Eisbrecher im Linzer Hafen

Eduards ewige Fahrt im Eis

9. Februar 2012, 18:42
  • Artikelbild
    vergrößern 800x495
    foto: apa/rubra

    Die unterschiedlichen "Charaktereigenschaften" von Eduard: im Sommer ein sanft über die Wellen gleitendes Ausflugsschiff, im Winter ein stahlhart durch die vereiste Donau pflügender Eisbrecher.

  • Artikelbild
    foto: apa/rubra

    Zentimeterdicke Stahlplatten am Bug zerlegen mächtig Gefrorenes in eisiges Treibgut.

Die Besatzung des Eisbrechers MS Eduard im Linzer Hafengebiet hat wohl derzeit einen der coolsten Jobs im Land

Täglich grüßt die Scholle: Erst wenn das Eis gebrochen ist, können sich Schiffe und Wasser wieder vorsichtig annähern. 

***


Linz - Peter und Eduard kennen einander seit mehr als 20 Jahren. Man ist ein eingespieltes Team. Peter kennt Eduards Schwächen, schätzt aber vor allem seine Stärken: "Mit zweimal 170 PS brummt es richtig, da geht ordentlich was." Muss es auch, denn der Eisbrecher MS Eduard ist angesichts der frostigen Außentemperaturen derzeit im Dauereinsatz.

Jeden Vormittag seit gut einer Woche klettert Kapitän Peter Neuhold auf die Steuerbrücke und bringt den Eisbrecher in Fahrt. Genau genommen erteilt der Kapitän das Kommando. Neuhold: "Der Motor wird mittels Luftdruck gestartet, so 20 Bar. Geht aber nur vom Maschinenraum aus." Ein Fall also für Manfred "Manni" Freiseder. "Ich bin quasi der Matrose. Also der, der sich auf Deck den Hintern abfriert, während der Herr Kapitän im beheizten Steuerhaus sitzt", lacht Freiseder und verschwindet im selben Augenblick im Bauch des Schiffes.

Manche mögen Eis

Noch bildet die gut zwölf Zentimeter dicke Eisschicht im Linzer Hafenbecken eine in der Wintersonne glitzernde Einheit. Für eine Schwanenfamilie wird der morgendliche Ausflug so zum wenig eleganten Spaziergang über die Donau. Schwimmen ist nicht drinnen - weder fürs Federvieh noch für Frachtschiffe.

Doch da gibt's ja noch Peter, Manfred und Eduard. Krachend fräst sich der 22 Meter lange Brecher durch die Eisschicht, zentimeterdicke Stahlplatten am Bug zerlegen mächtig Gefrorenes in eisiges Treibgut. Unerfahrene Passagiere beschleicht spätestens jetzt Unbehagen. Hält der Kahn das aus? 57 Jahre sind auch in Schiffsjahren eine ganze Menge. Der Kapitän beruhigt: "Eduard ist hart im Nehmen. Man muss die Eisplatte im geraden Winkel ansteuern. Sonst kann sich eine Scholle in der Schraube verfangen."

Gerade drauflos

Also immer gerade darauf los, dann kann nichts passieren. Doch bevor sich unter den Landratten Gelassenheit breitmacht, setzt Neuhold nach: "Beim Eisbrecher ist es so, dass das Schiff meist mit dir fährt und nicht umgekehrt. Das Eis bestimmt den Weg." Die Beruhigung an Deck verflüchtigt sich mit der nächsten Atemwolke.

Drei Stunden ist die MS Eduard jeden Vormittag unterwegs, gut 45 Hektar gilt es zu durchpflügen. Ab einer Eisdicke von über 20 Zentimetern ist für die MS Eduard aber Schluss. Im Sommer wandelt sich der Eisbrecher übrigens zum Ausflugsschiff für Donau-Touristen.

Harte Männer, weiche Haut

Kurze Arbeitspausen werden zur Hautpflege genutzt. Da stehen dann harte Männer mit Händen, groß wie Suppenteller, im eisigen Wind - und reichen sich ein Cremedöschen: "Das ist bei dieser Kälte enorm wichtig."

Doch für die Mannschaft vom Eisbrecher kündigt sich leichte Entspannung an. Die Kälte lässt nämlich in den kommenden Tagen etwas nach: Obwohl die Frühtemperaturen weiterhin zweistellige Minuswerte erreichen, wird es etwas milder als zuletzt. Am Dienstag dürfte die Höchsttemperatur voraussichtlich plus zwei Grad betragen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 10.2.2012)

Kommentar posten
18 Postings
kra3
01
10.2.2012, 08:45

http://derstandard.at/129336976... onauhaefen

Frei zitiert: Die Rache des Lesers ist das Archiv! :-)

Bilderrahmen
00
10.2.2012, 08:24

Die Landrate hat sich ordentlich begeistern lassen von der MS Eduard (ganz richtig, die Eduard wie nihil obstat zeigte).

Zum Thema "Ausflugsschiff für Donau-Touristen" - ein kleiner Bär? Da dürfen nur Freunde des Unternehmens drauf und die müssen sich um die besten Plätze raufen, denn ein Touristen-Schiff-Ambiete gibts dort einfach nicht.

Viel lustiger wäre es, wenn die MS Eduard ein paar Geschichten erzählen würde, was denn schon so auf ihr und mit ihr passiert ist. ;-)

rasenmähermann
00

In anbetracht der Berichte über "Eduard" in allen Medien, wieviele Journalisten gehen denn überhaupt auf so ein Boot?

nihil obstat
00
10.2.2012, 06:59

Auf dieses: mehrere Dutzend, wenn's sein muß.
Sitzplätze im Freien ca. 20, iirc.

nihil obstat
01

"Peter kennt Eduards Schwächen, schätzt aber vor allem seine Stärken."

IHRE, Herr Rohrhofer, ihre!

Die Eduard!

Andreas Hofer10
41

Ich empfehle Baldrian. Und dann noch eine gsunde Dosis Buerlezithin.

nihil obstat
00

Landratte oder Badegast?

Andreas Hofer10
01

U-Boot Kommandant

Stahlkind
01
um nochmal auf die Bio Fleischer Diskussion

zurückzukommen (drüben ist es schon zu unübersichtlich):
Wo ist leicht Ihre BioDealerin des Vertrauens?
Ich geh oft in den Biomarket zw. Goethe und Bürger, weil ich da wohne, die haben vakuumverpacktes Fleisch vom Schober (find ich aber nicht so toll), das Gemüse ist dort auch oft schon letschert. Südbahnhofmarkt mag ich lieber ab Frühling (Schafmolkenkäse beim Orbi, ein Gedicht und Geheimtipp). Bio ist gar nicht so teuer wenn man allein lebt und gern nur 5 Kartoffeln oder 2 Karoten kauft! Sonst müsste ich riesige Familienpackungen nehmen, und alles verdirbt. Beim Hartl gibts sicher auch Innereien, ich hoff die neue Filiale in der Arkade ist nicht teurer als SüdBHFmarkt.

nihil obstat
00
10.2.2012, 06:57

Danke der Nachfrage, ich bin sehr zufrieden mit MüLi (Elisabeth Krainz) am westlichen Rand des Pfarrplatzes.
Das ist eine echte Greißlerin, die die Kunden mit Namen kennt.

http://www.meinmueli.at/?page_id=29

Hinschauen und bitte berichten, ob sie zufrieden waren!

@Mengenfrage: genau so ist es (nicht nur bei Gemüse, sondern auch bei Speck, Wurst, Käse etc.).

Das Liebenswürdige Scheusal
 
00
10.2.2012, 13:04
Das müli gibts noch immer.

Schön zu hören.

Bilderrahmen
00
10.2.2012, 11:43

Sorry, dass ich mich jetzt einschalte. Klingt interessant und werde ich mal hinsehen, aber die Fotos auf der Website verursachen bei mir Kopfweh. Was ist denn mit diesen passiert?

nihil obstat
00
10.2.2012, 11:50

Fisheye oder Panorama/Photostich, vermute ich.
Wenn Sie im Geschäft stehen, werden sie feststellen, dass man das ohne Trick gar nicht fotografieren kann... :D

nihil obstat
00
10.2.2012, 11:58

Photostitch, mit 3 t.

Bilderrahmen
00
10.2.2012, 14:29

Dankschen für die Erklärung. Muss ich mir wirklich vor Ort ansehen, denn virtuell halte ich das nicht aus.

TheNepomuk
00

Naja, so eine Differentialbremse bringts einfach nicht... Entweder 100%ige Sperre - wobeis da relativ egal is ob manuell oder elektrisch gesperrt oder Gewicht sparen.

Differentialbremse bringt gar nix, da kannst du gleich zu Fuss gehen... Oder den Traktor mitnehmen...

madathara
00
10.2.2012, 01:42

Die Samen sind im unreifen Zustand mit kleinen, kurzen Stielen an der Fruchtwand befestigt. Sind die Samen reif, trocknet dieser Stiel ab. Die sternförmig angeordneten Balgenfrüchte sind ausgereift nach oben gerichtet. Treffen Regentropfen auf diese Früchte, werden die losen Samen durch die aufprallenden Regentropfen herausgeschwemmt und ausgebreitet.

pdsa
00
10.2.2012, 02:01

Das sehen Sie etwas zu eng; das Papier dafür kommt ja großteils aus recycleten Quellen. Klar ist das insgesamt problematisch, vor allem auch wegen dem Energieverbrauch und dem Bleichen, aber so schlimm wie Sie sagen ist es auch nicht.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.