Tiere als Therapie

Die Feinmotorik am Hundefell trainieren

Bianca Blei, 10. Februar 2012, 06:15
  • Artikelbild
    foto: apa/arno burgi

    Durch den Besuch der Hunde finden auch die Bewohnerinnen des Altenheims wieder zueinander.

Alle zwei Wochen besuchen Therapiehunde ein Altenheim im 23. Wiener Gemeindebezirk

Stimmengewirr, Geschirrklappern und das Rascheln von Plastiksäcken, die von PflegerInnen durch die Gänge getragen werden. Am Vormittag herrscht außerhalb der Zimmer im Pflege- und Sozialzentrum der Caritas Socialis im 23. Wiener Gemeindebezirk ein hoher Geräuschpegel. Es ist Zeit für die Morgentoilette der BewohnerInnen, Zimmer werden gereinigt und das Frühstücksgeschirr wieder aus den Zimmern geräumt.

Im Aufenthaltsraum des Westflügels ist es ruhig. Das Zimmer ist aber keinesfalls leer: Neun ältere Damen sitzen im Kreis und warten. Manche Frauen schließen immer wieder die Augen und schlafen kurz ein. Andere starren aus dem Fenster. Nur eine resolute Seniorin im Rollstuhl durchbricht die Stille. "Die Viecherln sind ja noch gar nicht da!", ruft sie und schüttelt den Kopf.

Psychische und physische Hilfe

Als "die Viecherln" dann zehn Minuten später in den Raum stürmen, macht sich ein Lächeln auf dem Gesicht der Dame breit. Fünf Hunde, vom Puli bis zum Chihuahua, begrüßen nahezu jede der Wartenden persönlich und lassen sich geduldig streicheln. Sie sind die vierbeinigen Helfer des Vereins "Tiere als Therapie" und kommen alle zwei Wochen zu Besuch ins Pflegeheim. 

Sie würden den älteren Leuten sowohl psychisch als auch physisch helfen, ist sich die Geschäftsführerin des Vereins, Helga Widder, sicher. Durch das Streicheln werde die Feinmotorik und durch das Werfen eines Balles die Grobmotorik der SeniorInnen trainiert. Die Erinnerung an die eigenen Haustiere werde zusätzlich als positiv empfunden.

Gegen das Vergessen

Der kleine Chihuahua wälzt sich in der Mitte des Sitzkreises auf dem Boden, springt in die Luft und tanzt auf seinen Hinterpfoten. Die Kunststücke sollen die Anwesenden unterhalten. Unterdessen hockt sich Helga Widder vor eine Dame im Rollstuhl und beginnt ein Gespräch: ob sie sich noch an Speisen aus ihrer Kindheit erinnern könne. "Gansl", ist die knappe Antwort der Frau, sie lächelt und sieht nicht auf, während sie den Hund weiter streichelt.

Doch nicht alle Anwesenden können sich an die Gerichte ihrer Kindheit erinnern. Auch wenn man ihnen ansieht, dass sie sich anstrengen. Dennoch entstehen kurze Gespräche zwischen den Sitznachbarinnen, und Widder sagt: "Während der Therapie beginnen Menschen, die gemeinsam wohnen, aber noch nie miteinander geredet haben, zu plaudern." Eine Therapie eben, bei der niemand merkt, dass es eine ist.

Pause nach dem Einsatz wichtig

Die Hunde sind allesamt ausgebildete Therapietiere. Das bedeutet, dass sie gemeinsam mit ihren BesitzerInnen mindestens 24 Praxis- und 16 Vorlesungseinheiten absolviert haben. Nach der praktischen Prüfung dürfen die Vierbeiner dann eingesetzt werden, wobei noch fünf Assistenzbesuche verpflichtend sind, bei denen die BesitzerInnen überprüft werden. 

Es sei laut Widder wichtig, dass etwa ein Hund nicht mehr als zwei- bis dreimal pro Woche arbeitet: "Man muss sein Tier lesen können und eine Überforderung rechtzeitig erkennen." Außerdem sei die Nachbereitung wichtig: "Meine Hunde brauchen nach den Heimbesuchen eine Stunde Auslauf, und dann schlafen sie erst einmal." Und damit beginnt Widder ihre Runde im Sitzkreis erneut.

Kleine Schritte

Diesmal hat sie ein Säckchen dabei, in dem sich Formen zum Kekseausstechen befinden. Sie bittet die Anwesenden, eine Form zu ziehen und gemeinsam mit den anderen zu raten, um welches Motiv es sich handeln könnte. Bei manchen Damen dauert das Prozedere nur eine Minute. Für andere Heimbewohnerinnen hingegen ist es schwieriger. "Ich weiß, dass es nicht spektakulär aussieht, wenn eine Frau fünf Minuten braucht, um eine Form aus dem Säckchen zu nehmen. Das ist es aber", sagt Widder. Immerhin verlieren viele BewohnerInnen nach einem Schlaganfall oder altersbedingt ihre Kraft.

Nach einem letzten Kunststück der Hunde und ein paar abschließenden Worten der Therapeutinnen bleiben die Bewohnerinnen für einen Moment alleine im Raum zurück. Der Unterschied zu vorhin: der Lautstärkepegel. Es wird gelacht und geplaudert. (Bianca Blei, derStandard.at, 9.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 265
1 2 3 4 5 6
the falling man
13
14.2.2012, 10:18
@ jumping jack:

alle achtung - um zu einem artikel bei dem es um ein erfolgreiches programm von "tiere als therapie" geht eine beisskorbdiskussion anzufangen muss man schon einen ziemlichen knall haben. warum lügen sie uns eigentlich ständig etwas vor mit ihren märchen von den angeblichen "hunderten erlebnissen mit bösen hunden" und ihrer angeblichen "sympathie für hunde" usw. warum sagen sie nicht einfach ganz ehrlich dass sie hunde hassen und sich wünschten, dass hundehaltung allgemein verboten wäre. das ist ja kein grund sich zu schämen sondern halt ihre persönliche (minderheits)meinung. dann hätten wir wenigstens eine ehrliche gesprächsbasis. ihr verlogenes geschwätz hier und ihre angebliche sorge über die "gar so große gefahr" ist einfach lächerlich.

Elke Söllner
00
14.2.2012, 08:49
Therapietiere

Tiere als Therapeuten - JA! Denn sie können bei jung und alt, gesund oder unglaublich viel Positives bewirken. ABER, dabei ist immer auf Stresssymptome des Tieres zu achten und Rücksicht zu nehmen. UND, es ist sehr wichtig Ihnen einen artgerechten Ausgleich zu verschaffen. Der Therapiehund muss auch mit Seinesgleichen herum tollen dürfen und die Möglichkeit für Ruhe und Entspannung bekommen. Das Therapiepferd muss auch auf der Koppel mit Artgenossen einfach nur Pferd sein dürfen...sonst werden sie frustriert und krank. Wir tragen die Verantwortung.

barry08
10
10.2.2012, 20:32
Habe einen gut trainierten Hund

Der Hund war neben seinem Leben als Familienhund als Jagdhund trainiert und kann mit Fingerzeig gelenkt werden. Nun ist er zu alt zum Jagen, aber er ist psychisch belastbar und könnte noch einige Jahre sinnvoll eingesetzt werden.
Wo kann man sich bewerben um mit Senioren zu arbeiten?

IncontinentIceweasel
02
11.2.2012, 08:45
"...kann mit Fingerzeug gelenkt werden..."

"...sinnvoll eingesetzt werden..."

Klingt mehr nach Werkzeug als nach Lebewesen.

opryde
00
14.2.2012, 11:51

es gibt hunde, die brauchen das. habe selbst einen jagdhundmischling, der völlig unrund wird, wenn sie zwei, drei tage in folge nicht "arbeiten" darf (lies: am feld insekten und mäusen nachstellen, apportierspiele, vogelscheuche spielen usw.).

Edelpiefke
00
11.2.2012, 12:55

Sagen wir doch einfach Nutztier. Ist nichts Verwerfliches.

IncontinentIceweasel
01
11.2.2012, 22:41
Eh nicht.

Aber in der Art und Weise wohl kaum brauchbar für diese Art der Therapie.

Prinzessin Li
00
10.2.2012, 21:10

vielleicht ist diese Seite interessant: http://www.therapiehunde.at/site/index.php?ch=1

"Über 20 Teilnehmer nahmen an unserem Eignungstest im Frühling teil. 12 davon konnten den Kurs beginnen, 7 haben im November 2011 die Therapiehundeprüfung mit Erfolg abgeschlossen."
Anscheinend gibt es immer im Frühling einen Eignungstest und dann die Ausbildung, die bis circa November dauert.

Waxolunist
15
10.2.2012, 17:59

Nitgends gibts so viele Leute mit Hundephobie wie hier im Standardforum. Ist echt witzig.
Wieso bloss?

nerea
13
10.2.2012, 18:23

weil sie hier in der Sicherheit der Anonymität ablästern können.

IncontinentIceweasel
41
10.2.2012, 18:05
Unsinn.

Leute die keine Hunde mögen, sind überall sehr häufig anzutreffen.

Poldi Fesch
12
11.2.2012, 15:49
im wirklichen Leben

eher nicht

jumpingjack flash
352
10.2.2012, 10:58

ich halte das für zu gefährlich - es gibt tiere die sich deshalb besser eignen.
wer übernimmt die verantwortung wenn so ein hund das streicheln satt hat - und zubeisst?

motd
00
15.2.2012, 12:03
Find auch das sibirische Tiger besser sind

gesponsert von der PVA
sie armes Würsterl sie

jumpingjack flash
00
15.2.2012, 18:54

wie wär es mit felis silvestris f. catus - zu ungefährlich?

motd
00
16.2.2012, 10:00
Meine Katzen kratzen

subhuman
04
10.2.2012, 18:44

sie können es anscheinend nicht verwinden etwas positives über hunde zu lesen.
naja auch arm

jumpingjack flash
30
10.2.2012, 20:02

ich mag hunde und finde die aktion ok - wenn, im gegensatz zum obigen bild beisskorb getragen wird, und sichergestellt ist dass die hunde die alten und kranken nicht umstossen können.

Waxolunist
00
12.2.2012, 12:25

Mit einem Beisskorb erreichens eher das Gegenteil als einen ruhigen Hund. Der wird viel eher verängstigt sein.

jumpingjack flash
30
12.2.2012, 16:34

aber die kinder und eltern sind von ihrer angst befreit - das ist tausendmal wichtiger.
es gibt hundeauslaufzonen, privatgärten da dürfen die hunde ohne korb und leine nach herzenslust herumtoben.

belgma
 
01
12.2.2012, 21:21

die eltern der senioren?!?!?

Waxolunist
00
12.2.2012, 16:38

Sie verstehns nicht. Mein Kind hat auch keine Angst vor Hunden ohne Beisskorb.

jumpingjack flash
10
12.2.2012, 16:52

das seh ich völlig neutral - es ist ihr kind und wenn dem und ihnen es z.b. nix ausmacht mit hunden, auch femden, zu spielen, die anzugreifen oder von denen berührt, abgeschleckt ect. zu werden finde ich das völlig ok.! viele mögen das gerne.
ich mochte es eben nicht - ich möchte als erwachsener z.b. nicht von fremden hunden beschnuppert, abgeschleckt, angesprungen werden. darauf sollten hundehalterInnen achten. wenn sie fragen/klar ist dass es anderen nix ausmacht gibt es keine grenzen - nur bitte vorher abklären.

Waxolunist
00
13.2.2012, 09:28

Mein Kind ist in keiner Behandlung. Wie kommens da drauf? Und lesens doch noch einmal den Artikel.
Die Leute freuen sich auf die Hunde. Und ein Therapiehund mit Beisskorb funktioniert nicht.
Welches Kindheitstrauma haben Sie denn zu verarbeiten dass sie vor allem und jedem Angst haben und dazu noch verbittert durchs Leben laufen?

Sie müssen an dieser Therapie ja nicht teilnehmen. Und ich denke dass sich die Bisse von Therapiehunden während einer Therapiestunde irgendwo bei 0.00000000000000000000000000000000000000001% bewegen. Aber verleiden sie mit ihrer extremen Hundephobie nicht anderen die Freude.

Lassens ihre Mitmenschen damit einfach in Ruhe.

jumpingjack flash
10
14.2.2012, 01:22

ich hab grossen spass und freude am leben und auch dass ich hier posten kann - keine spur von verbitterung. und das hier ist eine diskussion, da wäre "ruhe" sehr schlecht.
einen hund mit beisskorb kann man auch liebhaben und streicheln - das weiss ich aus eigener erfahrung.
die wahrscheinlichkeit die sie angeben ist sicher viel zu gering - ausserdem schreibt man derart kleine zahlen mit negativen hochzahlen an - ist einfach übersichtlicher. die freude ist ungetrübter wenn nichts passieren kann, finde ich. und wenn sie eh nicht betroffen sind, versteh ich nicht warum sie sich so aufregen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 265
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.