab zwei" ableitet, und vor allem, warum, ist mir schleierhaft. Eine Richtigstellung wäre wohl längst schon überfällig!

absurdistanerin
02
12.2.2012, 10:03

die Erfahrung (Kinder aus bildungsfernen Schichten, die seit 2 bei uns im Kindergarten sind) zeigt, dass es zwar besser ist, wenn die Kinder frühe Förderung bekommen, aber dennoch an die Verantwortung der Eltern appelliert gehört, a) im Sinne der muttersprachlichen Förderung, b) weil uns die personellen Ressourcen im Kindergarten fehlen und c) ES DIE ELTERN SIND, DIE FÜR IHR KIND ZUR VERANTWORTUNG ZU ZIEHEN SIND UND DER KINDERGARTEN NUR FAMILIENERGÄNZEND UND NICHT -ERSETZEND IST!!!! und um z.B. Memory, Domino oder UNO mit einem Kind zu spielen, brauche ich nicht lesen zu können.

ND1
02
10.2.2012, 16:47

http://derstandard.at/132850733... el-ansetzt

die Grünen sollten zur Abwechslung weniger fordern und auch einmal beginnen sich den Spargedanken anzunähern ...

Daniel Dillinger
 
16
10.2.2012, 15:27

Darf man sich unter Bildungsarmut leiden etwa so wie das Leiden unter einer Krankheit vorstellen? Und die armen Betroffenen sind weder dafür verantwortlich, noch können sie an ihrer Situation etwas ändern?

R. Lexer
00

Gewisse Sachzwänge und oft auch Werthaltungen machen es zumindest schwerer, sich Bildung anzueignen, ja.

Jukebox
116
10.2.2012, 13:35

Wenn uns die Korun vorgaukelt, es sei kein Integrationsproblem, warum spricht dann die Integrationssprecherin zu uns - und nicht die Bildungssprecherin???

LPFe
10
16.2.2012, 00:14
vielleicht ...

weil Migrantenkinder von dem Problem stärker betroffen sind, da sie oft aus bildungsarmen Familien stammen ?

vergleichens mal die Bildung der Kinder von ungebildeten Österreichern, glaubens da schauts besser aus oder wie ?

und ist das dann auch ein Integrationsproblem ?

Fritz Meyer
02
10.2.2012, 15:20
Gut bemerkt.

sledgehammer44
00
10.2.2012, 13:21
2jährige kindergartenpflicht, nicht für zweijährige.

ob das ein fall von sekundärem analphabetismus ist, oder absichtl, um die grünen weiter zu diskretitieren als sie das selbst schon tun sei dahingestellt.

der Ringe
03
10.2.2012, 11:36

Stecken wir doch alle in einen Topf, aufdass das Niveau gesenkt wird um allen die Möglichkeit der Arbeitslosigkeit anzubieten.

Hlsebastian
33
10.2.2012, 11:33
"Kindergartenpflicht ab zwei"

So sind sie, die GrünInnen: zurück zu totalitären Systemen der staatlichen Kinderaufzucht. Brechreizerregend.

sledgehammer44
00
10.2.2012, 13:27

traurig, das sie ihnen das zutrauen. von allem postern braucht sich keiner mehr drüber beschweren, dass "das einfache volk" glaubt was in österreich steht. funktioniert im standard auch hervorragend. solviel zum thema kritische leser.

Pogled
01
10.2.2012, 14:35

Eine Verschulung von Kindern mit Anwesenheitspflicht, extrem eingeschänkten Reisemöglichkeiten etc. ist ablehnungswürdig, egal ob sie mit 2 wie hier als Irrtum, mit 3/Prüfung oder mit 4/unbedingt verlangt wird.

Da braucht es keine besondere Recherche dazu.

NSi: Ich bin dafür, dass Kinder in den Kindergarten gehen, habe das für meinen Dreijährigen sogar durchsetzen müssen.

Ich bin aber dagegen, jetzt von irgendwelcher Behördenwillkür abhängig zu sein, mit meinem Kind Reisen, Auslandsbesuche, Kinderfeste, etc veranstalten zu dürfen.

NNS.: @ Standard.
Bitte einen Notrufbutton für Falschmeldungen.

Zinsenfeger
04
10.2.2012, 11:30
"dreimal so hoch, wie wenn"

Aua. Und das ausgerechnet in einem Artikel über Bildungsarmut.

sledgehammer44
02
10.2.2012, 11:23
Richtigstellung

zweijährige kindergartenpflicht. nicht für zweijährige. hätt dem redakteur vielleicht auch gut getan.

http://www.gruene.at/menschenr... sen/78315/

mutet leider trotzdem etwas kommunistisch an.

G. B. Corner
01
10.2.2012, 16:47

Ich weiß nicht was mich mehr schreckt ... dass das dem Redakteur durchgerutscht ist oder dass ich das den Grünen tatsächlich als Forderung zugetraut hätte :(

sledgehammer44
00
11.2.2012, 10:15

letzteres sollten die grünen als alarmzeichen sehen.

Johannes Benn
09
10.2.2012, 10:22
.

man koennte einfach sagen: jugendliche migratne sind weniger gebildet.
aber nein, lieber heißt es "leiden" und "armut", woerter die sogleich eine gewuenschte wirkung evoziert wird

Der elegante Herr von nebenan
 
05
10.2.2012, 10:05

Das hätte ich der Dame schon vor 30 Jahren erklären können. Zugehört hat halt niemand. Auch das es sich nur um eine bestimmte Gruppe von Zuwanderern handelt.

Maria Lacina
04
10.2.2012, 10:04
Kindergartenpflicht ..

.. ab 2 *LOL*. Wer gibt ein Kind, das noch nicht einmal vollständig sprechen kann, in den Kindergarten?

sledgehammer44
00
10.2.2012, 11:29

2jährige kindergartenpflicht, nicht für zweijährige. ob das ein fall von sekundärem analphabetismus ist, oder absichtl, um die grünen weiter zu diskretitieren als sie das selbst schon tun sei dahingestellt.

Dirty Sanchez i.R.
 
116
10.2.2012, 10:08
Das ist ja der Sinn dahinter!

So lernen die Kleinen gleich von Anfang an so zu sprechen, wie es die Damen und Herren GrünInnen gerne hätten.
"LiebeR Tante/Onkel/Transgendergeschwisterwesen eines Elternteiles von mir, kann ich Pipi machen gehen?"
oder "Der/die/das PeterI*_n hat mich g'haut!"
und natürlich, bei der Abholung durch die Mama ein freudiges "Mutterwesen!"

Pogled
07
10.2.2012, 11:00

Für 'Mutterwesen' gehörst Du wegen Rollensprech zitronisiert.
Das heißt 'Elter' !

Dirty Sanchez i.R.
 
05
10.2.2012, 11:23
Sie sind nicht mehr am Laufenden!

Der Feminismus hat sich gegenüber der Gendergerechtigkeit durchgesetzt; Elter endet auf
-er, ist also zu maskulin, wohingegen Mutterwesen die Wichtigkeit der Mutter betont, zugleich aber absolut geschlechtsneutral bleibt.

DerAndere34
00
10.2.2012, 10:45

*schmunzel*
also falls sie der echte D.S. sind/waren ...

sie sollten sich ihren ruhestand überlegen
oder heisst das i.R. - "in rage"?

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